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Lehrte Hämeler Wald: Rat streitet um Naturschutz
Aus der Region Region Hannover Lehrte Hämeler Wald: Rat streitet um Naturschutz
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18:35 25.10.2018
Der Hämeler Wald soll ein Naturschutzgebiet werden. Quelle: Archiv / Gückel
Lehrte/Hämelerwald

Die geplante Ausweisung des Hämeler Waldes und der angrenzenden Sohrwiesen als Naturschutzgebiet (NSG) hat auch im Rat der Stadt die Gemüter stark erhitzt. In einer Debatte mit rund 20 Wortbeiträgen prallten die Meinungen der Befürworter und strikten Gegner dieses Vorhabens hart aufeinander. Am Schluss stand eine Kampfabstimmung mit knapper Mehrheit für die NSG-Befürworter.

Zuvor waren die Fronten hart aufeinandergeprallt. CDU-Fraktionschef Hans-Joachim Deneke-Jöhrens etwa benutzte angesichts der Einschränkungen und Verbote, die ein Naturschutzgebiet mit sich bringe, unter anderem die Bezeichnung „Öko-Faschismus“. Die geplante NSG-Ausweisung empfinde er als einen totalitären Akt, sagte der Christdemokrat. Es finde „scheibchenweise eine kalte Enteignung“ der Waldbesitzer statt, die geplanten Schutzmaßnahmen seien völlig überzogen und basierten auf einer „Verdachts- und Verbotskultur“.

Sprecher anderer Fraktionen verwahrten sich gegen die Sicht- und Ausdrucksweise Deneke-Jöhrens’. „Das ist absolut unpassend und unsäglich“, kritisierte etwa Christoph Lokotsch (Die Linke). „Wir bewegen uns in einem geordneten Verfahren. Es so einzuordnen, wie sie es tun, ist unfassbar“, warf SPD-Fraktionsvorsitzender Bodo Wiechmann dem CDU-Pendant vor. Ronald Schütz (Grüne) betonte, der gesamte Vorgang habe nichts mit Faschismus zu tun, sondern bewege sich in einem „demokratisch legitimierten Rechtsrahmen“.

Grundsätzlich ging es in der Debatte darum, eine Stellungnahme der Stadt zu verabschieden, in der sie der Region Hinweise und Bitten zu der von der Europäischen Union geforderten Ausweisung des NSG Hämeler Wald mit auf den Weg gibt. Darin sind unter anderem Lockerungen beim Betretungsverbot des Waldes, etwa zum Pilzesammeln, vermerkt. Grundsätzlich müsse darauf geachtet werden, dass das mehr als 1000 Hektar große Waldstück seine hohe Qualität als Naherholungsgebiet nicht verliere. Und auch der Waldkindergarten „Waldwichtel“ müsse ohne Einschränkungen weiter bestehen bleiben, heißt es in der Stellungnahme aus dem Rathaus.

Der Ortsrat Hämelerwald hatte diese Stellungnahme unlängst mit breiter Mehrheit abgelehnt. Es reiche, wenn der Hämeler Wald ein Landschaftsschutzgebiet bleibe, ist die breite Meinung im Dorf. Ortsbürgermeister Dirk Werner (SPD) unterstrich diese Sichtweise auch im Rat und verglich die drohenden Verbote und Einschränkungen in einem Naturschutzgebiet mit einer „großen Keule“ für die Hämelerwalder. Diese seien es gewohnt den Wald zu nutzen und gingen mit ihm auch vorsichtig um. Werner stellte sich damit gegen die Meinung seiner Fraktion.

Auch der Hämelerwalder Ratsherr Renée Friedrich (CDU) untermauerte die Sicht des Ortsrats. Der Hämeler Wald sei insbesondere durch den jahrzehntelangen Einsatz der Forsteigentümer zu einem Schmuckstück geworden. Dieser Einsatz stehe nun auf der Kippe – und damit auch die Zukunft des gesamten Waldes. Auch Friedrich sprach von „kalter Enteignung“ der Waldbauern. Das NSG müsse man „mit allen Mitteln verhindern“.

Ronald Schütz (Grüne) betonte, man müsse durchaus ernst nehmen, was der Ortsrat sage. Und in der Tat sei der Zustand des Hämeler Waldes bereits hervorragend. Allerdings könne von Enteignung nicht die Rede sein, denn die Waldeigentümer würden von vielen Einschränkungen freigestellt. Die Stellungnahme der Stadt reagiere mit ihren Forderungen nach Sonderregelungen auch auf viele Wünsche der Bevölkerung. Man müsse aber eine schärfere Handhabe gegen all jene haben, die sich etwa mit Mountain-Bikes den Wald zu Eigen machten und sich dort „nicht benehmen“ könnten. Maren Thomschke (SPD) nannte das Ansinnen, ein NSG mit hohen Schutzstandards zu schaffen, „genau richtig“. Sie betonte, es sei wichtig „Haltelinien einzuziehen“, räumte aber auch ein, dass man sich „von Verboten umzingelt“ vorkommen könne. Sie verstehe die Befürchtungen in Hämelerwald, aber man müsse sich von der Ich-Bezogenheit unserer Zeit lösen, sagte Thomschke.

Bei der Abstimmung votierten 18 Ratsmitglieder von SPD, Grünen und Die Linke sowie Sebastian Frenger von den Piraten für die Stellungnahme der Stadt. 17 Stimmen von CDU, FDP, AfD-Mann Ulrich Gürtler sowie Sozialdemokrat Dirk Werner waren dagegen.

Von Achim Gückel

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