Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Lehrte Entscheidung in Sachen Gymnasium ist vertagt
Aus der Region Region Hannover Lehrte Entscheidung in Sachen Gymnasium ist vertagt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:17 06.02.2019
Entscheidung erst Anfang April: Die Debatte um Erweiterung, Sanierung oder Neubau des Lehrter Gymnasiums geht in die nächste Runde. Quelle: Achim Gückel
Lehrte

Die Entscheidung über Sanierung, Erweiterung oder möglichen Neubau des Lehrter Gymnasiums fällt nun doch nicht schon am nächsten Mittwoch. Der Finanzausschuss hat am Dienstagabend etwas überraschend die Bremse gezogen. Statt eine Empfehlung abzugeben, forderten die Politiker die Stadtverwaltung einstimmig auf, schnellstmöglich eine vergleichende Studie über alle drei zur Debatte stehenden Varianten zu erstellen. Dieses Papier soll Mitte März vorliegen und Ende März in den Ausschüssen des Rates eingehend beraten werden. Die endgültige Entscheidung fällt dann der Rat der Stadt am 3. April.

Bevor sich der Finanzausschuss auf diese Marschroute geeinigt hatte, gab es kontroverse, teilweise erbitterte Debatten. Noch am Montagabend im Bauausschuss setzten sich die Vertreter von SPD, Grünen und Die Linke bei einer Kampfabstimmung gegen die CDU-Opposition durchn. Die Mehrheitsgruppe votierte für die sogenannte Variante D, die Sanierung des Gymnasium-Altbaus an der Friedrichstraße, den Abriss der dortigen Bauten aus dem Fünfziger- und Sechzigerjahren sowie entsprechende Neu- und Erweiterungsbauten auf demselben Grundstück vorsieht. Das sei die finanziell vernünftigste Vorgehensweise, hieß es.

Harte Fronten im Bauausschuss

Die Varianten E und F – nämlich auf dem alten Stadtwerkegelände an der Manskestraße einen Neubau für die Sekundarstufe I zu errichten oder gleich das gesamte Gymnasium auf dem Schützenplatz im Stadtpark neu zu bauen – lehnte Rot-Rot-Grün am Montag ab. Beide Projekte seien nicht zu verwirklichen. Auf dem alten Stadtwerkegelände sei nicht genug Platz, die Hinzunahme von Teilen der Schlesischen Straße wirke sich auf das gesamte Quartier negativ aus. Mithin gehöre das Gelände der Lehrter Wohnungsbau, der man die Fläche erst für viel Geld abkaufen müsse. Ein Neubau auf dem Schützenplatz im Stadtpark schloss etwa Christoph Lokotsch (Die Linke) kategorisch aus. Der Park sei die „grüne Lunge“ der Stadt, die es zu schützen und zu verteidigen gelte.

Burkhad Hoppe (SPD) bezeichnete Stadtpark und Schützenplatz am Montag gar als ein „Heiligtum“ für die Lehrter. Ralf Wengorsch von der CDU nannte den Neubau der Sek I auf dem alten Stadtweerkegelände hingegen „die billigste und am schnellsten zu bauende Variante“ und bat außerdem darum, die Idee mit dem Neubau auf dem Schützenplatz „nicht einfach vom Tisch zu wischen“.

CDU-Chef spricht von „Verhinderungsplanung“

Einen Tag später, im Finanzausschuss, gab es dann eine Annäherung der Fronten. CDU-Fraktionschef Hans-Joachim Deneke-Jöhrens warf der Mehrheit und Bürgermeister Klaus Sidorschuk anfangs zwar noch vor, eine „Verhinderungsplanung“ zu betreiben. Er forderte aber auch mehrfach, man möge die ganze Sache noch einmal in Ruhe durchdenken, die Schule dazu hören und bloß nichts übers Knie brechen. Der Christdemokrat nannte einen Neubau im Stadtpark „die brillanteste Lösung“ –woraufhin Sidortschuk konterte, diese sei aber auch mit rund 40 Millionen Euro Kosten die teuerste. Wengorsch sprach indessen davon, man „puzzele“ in der ganzen Angelegenheit derzeit nur konzeptlos vor sich her. Es bedürfe dringend einer Studie, die alle Varianten des Gymnasiumsneubaus in allen Auswirkungen beleuchte.

SPD-Fraktionschef Bodo Wiechmann signalisierte im Finanzausschuss mehrfach vorsichtige Bereitschaft zum Entgegenkommen. Einen Sek-I-Neubau auf dem alten Stadtwerkegelände nannte er „eine interessante Variante, wenn man sie ohne Abstriche verwirklichen kann“. Er äußerte aber auch Zweifel, dass das möglich sei. Der Stadtpark sei allerdings „so bedeutend, dass wir ihn nicht hergeben dürfen“.

Vergleichende Studie für alle drei Varianten

Nach einer Sitzungsunterbrechung präsentierte der SPD-Fraktionschef dann die neue Marschroute, auf die alle politischen Kräfte gemeinsam einschwenkten: Die Verwaltung möge die vergleichende Studie für die drei Varianten vorlegen und dabei unter anderem Aspekte des Baurechts, der Finanzierung, der Baudauer, des Verkehrs und der Ökologie darlegen. „Das Thema ist so bedeutend, dass wir uns diese Verzögerung in der Entscheidung erlauben sollten“, sagte Wiechmann.

Gymnasium hat Unterschriftenaktion schon angeleiert

Während Lehrtes Politiker zu Beginn dieser Woche noch über die Zukunft des Gymnasiums debattierten, hat sich die Schule selbst bereits klar positioniert. Am Dienstag kam ein von Schulleiterin Silke Brandes verfasstes Papier in Umlauf, in dem sie die drei Varianten zu Sanierung und Anbau sowie zum Neubau des Gymnasiums darstellt und Details zu Kosten und Problemen nennt. Am Ende des Papiers fordert sie den Rat der Stadt auf, sich entweder für den Neubau auf dem Schützenplatz auszusprechen oder diese Variante sowie jene des Teilneubaus auf dem alten Stadtwerkegelände wenigstens zu überprüfen. Das Schreiben wurde an die Schüler zur Übergabe an die Eltern verteilt.

Brandes kündigte auf dem Infoblatt auch an, am Freitag dieser Woche, beim Elternsprechtag, eine Unterschriftensammlung zu starten. Die Listen lägen aber auch schon ab Mittwoch in den Sekretariaten aus. Als Termin für die Übergabe der Unterschriftenlisten nannte Brandes den kommenden Montag, 11. Februar.

Ob die Unterschriftenaktion nun angesichts der unerwarteten Entscheidung im Finanzausschuss noch gestoppt wird, konnte Brandes am Mittwochmittag noch nicht sagen. Das hänge nicht allein von ihr ab, sagte die Schulleiterin. Am Abend werde es eine Versammlung des Schulvorstands geben, dort falle eine Entscheidung.

Brandes betonte am Mittwoch, dass die Unterschriftenaktion dazu dienen sollte, das politische Verfahren vorerst zu stoppen. Sie sei nun „erst einmal zufrieden, dass das Tempo heraus genommen wurde“. Die Schulleiterin machte aber auch kein Geheimnis daraus, dass ihr Schulvorstand den kompletten Neubau der Schule auf dem Schützenplatz favorisiere. Diese Variante sei „noch nicht ausreichend ausgeleuchtet“.

Auch am Montag im Bauausschuss hatte Brandes sich zu Wort gemeldet und die Varianten mit dem Teilneubau auf der alten Stadtwerkegelände und dem Komplettneubau im Stadtpark als „keine dummen Gedanken“ und „fesch“ bezeichnet. Sie und der Schulvorstand seien von diesen Ideen aber erst vor wenigen Tagen völlig überrumpelt worden. Mittlerweile habe sich der Neubau auf dem Schützenplatz jedoch als „unser klarer Favorit“ herausgeschält, sagte Brandes. Und wenn der nicht machbar sei, dann solle es der Teilneubau auf dem alten Stadtwerkegelände sein. Dadurch erspare man der Schule unter anderem Interimslösungen, in der man den Unterricht in kostspielig zu mietende Container auslagern müsse.

Bürgermeister Klaus Sidortschuk hat indessen am Mittwochvormittag bereits ein Schreiben an Brandes versandt. Darin bittet er die Schulleiterin darum, eine Schulversammlung einzuberufen, in der er als Bürgermeister die Lehrkräfte, Schüler und Eltern unmittelbar über das strittige Thema informieren und Fragen beantworten kann. Alternativ bietet Sidortschuk an, selbst eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen und die Schule dazu einzuladen. In einer Pressemitteilung aus dem Rathaus heißt es außerdem, es sei „augenscheinlich der Eindruck entstanden, die Stadt treffe in Sachen Schulentwicklung übereilte Entscheidungen“. Das sei unzutreffend. Man werde mit aller Gründlichkeit und unter größtmöglicher Beteiligung vorgehen.

Der Kommentar: Diese Ehrenrunde muss sein

Der Beschluss, die Entscheidung in Sachen Gymnasium noch einmal aufzuschieben, ist richtig und bürgernah. Die Ehrenrunde ist nötig, um die drei zur Debatte stehenden Varianten in jeder Hinsicht zu durchleuchten, noch einmal mit allen Beteiligten eingehend zu reden und Argumente in Ruhe abzuwägen. Es hilft ja nichts, wenn nur die Mehrheit im Rat meint, alle Aspekte klar vor Augen zu haben und diese korrekt abwägen zu können. Bisher hat weder sie noch die Verwaltung wirklich zweifelsfrei und transparent dargelegt, dass ein Sek-I-Neubau tatsächlich nicht auf das frühere Stadtwerkegelände passt. Und bisher gibt es auch noch keine schriftliche, für jedermann nachlesbare Zusammenfassung, was zum Beispiel ein kompletter Neubau des Gymnasiums auf dem Schützenplatz bedeuten würde. Es geht hier um etliche Millionen Euro und eine Verschuldung, die Lehrte lange belasten wird. Da darf es auf zwei, drei Monate Beratungszeit nicht ankommen. Bürgermeister sowie Ratspolitik müssen in dieser Zeit nun größtmögliche Transparenz für die Bürger schaffen. Denn nur das beugt dem Eindruck vor, SPD, Grüne und Linke drückten einfach nur ihre Ideen durch.

Von Achim Gückel

Wer gewinnt die Kirschen-Ernte? Der Rabe oder der Gärtner mithilfe des jungen Publikums? Weil die jungen Zuschauer dem Schauspieler beim Mitmachtheater helfen, siegen sie am Ende gemeinsam.

06.02.2019

Wechsel im Pfarrteam der katholischen St.-Bernward-Kirche in Lehrte: Kaplan David Bleckmann löst Pfarrer Klemens Teichert ab, der sich künftig um die Ausbildung der pastoralen Berufe im Bistum Hildesheim kümmert.

06.02.2019

Die Stadt hat ein enormes Problem mit dem Zustand der Toilettenanlagen in ihren Schulen. Eine Untersuchung ergibt: In mehreren Schulen müssen dringend Sanierungen her. Alle Schultoiletten in Topzustand zu versetzen, würde gut 2 Millionen Euro kosten.

05.02.2019