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Langenhagen Firmen beklagen mangelnde Lehrlingsqualität
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00:15 13.08.2018
31 Auszubildende für vier verschiedene Berufe hat der Logistiker Dachser eingestellt. Quelle: privat
Langenhagen

Hunderte von Auszubildenden treten in diesen Tagen ihre Lehrstellen an. Zwar haben noch nicht alle Schulabgänger einen Platz gefunden, und die Firmen konnten auch nicht alle offenen Stellen besetzen. Aber insgesamt bietet der Ausbildungsmarkt in Langenhagen ein ausgeglichenes Bild. Nach den Erfahrungen vieler Unternehmen wird es jedoch immer schwieriger, geeignete Bewerber zu finden.

Den Angaben der Agentur für Arbeit zufolge waren Ende Juli insgesamt noch 199 Ausbildungsstellen als unbesetzt gemeldet. Das sind 25 weniger als im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt. Außerdem werden erfahrungsgemäß in den beiden folgenden Monaten noch etliche Verträge abgeschlossen, so dass zum Beispiel Ende September 2017 nur noch 34 Plätze frei waren, ein Jahr zuvor sogar nur 19. Gute Chancen haben Bewerber vor allem bei den zahlreichen Speditionen in der Stadt: Zu Verkehrs- und Logistikkaufleuten könnten noch 58 junge Leute ausgebildet werden.

Dafür interessieren sich jedoch nur wenige. Die meisten der insgesamt zurzeit noch 113 Lehrstellensucher wollen in Handel oder Tourismus, auch Buchhaltung und Verwaltung sind gefragte Bereiche ebenso wie Gesundheit und Erziehung. Vor einem Jahr waren zum gleichen Zeitpunkt noch 125 Bewerber ohne Ausbildungsplatz, 100 von ihnen kamen aber bis Ende September noch bei einem Lehrherrn unter.

Bekannte Unternehmen finden mehr Bewerber

Am wenigsten Probleme, geeignete Kandidaten für die Ausbildung zu finden, haben große, bekannte Unternehmen. So hat der Logistiker Dachser insgesamt 31, die MTU Maintenance 27 Lehrlinge eingestellt, die jeweils in unterschiedlichen Berufen ausgebildet werden. So habe die MTU immerhin noch rund 450 Bewerbungen bekommen, berichtet dessen Sprecher Michael Siefkens. Aber früher seien es eher 700 bis 800 gewesen. „Wir müssen mehr Aufwand treiben“, erklärt Siefkens. Seine Firma, die in Langenhagen die Wartung und Instandsetzung von Flugzeugtriebwerken betreibt, präsentiere sich inzwischen verstärkt auf Messen und bei Berufsinformationstagen.

Thies Kruse, Leiter des Famila-Warenhauses, hat zwar auch drei angehende Verkäufer eingestellt, „aber ich hätte gerne noch mehr ausgebildet“, sagt er. Doch es hätten sich keine geeigneten Bewerber gemeldet. Es hapere an der Qualität der Kandidaten, meint Kruse. Schulabgänger mit guten Noten ziehe es eher ins Büro, der Handel habe es schwer, damit zu konkurrieren. Extrem problematisch sei es, jemanden für den Bereich Fleisch zu finden, sei es als Fachverkäufer oder als Fleischer.

Motivation für Ausbildung und Beruf reicht oft nicht

Weniger in mangelnder Qualifikation, sondern in fehlender Motivation sieht Martina Jung vom Heizungs- und Sanitärbetrieb Jung & Söhne das Problem beim Nachwuchs. Zwar habe man aus den 20 Bewerbungen auch in diesem Jahr wieder einen Kandidaten herausgefunden, dem man eine erfolgreiche Ausbildung zutraut. Aber es werde immer schwieriger, junge Leute für das Handwerk zu begeistern. Das bestätigt Christian Eikemeier, Geschäftsführer der Kartonagenfabrik Eikemeier. Für den kaufmännischen Bereich gebe es wenig Probleme, schildert er die Situation. Auch habe er dieses Jahr noch einmal einen Azubi für die Fertigung gefunden, würde aber durchaus noch einen weiteren nehmen – wenn er ihm denn geeignet erscheint. „Aber die meisten wollen lieber am Computer sitzen, statt an Maschinen zu arbeiten“, hat Eikemeier festgestellt.

Hoffen auf die IT-Chance

„Ich habe richtig, Lust zu arbeiten“, versichert Franziska Neumann. Sie gehört zu jenen mehr als 100 Langenhagener Bewerbern um einen Ausbildungsplatz, die bisher noch nicht fündig geworden sind. Die 19-Jährige hat einen Fachoberschulabschluss und könnte auch studieren, möchte aber lieber eine praktische Ausbildung machen. Sie würde gerne in die IT-Branche gehen, kann sich eine Laufbahn als Fachinformatikerin oder als Informatikkauffrau ebenso vorstellen wie als Kauffrau im E-Commerce oder als Industriekauffrau.

Sie hat sich auf einem Portal im Internet registriert, wo Arbeitgeber nach Ausbildungswilligen Ausschau halten können, und hat seit März mehr als 30 Bewerbungen geschrieben, die meisten auf ausgeschriebene Stellen. Von vielen habe sie gar keine Rückmeldungen bekommen, berichtet die junge Frau. Andere hätten wenigstens den Eingang bestätigt und mitgeteilt, dass sie noch prüften. Doch immerhin eine Einladung zum Gespräch hat sie inzwischen auch erhalten. Außerdem habe sie über das Internet-Portal ein Angebot als Finanz-Versicherungskauffrau erhalten. „Das ist vielleicht ganz gut als Plan B“, macht Franziska jedoch deutlich, dass sie noch auf eine Chance im IT-Bereich hofft. tb

Von Thomas Böger

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