Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Neustadt Minister Lies beim Wolfsinfoabend
Aus der Region Region Hannover Neustadt Minister Lies beim Wolfsinfoabend
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:07 26.10.2018
Nach dem Vortrag bleibt Minister Olaf Lies noch lange, um mit den Bürgern zu diskutieren. Quelle: Sebastian Stüben
Linsburg/Rodewald

Für die Tierhalter im Landkreis Nienburg und in Neustadts Norden ist das Maß voll – viele Einwohner sind verunsichert, einige haben große Angst. Das Thema Wolf bedroht nach Aussage von Steimbkes Samtgemeindebürgermeister Knut Hallmann sogar den sozialen Frieden in den Dörfern. Trotz der starken Emotionen verlief der jüngste Wolfsinfoabend mit Umweltminister Olaf Lies (SPD) und etwa 200 Besuchern im Linsburger Dorfgemeinschaftshaus sachlich und ruhig.

Lies sagte, er sei auf der Suche nach dem gesetzlichen Spielraum, der es ihm erlauben würde, in Sachen Wolf das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Wenn nachgewiesen werden könnte, dass der Wolf eine Gefahr für den Menschen darstelle, dann könnte er in letzter Konsequenz abgeschossen werden, sagte der Minister. Die Frage, was passieren muss, um den Nachweis zu erbringen, dass der Wolf sich nicht seiner Natur gemäß scheu gegenüber dem Menschen verhält, sondern zur Gefahr wird, beantwortete Lies nicht konkret.

Wolfsbüro braucht mehr Meldungen

„Bislang haben wir aus dem Landkreis sehr wenig Meldungen von Wolf-Mensch-Begegnungen bekommen“, sagte Verena Harms, Biologin beim Wolfsbüro des Landes: „Und aus den bisher gemeldeten Vorfällen ist keine Gefahr für den Menschen abzuleiten.“ Meist seien es zufällige Begegnungen auf der Straße oder auf dem Feld gewesen, sagte Harms. Kritisch werde es, wenn sich der Wolf bewusst dem Menschen nähere und sich nicht verscheuchen lasse. Für Landwirte wie Martin Lüking aus Sonneborstel klingt das wie Hohn. „Der Wolf war bei uns auf dem Hof, ich musste ihn durch Klatschen wegjagen“, sagte Lüking: „Außerdem habe ich eine gefährliche Situation bei einem Rinderriss bei meinem Nachbarn erlebt, als ich morgens zu einem frisch angefressenen Tier gekommen bin. Wenn ich da dem Wolf noch begegnet wäre, weiß ich nicht, was passiert wäre. Ich fühle mich auf meinem Hof bedroht, da ist Gefahr im Verzug.“

Heiko Teichert aus Lichtenhorst hat mehrere Wölfe bei einem Grillabend am Rand des Dorfes gesehen, die sich nach seinen Worten nicht verscheuchen ließen. Heinz-Günter Rabe aus Nöpke fragte den Minister: „Wenn der Wolf sich das erste Kind holt, was machen Sie dann? Es ist kurz davor.“ Schafhalter Christian Lohmeyer aus Eystrup sieht die Menschen im Landkreis als Probanden in einem Experiment, das es so noch nie gegeben habe – mit dem Wolf in einer Kulturlandschaft, in der ihm keine Gefahr drohe. „Wir wollen den Wolf ja nicht ausrotten, aber er muss lernen, dass er sich dem Menschen nicht nähern darf“, sagte Lohmeyer.

„Es ist mein Ziel, einen handlungsfähigen Staat zu repräsentieren“, sagte Lies: „Es darf nicht passieren, dass die Bürger hier selber zur Tat schreiten. Wir müssen etwas unternehmen, bevor etwas Schlimmes passiert.“ Es gehe nun darum, juristisch nachzuweisen, dass ein Ausnahmetatbestand zum Bundesnaturschutzgesetz gegeben sei. Das Gesetz stellt den Wolf unter strengen Artenschutz.

Wolfsrisse oft in den Dörfern

Nienburgs Wolfsberater Hubert Wichmann schilderte die Entwicklung im Landkreis so: „Bis Anfang des Jahres bin ich zu den Rissaufnahmen immer rausgefahren ins Moor und auf die Weiden. Seit August lerne ich immer häufiger die Rückseiten der Höfe der Betroffenen Viehhalter kennen. Viele haben ihre Tiere aus Angst vor Rissen auf den Hof geholt, weil sie davon ausgegangen sind, sie seien dort sicher. Das ist aber nicht der Fall – im Gegenteil.“

Dass der Minister politisch auf der Suche nach Möglichkeiten ist, den Wolfskonflikt einzudämmen, hat er kürzlich durch seinen Vorstoß im Bundesrat deutlich gemacht. Hier setzt er sich dafür ein, bundesweit das Töten problematischer Tiere zu erleichtern. „Bis es so weit ist, gelten die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen“, sagte der Minister. Und da sei es sinnvoll, seine Tiere entsprechend zu schützen. „Bei Schafen ist es ratsam, den wolfsabweisenden Grundschutz zu errichten.“ Das ist ein Zaun mit Strom und Grabeschutz. „Bei Rindern ist die Herde selber der Schutz“, sagte der Minister. Es sei absurd, die Landschaft mit zwei Meter hohen Zäunen zu durchziehen. Nach dem offiziellen Frage-Antwort-Marathon nahm sich der Minister viel Zeit, um in persönlichen Gesprächen mit Kommunalpolitikern, Verwaltungsmitarbeitern und Bürgern die Stimmung im Landkreis einzufangen.

Von Sebastian Stüben

Die Verträge für den Bau eines neuen Feuerwehrzentrums, das Stadt und Region gemeinsam nutzen werden, sind unterzeichnet. Das Zentrum an der Nienburger Straße soll Ende 2020 bezugsfertig sein.

25.10.2018

Der Ortsrat Steinhude hat dafür gestimmt, die Außenstelle des Hölty-Gymnasiums zu erhalten. Die Schülervertretung sieht das anders. An der Hindenburgstraße ist der umgebaute Schulhof eröffnet worden.

28.10.2018

Der Organist und Bach-Spezialist Jan Katzschke bereitet mit dem Kammerchor Neustädter Land und Solisten für Sonntag, 28. Oktober, einen Bach-Kantaten-Gottesdienst in Mariensee vor.

25.10.2018