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Lehrte Matthäusgemeinde hat Gäste aus Tschernobyl
Aus der Region Region Hannover Lehrte Matthäusgemeinde hat Gäste aus Tschernobyl
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16:58 25.06.2018
Die Mädchen aus Tschernobyl besichtigen den Lehrter Wasserturm. Quelle: Sandra Köhler
Lehrte

Vor 32 Jahren ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine eine folgenschwere Nuklearkatastrophe. Die betroffene Gegend ist immer noch hoch strahlenbelastet. Seit nunmehr 24 Jahren lädt die Matthäusgemeinde deshalb Kinder aus Tschernobyl nach Lehrte ein. Sie verbringen vier Wochen in Gastfamilien und können sich in dieser Zeit ein wenig erholen. Doch in diesem Jahr hätte die Aktion fast ausfallen müssen: Nur mithilfe eines Hilferufes, der durch die Medien ging, ließen sich genügend Gastfamilien für die zwölf Mädchen im Alter von neun bis zwölf Jahren finden, sagt Sven-Oliver Salzer, Diakon der Matthäusgemeinde: „Es sind immer mehr Familien, in denen beide Elternteile arbeiten. Das macht es schwierig, jemanden zu finden, der die Zeit hat.“

Nach dem Aufruf in den Medien hätten sich auch Lehrter gemeldet, „die bereits seit Längerem mit dem Gedanken spielten, sich zu beteiligen, und ihn jetzt in die Tat umsetzten.“ Manche der Gasteltern hätten sich extra Urlaub genommen, sagt Salzer. „Die Kinder wechseln nach zwei Wochen, denn diese Zeit ist doch leichter zu überbrücken. Auch die Betreuung mit Spiel- und Bastelangeboten, die Ehrenamtliche um Annette Berg an drei Tagen in der Woche von 9 bis 13.30 Uhr im Gemeindezentrum organisieren, mache es einfacher: „In der Zeit können die Gasteltern Besorgungen machen oder auch halbtags arbeiten, wenn es sich zeitlich so einrichten lässt“, sagt Salzer.

Ohnehin sei das ganze Projekt ohne vielfältige Unterstützung nicht denkbar. „Wir haben viele Sponsoren, die uns unterstützen“, sagt der Diakon. Restaurants spenden für Mahlzeiten und die Stadtwerke organisieren eine Führung durch den Wasserturm. Die Kinder dürfen einen Morgen in einer Bäckerei verbringen und dort frühstücken, das Lehrter Schwimmbad stellt Freikarten für die Besucher aus der Ukraine und ihre Gastfamilien zur Verfügung. „Das ist schön, da das Schwimmbad für die Kinder ein echter Höhepunkt ist und sie es sicherlich nicht so häufig besuchen könnten, wenn ihre Gastfamilien jedesmal zahlen müssten.“

Ein Schuhladen im Zuckerzentrum stattet die Kinder aus Tschernobyl zudem mit neuem Schuhwerk aus. „Wenn sie anreisen, tragen die Kinder meist ihre beste Kleidung. Doch im Laufe der Zeit fällt dann schon auf, dass da einiges einfach fehlt. So sind feste Schuhe eher eine Seltenheit“, sagt Salzer. Deshalb organisiert die Kirchengemeinde bereits im Vorfeld eine Kleidersammlung. Da könnten sich die Kinder aussuchen, was ihnen passe und was sie gern mit nach Hause nehmen würden. „Manches suchen sie auch für ihre Geschwister aus“, erläutert der Diakon. „Was übrig bleibt, geben wir an eine Sammlung weiter, die es nach Weißrussland bringt.“

Im Laufe der Zeit in Lehrte blühten die Kinder regelrecht auf, hat Salzer beobachtet: „Am Anfang sind sie schnell erschöpft und müde. Aber dann werden sie immer quirliger.“ Warum das so ist, hat ihm Dolmetscher Alexander, der gleichzeitig Arzt ist, erklärt: „Durch die Strahlenbelastung in Tschernobyl leidet das Immunsystem der Kinder sehr. In der Zeit, in der sie hier sind, kann sich dieses erholen. Und zwar so gut, dass es fast für ein Jahr lang anhält.“

Auch für das kommende Jahr ist geplant, wieder Kinder aus Tschernobyl aufzunehmen. Noch gibt es keinen festen Termin. Doch interessierte Gastfamilien können sich bereits jetzt melden. Da die ganze Aktion durch Spenden finanziert wird – die Gemeinde wendet Salzer zufolge etwa 3000 Euro zusätzlich auf – seien auch Geldspenden sehr willkommen, sagt der Diakon. Wer helfen will, kann mit ihm Kontakt aufnehmen: Über das Kirchenbüro An der Masch 26, Telefon (0 51 32) 83 70 77, per E-Mail an diakon@matthaeus-lehrte.de und mobil unter (01 52) 24 42 10 78.

Von Sandra Köhler

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