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Lehrte Radschnellweg: Hohe Kosten, wenig Nutzen?
Aus der Region Region Hannover Lehrte Radschnellweg: Hohe Kosten, wenig Nutzen?
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00:26 02.11.2018
Rund 60 Gäste kommen zur Diskussion über den Radschnellweg nach Lehrte. Quelle: Achim Gückel
Lehrte

Das Vorhaben trägt das Etikett eines Leuchtturmprojekts. Es ist ehrgeizig, innovativ und zumindest für das Gebiet der Landeshauptstadt schon beschlossene Sache. Doch ob der erste Radschnellweg in der Region Hannover jemals auch über Anderten hinaus für 4,3 weitere Kilometer bis zum Lehrter Rathaus reichen wird, ist fraglich. Das ist am Montagabend bei einer Diskussionsveranstaltung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in der Städtischen Galerie deutlich geworden.

Denn nach wie vor geben sich die großen Parteien im Rat der Stadt Lehrte abwartend. Sie hegen den Verdacht, dass Investitionen in den Radverkehr an anderer Stelle in Lehrte besser aufgehoben wären als beim Radschnellweg. Sie wollen daher abwarten, welche Erkenntnisse der neue Verkehrsentwicklungsplan für Lehrte beinhaltet. Das Papier, das eigentlich schon seit Monaten hätte vorliegen sollen, wird für die kommenden Wochen erwartet.

Dass es in Lehrte viele Radfahrer gibt, die die Idee mit dem Radschnellweg nach Hannover prima finden, wurde bei dem Themenabend in der Galerie indessen sehr deutlich. Rund 60 Gäste kamen. Viele von ihnen sprachen sich für das Projekt aus, das allein auf Lehrter Gebiet mit Kosten von 1,6 Millionen Euro veranschlagt wird. 75 Prozent dieses Betrages würde über ein Förderprogramm des Landes bezahlt, 400.000 Euro müsste Lehrte aufbringen.

So könnte der Trassenverlauf des Radschnellwegs aussehen. Quelle: Achim Gückel

Der Radschnellweg würde vom Rathaus über die Große Moorstraße, die Wilhelmstraße, den Fuhrenweg sowie auf Wirtschaftswegen bis Ahlten, dort unter anderem über die Birkenstraße und schließlich über den Misburger Weg bis auf hannoversches Gebiet führen. Von dort geht es dann auf mehr als 10 Kilometer Strecke bis in die City der Landeshauptstadt – diese Trasse ist vom Rat in Hannover schon abgesegnet worden.

Doch das ficht SPD und CDU in Lehrte nicht an. „Radschnellwege kosten viel und bringen wenig“, sagte Hans-Joachim Deneke-Jöhrens, Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten, in der Galerie. Vielmehr brauche Lehrte innerörtlich bessere Radverbindungen, etwa an der Everner Straße und an manchen Stellen in der Kernstadt. „Dafür sollten wir unser Geld einsetzen“, sagte Deneke-Jöhrens und wurde sogar noch deutlicher. Der Radschnellweg sei streckenweise eine „Trassenführung durch die Pampa“. Die CDU in der Region habe sich ohnehin schon dafür ausgesprochen, eine geplante Trasse zwischen Hannover und Garbsen zu forcieren. Dort gebe es deutlich größeren Bedarf als in Lehrte.

Lehrtes SPD-Fraktionschef Bodo Wiechmann sagte zwar, er hege „grundsätzlich große Sympathie“ für einen Radschnellweg. Man dürfe aber auch die Folgekosten nicht vergessen. Dazu gehören eine mögliche Beleuchtung, Instandhaltung, der Betrieb einer Ampel an der Straße Am Rehwinkel bei Ahlten und der Winterdienst. Wiechmann sprach von einer noch zu leistenden „Kosten-Nutzen-Analyse“. Und erst der Verkehrsentwicklungsplan gewährleiste einen Überblick über alle wichtigen Projekte im Radverkehr in Lehrte und deren Kosten. Wiechmann versicherte, dass man gern Geld für die Verbesserung des Radverkehrs ausgeben wolle. Er betonte aber, dass erst einmal innerhalb Lehrtes alles „tiptop“ sein müsse.

Ronald Schütz, Fraktionschef der Lehrter Grünen, sprach sich uneingeschränkt für den Radschnellweg aus. Er sei ein „sehr überzeugendes Beispiel“ für vorausschauende Verkehrspolitik. In Hinblick auf die Unterhaltung der Trasse forderte Schütz die Region auf, man könne den Radschnellweg ja wie eine Kreisstraße behandeln. Damit blieben die laufenden Kosten bei der Region. Christoph Lokotsch (Die Linke) unterstützte Schütz: „Fahrradverkehre dürfen auch etwas kosten“, sagte er.

Viele der Gäste zeigten sich von den Aussagen der Politiker alles andere als befriedigt. „Ein Radschnellweg nach Hannover ist angemessen, Lehrte kann die Kosten tragen“, sagte einer der Zuhörer. Dass das Projekt vorerst an der Zurückhaltung der lokalen Politik scheitere, sei „schade für Lehrte“. Peter Hofmann vom ADFC forderte schließlich die Lehrter Politiker auf, so schnell wie möglich Gespräche mit der Region über den Radschnellweg aufzunehmen: „Denn der ADFC will, dass das Projekt kommt.“

Vier Meter breit, aber keine Fahrradautobahn

Radschnellwege sind Trassen, auf denen Radfahrern die Möglichkeit gegeben wird, mit hohem Tempo und möglichst wenigen Hindernissen schnell von einem Ort zum anderen zu kommen. Auch wenn solch ein Schnellweg im Idealfall 4 Meter breit sei, handele es sich dabei mitnichten um eine „Fahrradautobahn“, die die Landschaft zerschneide, sagte Klaus Geschwinder am Montagabend in der Galerie. Er ist Leiter der Verkehrsentwicklung bei der Region Hannover und brach eine Lanze für die Radschnellwege. Denn der Radverkehr nehme zu und könne mit solchen Trassen bestens geführt und gebündelt werden. Radschnellwege gebe es bisher nur wenige, einer existiere in Göttingen. An anderen Stellen in Niedersachsen, etwa in Osnabrück, Lüneburg oder Wolfsburg, gebe es Planungen.

Der Radschnellweg Hannover-Lehrte sei von der Region zunächst favorisiert worden, weil er im Vergleich zu den Trassen nach Garbsen oder etwa Laatzen am einfachsten zu realisieren sei, sagte Geschwinder. Es gebe auf dieser Trasse verhältnismäßig wenige Konfliktpunkte, die man beseitigen müsse. Die Machbarkeitsstudie habe die Region schon im Jahr 2016 finanziert und erstellt. Nun müsse es angesichts möglicherwese auslaufender Förderungen aber mit der Entscheidung schnell gehen. „Jetzt hängt es von Ihnen vor Ort ab“, sagte er den Lehrter Politikern. Vorerst stelle man aber die Planung des Radschnellwegs nach Garbsen in den Fokus. ac

Von Achim Gückel

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