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Neustadt Ausstellung erinnert an Radikalenerlass von 1972
Aus der Region Region Hannover Neustadt Ausstellung erinnert an Radikalenerlass von 1972
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00:54 27.04.2018
Ein Foto aus der Hertener Allgemeinen von 1979 zeigt Hubert Brieden vor einem Informationsstand. Quelle: Privat
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Neustadt

 Der so genannte Radikalenerlass sollte nach seinem Beschluss von 1972 alle Staatsbediensteten aussortieren, bei denen „Zweifel an der Verfassungstreue“ bestand. Eine Ausstellung  des Arbeitskreises Regionalsgeschichte im Veranstaltungszentrum Leinepark arbeitet das unrühmliche Kapitel auf. Zeitzeugen aus Neustadt und Hannover berichten bei der Vernissage am Freitag, 27. April, ab 19.30 Uhr von ihren Erlebnissen. 

Für den Neustädter Historiker Hubert Brieden vom Arbeitskreis bedeutete die Vorbereitung der Ausstellung auch, in die eigene Geschichte einzutauchen. „Mein Fall wird auch in der Ausstellung dargestellt“, sagt Brieden. Mit dem Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz unter dem Vorsitz von Bundeskanzler Willy Brandt verloren rund 10.000 Lehrer, Staatsbeamte und sogar Postboten ihren Job und wurden mit Berufsverbot belegt.  

Der Historiker Hubert Brieden wurde in den Siebzigern mit Berufsverbot belegt. Quelle: Nandy (Archiv)

„Ich bin eigentlich Realschullehrer“, sagt Historiker Brieden. Kurz nach dem zweiten Staatsexamen an der Universität Paderborn flatterte dem Studenten ein Schreiben des Verfassungsschutzes ins Haus, außerdem zitierte ihn der Regierungspräsident nach Detmold. Brieden erging es wie 172.000 Niedersachsen, die zwischen 1972 und 1990 auf ihre Staatstreue überpruft wurden. 200 bekamen Berufsverbot. 

„Mir wurde dreierlei vorgeworfen“, erinnert sich Brieden an die Zeit um 1977/78. Er sei presserechtlich verantwortlich gewesen für eine antimilitaristische Zeitung und habe für die „Rote Zelle Germanistik“ in der Fachschaft seiner Uni kandiert. Außerdem sei er bei einer verbotenen Demonstration in Dortmund verhaftet worden. Für die Zeitung „Rührt euch“ schrieb der Student tatsächlich, er sollte andere Autoren denunzieren. „Hab ich nicht gemacht – war nicht gut für mich.“ Auch kandidiert hatte er. Nur mit der verbotenen Demonstration habe er nichts zu tun, er sei Teilnehmer einer legalen Kundgebung gewesen, die zeitgleich stattfand, versichert Brieden. „Und ich war nie in irgendeiner Organisation“, betont er. 

Es nützte nichts, den Lehrerberuf konnte er nie ausüben. So jobbte Brieden erst als Lkw-Fahrer und zog 1980 mit Freunden nach Neustadt. Immerhin, hier gelang der Neuanfang. „Ich habe an der Volkshochschule gearbeitet. Die haben das wohl nicht so überprüft“, sagt Brieden. Später forschte er zusammen mit Zeit Kollegen zur NS-Vergangenheit in Neustadt und fiel auch hier in Ungnade. Und jetzt? „Die Zeiten haben sich geändert“, sagt Brieden heute. „Es ist bemerkenswert, dass die Ausstellung in der Volkshochschule stattfindet.“ Anfang des Jahres begann zudem Niedersachsen als erstes Bundesland damit, die Geschehnisse aufzuarbeiten. 

Info: Zur Vernissage im Veranstaltungszentrum Leinepark, Suttorfer Straße 8, am Freitag, 27. April, sind auch zwei Zeitzeugen aus Hannover eingeladen. Cornelia Booss-Ziegling und Rolf Günther waren als Lehrer von dem Berufsverbot betroffen. Die Vernissage beginnt um 19.30 Uhr. Von Montag bis Donnerstag ist die Ausstellung von 9 bis 18 Uhr geöffnet, freitags von 9 bis 14 Uhr. Führungen können unter (05032) 61705 und per E-Mail ak.reg@t-online.de vereinbart werden.

Von Benjamin Behrens

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