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Langenhagen Das findet ein Hobby-Archäologe auf Feldern
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Das findet ein Hobby-Archäologe auf Feldern
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00:19 08.06.2018
André Przyklenk sucht auf einem Feld bei Schlage-Ickhorst nach Münzen. Quelle: Priesemann
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Wedemark/Isernhagen

Die Sonne knallt auf ein brach liegendes Feld bei Schlage-Ickhorst. Dort marschiert André Przyklenk rauf und runter. Wer sich ihm nähert, hört immer deutlicher die Geräusche seines Metalldetektors. „Düüüd, Düüüd, Düüüd“ macht das Gerät immer zu. Przyklenk sucht nach Hinterlassenschaften aus früheren Zeiten und hofft darauf, Münzen zu finden. „Hier führte mal ein Handelsweg entlang. Hier werde ich bestimmt welche finden“, erzählt er und zeigt auf die Landstraße 190, „da hinten stand übrigens auch mal ein Galgen.“

Den 49-Jährigen hat das Geschichtsfieber gepackt. „Ich unterstütze die Archäologie“, erklärt Przyklenk immerzu. Seine Funde stelle er der Denkmalschutzbehörde zur Verfügung – auch heute hofft er wieder auf sein Glück: „Vielleicht finde ich ja eine hannoversche Silbermünze aus dem Mittelalter.“ Davon hat er bereits einige gesammelt. Die Felder in der Wedemark seien ein gutes Pflaster, hier grabe er regelmäßig alte Münzen, Wehrmachts-Symbole oder Musketenkugeln aus. Sie lägen manchmal nur 30 bis 40 Zentimeter unter der Erdoberfläche. „Ich buddele hier keine großen Löcher“, erzählt Przyklenk.

Das Getute seines Metalldetektors wird nun wieder deutlich lauter und ertönt in kurzen Abständen. „Das hört sich gut an“, sagt Przyklenk und zeigt auf die Anzeige an seinem Arm, „das ist wahrscheinlich was aus Eisen.“ Der 49-jährige Hobby-Archäologe geht in die Knie buddelt ein Loch, nicht zum ersten Mal an diesem Tag. „Das ist ganz schön anstrengend, man muss körperlich fit sein“, erklärt er. Nach kurzer Zeit hat er den Gegenstand identifiziert – es ist ein Dosenring. Es ist dann doch nicht immer der alte Goldschatz.

Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg

Der Dosenring gehört allerdings noch zu den harmlosen Fehl-Funden von Przyklenk, der haptberuflich im Außendienst arbeitet. Schon häufiger habe er den Kampfmittelbeseitigungsdienst rufen müssen. Gerade in der Nähe zu Kaltenweide finde er immer wieder Stabbrandbomben aus dem Zweiten Weltkrieg. „Die sind manchmal noch gefährlich“, sagt der Isernhagener.

Vor fünf Jahren begann sein Sammelfieber. Da schaute Przyklenk einen Beitrag im Fernsehen, wo ein Archäologe behauptete, auf Feldern Münzen zu finden. „Das habe ich nicht geglaubt und habe es dann selbst ausprobiert“, berichtet der 49-Jährige. Nun ist er fast zweimal die Woche draußen und sucht etwa drei Stunden die Felder ab. „Das finde ich spannender, als zu Hause vor dem Fernsehen zu sitzen“, erzählt er. Ob seine ungewöhnlichen Hobby hätte ihn noch keiner für verrückt erklärt, viele seien hingegen interessiert und würden nachfragen.

Wieder hat der Metalldetektor angeschlagen. Przyklenk gräbt einen schwer erkennbaren Gegenstand aus dem trockenen Boden. „Das könnte ein Halter für Gewänder aus dem Mittelalter sein“, sagt er und schmunzelt, „aber das schicke ich mal besser zur Denkmalschutzbehörde bevor wir uns blamieren.“ Bevor der Hobby-Archäologe in den Feldern gräbt, informiert er die Landwirte. „Alles andere wäre Hausfriedensbruch. Die Bauern sind in der Regel kooperativ“, erzählt der 49-Jährige. Zudem habe er an Lehrgängen teilgenommen und darüber eine Art Genehmigung bekommen, dieser Arbeit nachzugehen.

Düngemittel setzen Funden zu

Wieder hat er seine Schaufel zur Hand genommen und wühlt die obere Erdschicht des Ackers auf. Der Metalldetektor hatte wieder deutliche Zeichen gesendet. „Vielleicht ist es ja dieses Mal eine Münze“, hofft der heute bislang glücklose Przyklenk. Und in der Tat, der Isernhagener holt einen runden Gegenstand aus der Erde. „Das könnte ein hannoverscher Pfennig aus dem Jahr 1840 sein“, sagt er. Der Zustand ist allerdings eher schlecht. Düngemittel hätten der Münze zugesetzt. Przyklenk muss sie sauber machen, um Näheres sagen zu können.

Es ist aber definitiv nicht der bedeutendste Fund, den er in seinem Leben bisher gemacht hat. Dazu zählt Przyklenk eine hannoversche Silbermünze, einen „24 Mariengroschen“ aus dem Jahr 1676. Ist so etwas schon die Spitze des Eisbergs? „Ich würde gerne mal etwas finden, was die Archäologie richtig weiterbringt“, erklärt er, „ein altes Grab zum Beispiel.“ Oder einen Schatz. Mit demselben Metalldetektor-Modell, das Przyklenk verwendet und etwa 1.400 Euro kostet, haben Archäologen auf einem Acker bei Rügen Mitte April einen alten Wikinger-Schatz ausgegraben. „Die Schatzdichte in Deutschland ist sehr groß“, sagt der 49-Jährige und nennt Zahlen: Alle 15 Quadratkilometer sei ein Schatz verbuddelt. Früher hätten die Menschen ihr Vermögen nicht zu Banken bringen können und hätten dies deshalb vergruben, erklärt Przyklenk. „Wenn ich so einen finde, ist das aber was für Seite Eins“, sagt er lachend und geht weiter seines Weges – gefolgt vom „Düüüd, Düüüd“ seines Metalldetektors.

Von Sascha Priesemann

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