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Neustadt Hallenbad schließt – die Neustädter erinnern sich
Aus der Region Region Hannover Neustadt Hallenbad schließt – die Neustädter erinnern sich
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00:31 02.04.2018
Nadine Köpping und Gabi Hornig überreichen Blumen an Dagmar Fischer. Sie verließ als letzte erwachsene Besucherin das Bad. Quelle: Mirko Bartels
Neustadt

 Das Rolltor zu den Umkleidekabinen hat sich ein letztes Mal geschlossen. Schwimmeister Andreas Wagener hat den Schlüssel um 22.27 Uhr umgedreht und die Lichter im Bad an der Lindenstraße gelöscht. 415 Gäste haben mit einem letzten Besuch am Donnerstag von ihrem Hallenbad Abschied genommen. Auch ein Überaschungsgast hat es sich nicht nehmen lassen seine Aufwartung zu machen. Neustadts Schwimmmeisterlegende Hans-Georg „SchorseRode hat auf dem letzte Tagesprotokoll unterschrieben. „Meine Unterschrift ist auch auf dem ersten Zettel. Da gehört sie wohl auch auf den letzten“, sagt Rode. Er war bis 2008 Betriebsleiter  und hat wahrscheinlich mehr Neustädtern das Schwimmen gelehrt als irgend ein anderer. 

Ein besonderes Erlebnis hatte die Wunstorferin Veronika Bienert. Sie hat als letzte  um 21 Uhr Eintritt bezahlt und bekam dafür einen Blumenstrauß. „Ich komme gerade aus der Kirche und bin heute das erste Mal hier. Mein Mann ist aus Neustadt und war bereits als kleiner Junge hier“, erzählt die junge Frau. Gebürtig sei sie aus Hessen. Die Familie sei erst vor kurzem wieder in die Region gezogen. 

Gut eineinhalb Stunden später dreht sich das Kreuz ein letztes Mal. Charlotte Besdo und Henri Seitz verlassen als letzte Gäste das Bad. Grund genug für das Team, auch den Jugendlichen ein kleines Präsent zu überreichen. Kurz vor ihnen hatte Dagmar Fischer als letzte Erwachsene eine Flasche Wein und einen Blumenstrauß bekommen

Spitzensportler kamen zum Training

Olympiasieger Mark Spitz trainierte mit neustädter Kindern, zum Beispiel Nils Kaib (links). Quelle: privat

Etliche Neustädter haben uns ihre Erinnerungen zukommen lassen: „Ich kann mich noch erinnern. Wir mussten damals sogar extra Badeanzüge abholen“. Carola Schwarzbach-Hildebrand blättert in ihrem Fotoalbum. Sie gehörte zu den Kindern, die 1980 mit dem US-amerikanischen Olympiasieger Mark Spitz und deutschen Weltmeister Peter Nocke im Neustädter Hallenbad trainieren durften. Die Schulklassen der Orientierungsstufe Süd seien damals extra ausgewählt worden. Die passende Schwimmkleidung gab es in der Leinstraße beim Händler. Auch Gisela Kaib erinnert sich, ihr Sohn war dabei: „Der achtfache Olympiasieger von 1972 wurde auf Initiative von Florian Rhode, dem damaligen Schwimmtrainer von Nord-Calenberg, eingeladen. Hier ging unter anderen auch unser Sohn Niels fünfmal in der Woche zum Training, was sich anschließend sehr gelohnt hat.“ Der Fernsehmoderator Jörg Wontorra habe Spitz damals interviewt.

Eltern haben ihre Tricks

Horst Rabe schreibt: „Ja!, antworteten unsere drei Kinder an jeden Sonntagmorgen, wenn es um die Frage nach dem Baden im Hallenbad in Neustadt ging. Das war neu und für unsere Familie ideal. Unsere Kinder sind 1965,1967 und 1970 geboren. Von der westlichen Landkreisgrenze nach Neustadt zu fahren, war schon ein Weg, den unsere Ente (Citroen 2 CV) hinter sich bringen musste. Im Bad angekommen, hatten wir genügend Zeit, um uns richtig auszutoben. Wenn es dann genug war, hatten wir einen Trick, um das Umziehen kurz zu halten. Beim Bezahlen des Eintritts war ein Sicherheitsbetrag für eine eventuelle Überschreitung der zulässigen Zeit mit erworben, der bei pünktlichen Verlassen der schönen Anlage erstattet wurde. Die Kinder beeilten sich, das Zeitlimit nicht zu überschreiten, um sich den Betrag zu sichern. Für die drei Rangen bedeutete es, möglichst schnell wieder in die Kleidung zu kommen. Für uns war es eine Erziehungsmaßnahme, um den Kindern das Trödeln beim Ankleiden abzugewöhnen.“

Bistro war beliebter Treffpunkt

Hans-Hermann Sprick erzählt: „Das Bistro im Hallenbad war bei uns Schülern ein regelmäßiger Anlaufpunkt. Ich erinnere mich noch an diverse Schulstunden im Gymnasium, wo wir während des Unterrichts aus dem Fenster geklettert sind, um im Hallenbad etwas Süßes zu kaufen. Für unseren Lehrer - Name wird nicht verraten - war das in Ordnung, da wir ihm ja etwas mitbrachten... Und auch heute ist das Bistro immer noch gut für einen Besuch mit Currywurst Pommes.“

Frühschwimmer ist noch skeptisch

Und der ehemalige Lehrer Lutz Caspers hat sich mit dem neuen Bad noch nicht recht angefreundet: „Seit 1984 bin ich, wie viele andere, ziemlich regelmäßig morgens, im Hallenbad gewesen, meist von Montag bis Freitag. Ich ging dann anschließend in die Schule. Ein wunderbarer Anfang des Tages. Schade, dass diese Regelmäßigkeit nun nicht mehr möglich ist, da das neue Bad nur noch an zwei hart erkämpften Tagen Frühschwimmern die Gelegenheit zum Schwimmen geben wird.“ Es sei zu befürchten, dass 

Sprungturm übt Faszination aus

Jessica Sepehri verabschiedet sich mit ausführlichen Erinnerungen:  „Das Neustädter Hallenbad gehört zu mir, wie der Neustädter Löwe, das Schloss, die Liebfrauenkirche und die Störche zu Neustadt. Schon in ganz jungen Jahren habe ich viel Zeit im Hallenbad verbracht. Mein Vater ging mit mir und meinem jüngeren Bruder regelmäßig zum Schwimmen. Wir hatten unbeschwerte Stunden und haben immer wieder über die vielen tollen Kunststücke unseres Vaters gestaunt. Aber ganz besonders beindruckt war ich als kleines Mädchen davon, wie mein Vater vom Turm sprang. Er konnte tolle Sprünge, sogar mit Überschlag. Er ermutigte uns Kinder auch immer zu Springen. Leider habe ich mir bis heute nicht getraut, vom Fünf-Meter-Turm zu springen. Aber ich stand neulich mit ganz flauem Gefühl am Beckenrand und schaute den Sprungturm hoch und sah meinem elfjährigen Sohn vom Fünf-Meter-Brett springen. 

Als wir kleine Kinder waren, erzählte uns unser Vater immer, dass wir besonders auf Bahn 5 (direkt am Fenster) aufpassen müssen. Dort würde man besonders schnell schwimmen können, wenn die Piranhas zu bestimmten Zeiten freigelassen würden. Ich weiß nicht, ob es an den Piranhas lag, aber meine Zeiten für die ganzen Abzeichen wie Bronze, Silber, Gold oder das Langstreckentauchen habe ich immer sehr erfolgreich auf Bahn 5 absolviert.  Meine Freundinnen und ich und manchmal auch ein paar Jungs verbrachten viel Zeit Nachmittags im Hallenbad, wir schwammen, tobten, waren ausgelassen. Besonders schön waren auch die Disconachmittage am Sonnabend. 

Als ich älter wurde, schwamm ich „nur“ noch meine Bahnen. Nie schnell, aber immer kontinuierlich. Ich schwamm sehr gerne zwischen 60 und 100 Bahnen (wie viele Kilometer es im Laufe der Jahre waren, lässt sich leider nicht mehr nachvollziehen). Ich habe immer wunderbar beim Schwimmen abgeschaltet und meinen Gedanken freien Lauf gelassen. Beim Frühschwimmen habe ich mir immer die älteren Menschen angeschaut, die mit so viel Freude und Disziplin, trotz ihrer teilweise ganz offensichtlichen gesundheitlichen Probleme, Runde für Runde schwammen. Ich habe enormen Respekt vor ihnen und wünsche mir seit vielen Jahren, dass ich im Alter auch noch immer so schwimmen kann wie sie. 

Und dann kamen die vielen schönen Stunden im Hallenbad mit meinen Kindern. Mein Sohn machte bei Schorse Rode (dem besten Schwimmlehrer, den ich kenne), bei dem ich schon Schwimmunterricht hatte, sein Seepferdchen. Inzwischen trägt er alle Abzeichen an der Badehose und auch meine Tochter liebt das Schwimmen und ist seit dem 21. Februar stolze Besitzerin eines Bronzeabzeichens. Meine Kids habe die gleiche Begeisterung für das Schwimmen wie ich und wir hatten wunderbare Stunden hier zusammen. 

Natürlich gab es nach dem Schwimmen am Kiosk ein Eis. Dies hatte mein Vater uns immer ausgegeben und auch ich habe es dann mit meinen Kinder so gemacht. Wenn es etwas zu feiern gab, zum Beispiel eine bestandene Schwimmprüfung, dann auch mal mit Currywurst und Pommes. Unseren Abschied vom Neustädter Hallenbad haben wir bereits letzte Woche gefeiert, erst beim Schwimmen und dann im Bistro. 

Ein wenig wehmütig bin ich schon, dass ich nun nach 42 wundervollen Jahren dort nie wieder schwimmen werde, aber vielleicht schwimme ich als 84-jährige alte Dame im dann inzwischen auch schon 42 Jahre alten Balneon meine Bahnen und erinnere mich an die alten Zeiten.  Danke, an alle, die mir die Liebe zum Schwimmen nähergebracht haben, die mit mir Zeit dort verbracht haben, die vielen Schwimmlehrer, die Putzdamen, die Bademeister/Innen, das Kioskteam. Wir werden uns gewiss wieder sehen – im Balneon.“

 

   

Von Mirko Bartels

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