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Langenhagen Kunstverein lässt um die Ecke denken
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00:22 26.04.2018
Was machen Einladungen scheinbar ohne Text oder mehr als 6000 Reißzwecken in der Wand mit dem eigenen Blick? Quelle: Kunstverein Langenhagen
Langenhagen

 Wir sehen: nichts. Drei weiße Wände. Na gut: Drei weiße Wände, in denen goldfarbene Reißzwecken stecken. 6048 Reißzwecken, um genau zu sein, millimetergenau im Abstand einer Postkartenlänge angepinnt, reihenweise.

Halt, wir sehen noch was: Zwei Postkarten. An zwei goldfarbenen Reißzwecken. Und plötzlich sehen wir, im Kopf, was wir mit den Augen nicht sehen können: Drei weiße Wände mit 6048 Postkarten an 6048 Reißzwecken.

Man muss schon das eine oder andere Mal um die Ecke denken in der derzeit laufenden Ausstellung des Kunstvereins Langenhagen. Sie heißt „Der erweiterte Blick“ und befasst sich mit dem Schauen, was ja zum Kerngeschäft eines Ausstellungsortes gehört. Oriol Vilanova, aus Spanien stammender Künstler, sammelt Postkarten. Die hat er auch schon ausgestellt, anderswo. In Langenhagen stellt er die Möglichkeit einer Postkartenausstellung aus. Jeden Tag aber werden zwei reale Postkarten an die Wand gepinnt, jeden Tag neue, als Referenzobjekte.

Kuratorin und Kunstvereinschefin Noor Mertens hat sich für die Frage interessiert, was man sieht, was man sehen will und was nicht, was der Kopf mit den Augen macht und umgekehrt. Herausgekommen ist eine Schau über Dinge jenseits der Oberfläche. Zu einem Kunstwerk gibt es nichts als einen Hinweiszettel: Hellen Mirra aus Kalifornien hat lange Spaziergänge in Langenhagen und Hannover unternommen und kleine, spiegelnde Metallplättchen an Bäumen befestigt. Man sieht etwas, das jemand anderes gesehen hat, was etwas zeigt, das man sehen könnte. Wenn man sich umdreht. Immerhin steht einer der Bäume mit einem der „Other Asterisks“ (so der Werktitel) gleich schräg gegenüber vom Kunstverein. Wer sich ein bisschen bemüht, sieht: den Kunstverein.

Auch andere interessante Objekte hat Noor Mertens zusammengetragen. Dazu gehören 20 Einladungskarten ohne Einladung: Die Vorderseiten sind leer, oder jedenfalls fast. Auf einer ist bei schrägem Blick und Gegenlicht der Schriftzug „Bruce Nauman für Kinder“ erkennbar. Mertens selbst hat diese Karten gesammelt. Oder die Arbeiten von Thomas Geiger aus Wien: „Blätter toter Künstler“ heißt sie, und sie nehmen den Stil verschiedener Künstler auf und verlängern ihn über deren Tod hinaus. Man sieht etwas, das man eigentlich nicht mehr sehen kann. 

Hendrik-Jan Hunnemann aus Holland hat einen Vorhang aus schweren, grünlichen Kunststofflamellen beigetragen, wie sie in Kühlhäusern hängen. Hier hängen sie längs im großen Ausstellungsraum und halten keine Kälte, sondern Blicke ab. Etwa von einem Video über das Sehen, einem Film namens „Film“ von dem Dramatiker Samuel Beckett mit dem Stummfilmschauspieler Buster Keaton. Er zeigt: Man sieht. Immer. Auch wenn man nicht sehen will.

Information: Die Ausstellung „Der erweiterte Blick“ läuft noch bis zum 6. Mai. Alle weiteren Termine sind zu finden unter www.kunstverein-langenhagen.de im Internet. 

Von Bert Strebe

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