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Lehrte Vor 175 Jahren kam die Eisenbahn nach Lehrte
Aus der Region Region Hannover Lehrte Vor 175 Jahren kam die Eisenbahn nach Lehrte
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13:49 29.10.2018
Der Bahnhof in Lehrte ist nach wie vor ein Dreh- und Angelpunkt für den Zugverkehr: Vor 175 Jahren hielt hier der erste Zug. Quelle: Michael Schütz
Lehrte

Die meisten Menschen, die von Lehrte aus den Zug in Richtung Hannover, Celle oder Braunschweig nehmen, verschwenden in der Regel keinen Gedanken an den Bahnhof selbst. Er ist schlicht ein Ort, um zur Arbeit, ins Kino oder in die Ferien zu fahren. Dabei ist der Lehrter Bahnhof ein Ort der Geschichte. Ohne ihn hätte Lehrte heute ein völlig anderes Gesicht. In diesen Tagen wird der Bahnhof 175 Jahre alt. Der erste Zug fuhr dort am 22. Oktober 1843 ein. Grund genug also, die Geschichte eines der wichtigsten Lehrter Orte Revue passieren zu lassen. Helmut Ehlen hat das getan. Der Lehrter ist Mitglied im Modelleisenbahnverein, der das historische Stellwerk Lpf in Richtersdorf unterhält. Erhat für den Verein eine Chronik zum Werdegang des Bahnhofs verfasst.

Darin ist zu lesen, dass die Geschichte des Bahnhofs bereits 1824 begonnen hatte – namentlich mit dem braunschweigischen Kammerassessor August Philipp von Amsberg, der damals eine Denkschrift mit Plänen zur Anlage einer Eisenbahnverbindung zwischen den Städten Braunschweig, Celle, Hildesheim, Bremen und Harburg veröffentlichte. Am 22. Februar 1841 wurde beschlossen, die Strecke von Hannover nach Braunschweig über Lehrte zu bauen. Die Strecke von Celle nach Hildesheim sollte ebenfalls über Lehrte laufen, sodass hier eine Kreuzbahn entstand. Ab 1842 entstand auf einer sumpfigen Dorfgemeinschaftsfläche namens „Kleines Moor“ ein Haltepunkt mit zwei Bahnsteigen.

Der Bahnhof Lehrte auf einer Postkarte aus den 1920er Jahren. Quelle: Michael Schütz (Repro)

Der Bahnhof war, nach dem Vorbild im belgischen Mechelen, als Kreuzbahnhof für das Umsteigen der Fahrgäste geplant. Als Haltepunkt für das damals 850 Einwohner zählende Dorf Lehrte spielte er eine untergeordnete Rolle und war auch nur von der Königstraße über den Ziegenbocksweg erreichbar, der nach den von Ziegenböcken gezogen Wagen benannt wurde, mit denen die Lehrter Bauernjungen Milch zur Bahn brachten. Ende 1843 wurde die Strecke nach Peine und im Oktober 1845 die nach Celle freigegeben. Mit der Eröffnung der Strecke nach Hildesheim am 11. Juli 1846 war die Anlage des Kreuzbahnhofs vollendet.

Auf dieser Aufnahme von etwa 1960 führt der Ziegenbocksweg (links) zum Gleis 11 Quelle: privat

Das heutige Bahnhofsgebäude allerdings kam erst, nachdem die Rauchwolken des ersten Zuges schon längst zerstoben waren. Schinkel-Schüler Ferdinand Schwarz entwarf das Gebäude, in dem Warte- und Diensträume ebenso untergebracht werden sollten wie Posträume und der Fahrkartenverkauf. Der damals noch junge Baumeister Conrad Wilhelm Hase, dessen 200. Geburtstag gerade gefeiert wurde, führte den Bau ab 1844 aus. Ein Jahr später war er vollendet.

Heute macht das 1986 gebaute zentrale Stellwerk den Ziegenbocksweg zur Sackgasse. Quelle: Michael Schütz

„In den ersten Jahren nach der Inbetriebnahme der Bahn war Lehrte ein Ausflugsziel der Stadt Hannover“, schreibt Ehlen in seiner Chronik. Der Grund dafür waren seltene Pflanzen und Bäume, die von den königlichen Gärten in Herrenhausen für den Bahnhof gestiftet wurden. „In diesen Anlagen, die mit einer großen Grotte, Springbrunnen, Goldfischteichen und einem kleinen zoologischen Garten versehen waren, fanden auch zeitweilig Militärkonzerte statt.“

Zoff zwischen Hannover und Preußen

Die große Politik spielte vor 150 Jahren in der Regel in Lehrte kaum eine Rolle. Im 19. Jahrhundert allerdings hatte sie doch Einfluss auf den Bahnhof. In den Sechzigerzahren des 19. Jahrhunderts wurde die Strecke von Berlin nach Lehrte geplant. Da sich die hannoverschen Welfen und die Hohenzollern nicht grün waren, verweigerte das Königreich Hannover dem Königreich Preußen, die neue Strecke in Lehrte einfädeln zu lassen. Vor dem Lehrter Bahnhof sollte deswegen einen eigener Endbahnhof entstehen.

Dazu kam es allerdings nicht mehr. Im Krieg zwischen Preußen und Österreich, in dem es um die Vormachtstellung im damals in Monarchien und Fürstentümern zersplitterten Deutschland ging, hatte sich Hannover auf die Seite der Österreicher gestellt, die diesen Krieg verloren. 1866 wurde deswegen das Königreich Hannover zur preußischen Provinz, sodass die Frage des Lehrter Bahnhofs direkt in Berlin geregelt werden konnte. Der Berliner Endpunkt dieser im Jahr 1871 eröffneten Strecke war der Lehrter Bahnhof auf dem Gelände des heutigen Berliner Hauptbahnhofs. Dessen S-Bahn-Gleise tragen offiziell immer noch den Beinamen „Lehrter Bahnhof“.

Wie Lehrte zur Stadt wurde

Die Kreuzung der Ost-West- und Nord-Süd-Bahnverbindungen auf Lehrter Gebiet brachte weitreichende Folgen für das damalige Bauerndorf Lehrte mit seinen rund 850 Einwohnern. Zum einen zogen viele Bahnbedienstete hierher und bezogen in Neubauten um den Bahnhof herum Quartier. Zum anderen zogen die neue Bahnanbindungen in allen Himmelsrichtungen Industrie und Handel an, die sich in Bahnhofsnähe niederließen. Hermann Manske etwa gründete 1881 eine Zementfabrik.

Ab 1911 wurde Lehrte zum bedeutenden Viehumschlagplatz in Norddeutschland. Auch die Lehrter selbst nutzten die Chance und gründeten 1883 eine Zuckerfabrik sowie zwei Genossenschaftsbanken. Um den Bahnhof herum entstand ein neuer Stadtteil, der heute das Lehrter Zentrum bildet. Die Bahnmitarbeiter und Arbeiter in der Industrie ließen die Einwohnerzahl des Dorfes auf rund 4500 im Jahr 1895 hochschnellen. 1898 bekam Lehrte die Stadtrechte, die es ohne die Eisenbahn sicher nicht bekommen hätte. Auch Nikolauskirche an der Osterstraße war damals längst zu klein geworden, sodass zwischen dem Dorf und dem Bahnhofsviertel die Matthäuskirche errichtet wurde – übrigens vom Erbauer des Bahnhofs, Conrad Wilhelm Hase. tz

Von Michael Schütz

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