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Lehrte Hämelerwald läuft Sturm gegen Naturschutzgebiet
Aus der Region Region Hannover Lehrte Hämelerwald läuft Sturm gegen Naturschutzgebiet
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15:45 27.08.2018
Wird der Hämeler Wald zum Naturschutzgebiet? Quelle: Archiv
Hämelerwald

Unruhe und Empörung in Hämelerwald: Die Absicht der Region Hannover, den westlich an die Ortschaft angrenzenden Hämeler Wald zum Naturschutzgebiet (NSG) zu machen, entsetzt viele Bürger. Sie befürchten unter anderem Einschränkungen bei der Freizeitnutzung des Waldes. Auch der Bestand des Waldkindergartens „Waldwichtel“ sei in Gefahr, heißt es. Der Ortsrat hat nun sogar eine Erklärung verfasst, in der er mehr Informationen und Beteiligung am Ausweisungsverfahren fordert.

Hämelerwalds stellvertretender Ortsbürgermeister Thomas Schorn (FDP) denkt unterdessen bereits laut über die Gründung einer Bürgerinitiative nach. Und Ortsbürgermeister Dirk Werner (SPD) fordert schon jetzt die Hämelerwalder auf, zur nächsten Ortsratssitzung am 19. September zu kommen. Dann soll es um das Thema NSG Hämeler Wald gehen.

Hintergrund der Debatte in Hämelerwald ist das Ansinnen der Europischen Union, die sogenannte FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat) strenger umzusetzen als bisher, um die repräsentativsten Gebiete der Biodiversität in Europa langfristig zu sichern und zu erhalten. Damit kommt nun auch die Region Hannover in Zugzwang. Sie will auch das Laubwaldgebiet westlich Hämelerwalds inklusive der angrenzenden Sohrwiesen unter Naturschutz stellen. Und das soll noch dazu schnell gehen. Sie Sache müsse bis Ende 2018 unter Dach und Fach sein, heißt es. Denn gegen Deutschland läuft bereits ein Verfahren wegen Vertragsverletzung in Sachen FFH-Richtlinie.

Doch wenn das derzeitige Landschaftsschutzgebiet Hämeler Wald unter die noch strengeren Regeln des Naturschutzes kommt, sei dort vieles nicht mehr möglich, meint der Ortsrat – vom Pilzesammeln abseits der Wege bis hin zur privaten Forstwirtschaft. Und auch die Region Hannover spricht von einem „Zielkonflikt“. Dieses Wort nutzt sie zumindest in ihrer Antwort auf Fragestellungen des Lehrter CDU-Regionsabgeordneten Bernward Schlossarek zum geplanten NSG.

Der Ortsrat ist indessen offen empört. Es gebe zu wenig Information über die ganze Sache, eine Beteiligung der Ortspolitiker sei gar nicht vorhanden. Es dränge sich der Verdacht auf, dass nun Versäumnisse in Sachen FFH-Richtlinie auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen werden sollen, heißt es in der von allen neun Ortsratsmitgliedern unterzeichneten Erklärung.

Renée Friedrich (CDU) etwa sieht nun schon den Waldkindergarten am Ende, dessen Bauwagen sich am Rand des Hämeler Waldes befindet. Dieser müsste zum Januar 2019 seinen Betrieb einstellen, werde nun die Verordnung zum NSG über das Knie gebrochen. Und eine Umverteilung der kleinen „Waldwichtel“ auf andere Kitas sei gar nicht mehr organisierbar.

Überhaupt könnten alle Hämelerwalder „ihren Wald“ nicht mehr nutzen, wie sie es gewohnt seien, meint der Ortsrat. Etwa als Spielgelände für Kinder, zum Beeren oder Pilze sammeln, für ausgedehnte Spaziergänge abseits der Wege oder auch durch die Nutzung der im Wald verteilten Schutzhütten durch Vereine und Privatpersonen. „Hier regt sich deutlicher Widerstand“, meint Vize-Ortsbürgermeister Schorn.

Thomas Diekmann (SPD) sieht indessen noch Möglichkeiten, auf die rechtlichen Bestimmungen im NSG Einfluss zu nehmen. Es gelte jedoch, jetzt schnell zu handeln. Ähnlich argumentiert auch Roland Panter (Grüne). Man müsse trotz aller Naturschutzgedanken sehr sorgfältig darüber nachdenken, wie man das Naherholungsgebiet vor der Haustür auch weiterhin für die Bürger nutzbar halten könne.

Wie brisant und eilig das Thema ist, zeigt noch eine andere Tatsache. Zur Sitzung des Lehrter Ratsausschusses für Umweltschutz und Landschaftspflege am Dienstag, 28. August, ist es nachträglich auf die Tagesordnung genommen worden. Das Gremium kommt um 17 Uhr im Sitzungszimmer des Rathauses zusammen.

Der Rest des uralten Nordwaldes

Der Hämeler Wald ist ein etwa 8,5 Quadratkilometer großes zusammenhängendes Laubwaldgebiet, zerschnitten nur von der A 2 und der Bahntrasse Hannover-Braunschweig. Er erstreckt sich zwischen der Ortschaft Hämelerwald im Osten und den Sohrwiesen im Westen und befindet sich auf einem feuchten Lehmboden. Nur diese Tatsache hat das Waldstück im frühen Mittelalter vor der Rodung gerettet. Denn der nasse Untergrund taugte nicht zur Landwirtschaft, also blieben die Bäume stehen. Ringsherum war das anders. Dort rodeten die Menschen in früheren Jahrhunderten den uralten Nordwald, der sich noch im Mittelalter zwischen Hannover und Braunschweig ersteckte, nahezu vollständig. Der Hämeler Wald ist eines der letzten Relikte dieses riesigen Waldgebiets. Heute sind große Teile Staatsforst, im Süden gehören große Flächen aber auch mehreren Forstgenossenschaften aus dem Raum Hohenhameln.

Von Achim Gückel

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