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Neustadt Ausbildung im Handwerk: Talsohle erreicht?
Aus der Region Region Hannover Neustadt Ausbildung im Handwerk: Talsohle erreicht?
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17:56 09.08.2018
Noah Hulka beim Tapetenabrollen. Quelle: Mirko Bartels
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Neustadt

Erholt sich die Ausbildung im Handwerk von ihrer Talfahrt? Mit aller Vorsicht sieht Klaus Michalke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, eine leichte Entspannung. „Sieht aus, als bliebe die Zahl mit 280 bis 300 neuen Verträgen im Bereich Neustadt, Wunstorf und Garbsen zum Jahresende stabil“, sagt er. Immerhin gehe er beispielsweise von einer „stabilen Einzügigkeit“ in den Berufsschulklassen der Maler in Neustadt aus.

Zurückzuführen ist das wohl auf auch die stetige Arbeit örtlicher Institutionen und Betriebe an der Qualifikation von jungen Leuten zur Ausbildungsreife. Bei der Firma Temps Malereibetriebe sind aktuell acht Absolventen des Sprint-Dual-Projekts an den Start gegangen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kamen und in einer dreijährigen Vorbereitungsphase jetzt soweit sind. Drei weitere haben den Einstieg über das BAVKA-Projekt geschafft, ein duales Berufsvorbereitungsjahr, das Schulabgänger ohne Abschluss für die Ausbildung fit machen soll. Beide Projekte laufen in enger Zusammenarbeit zwischen Betrieben und der Berufsbildenden Schulen.

23 junge Leute haben Anfang August ihre Ausbildung bei Temps in Neustadt begonnen. Quelle: privat

Insgesamt 23 junge Leute haben allein bei Temps die Ausbildung beginnen, 21 von ihnen als Maler und Lackierer, zwei als Kaufleute für Büromanagement. In der ersten Woche kommen sie zum Ausbildungsstart acht Tage lang im Ausbildungszentrum an der Hans-Böckler-Straße zusammen, um den Betrieb kennenzulernen und wichtige Informationen mitzunehmen. Auch erste Arbeitsproben haben sie abgegeben, und dabei erläutert, warum sie sich für das Handwerk entschieden haben.

Kreativ lernen, sich weiter qualifizieren

Lea Köhrmann, eine von zwei jungen Frauen in der Gruppe, sagt: „Ich kann ohnehin nicht gut stillsitzen. Ein Bürojob ist für mich nicht das Richtige. Im Handwerk kann ich kreativ und abwechslungsreich lernen und mich immer weiter qualifizieren.“ Milos Stosic hat den Einstieg über ein Praktikum gefunden, das ihm Spaß gemacht hat, wie er sagt. „Ich bin vor drei Jahren aus Serbien nach Deutschland gekommen, habe am BAVKA Projekt teilgenommen“, berichtet er, „hier kümmern sich die Mitarbeiter und ich kann auch ohne Schulabschluss etwas lernen.“

Nach wie vor brächten viele Bewerber um Handwerksberufe weniger gute Schulleistungen mit, da seien derartige Qualifikationsmodelle sehr wichtig, sagt Michalke. Bis zur Freisprechung schafften es etwa die Hälfte der Einsteiger. 10 bis 20 Prozent fielen jeweils durch die Prüfung, ein anderer Teil löste den Ausbildungsvertrag schon vorher. Ein weiteres Phänomen kann Michalke sich nicht recht erklären. Nämlich Auszubildende, die sich nach der Lehrzeit nicht zur Prüfung anmelden. Ob das an persönlichen Problemen liege oder an mangelndem Biss, könne er nicht sagen. Manch einer habe vielleicht auch das Gefühl, auch ohne durch das Arbeitsleben zu kommen.

„Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz“

Spätestens, wenn er bei der Freisprechung die Namen der Absolventen verliest, merkt Michalke, dass Migranten im Handwerk eine immer wichtigere Rolle spielen. Arabische, asiatische, afrikanische Namen kommen immer häufiger vor. Für manche Betriebe sei die Integration insbesondere von Flüchtlingen aber leider ein Risiko. „Stellen Sie sich vor, Sie haben so einen jungen Menschen ein, zwei Jahre ausgebildet, er ist gut integriert, und plötzlich heißt es, er wird abgeschoben.“ Dass so etwas in jüngster Zeit bundesweit immer wieder vorkomme, sei sinnlos und das falsche Signal. Für Michalke ist klar: „Wir brauchen endlich ein Einwanderungsgesetz, damit alle Beteiligten wissen, woran sie sind“, sagt er.

Von Kathrin Götze und Mirko Bartels

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