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Neustadt Nach langem Streit steht nun das Mahnmal
Aus der Region Region Hannover Neustadt Nach langem Streit steht nun das Mahnmal
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00:18 07.11.2018
Ursula Steinberg und Marc Rosenberg sind eigens angereist - ihre Vorfahren wurden aus Neustadt vertrieben. Quelle: Kathrin Götze
Neustadt

Sie gehören zu den ersten, die am neuen Mahnmal für Neustadts Juden Blumen niederlegen. Ursula Steinberg und Marc Rosenberg sind weit gereist, um die Enthüllung am Sonntag mit zu erleben. Ihre Vorfahren wurden von Nationalsozialisten aus Neustadt vertrieben. Ursula Steinbergs Familie gehörten einst Kaufhäuser in Neustadt und Hannover, bis sie vom Boykott zermürbt ihre Existenz aufgaben und das Land verließen.

Steinberg wurde in Brasilien geboren, wuchs in Argentinien auf und lebt heute in der Schweiz. Die Familiengeschichte ließ ihr keine Ruhe, schon früh hatte sie Kontakt zum Arbeitskreis Regionalgeschichte um Hubert Brieden und Klaus Vespermann, die sich mit dem Schicksal der Juden aus Neustadt befassten. Dabei mussten sie gegen teils heftige Widerstände ankämpfen, wie Brieden berichtete. „All das ist vorbei, aber nicht vergessen“, sagte Brieden.

Ein wenig rostig, ein wenig fragil und sehr gedankenschwer wirkt das Mahnmal auf dem Platz Zwischen den Brücken. Die Stele aus gekippten Eisentafeln ist mit den Namen derer beschriftet, die die Stadt in den Jahren des Nationalsozialismus verlassen mussten. Der Entwurf stammt von Schülerhand: Simone Wengel, Maj Demant und Lydia Voogd vom Gymnasium Neustadt haben für einen Wettbewerb an ihrer Schule 2008 den Entwurf gefertigt, den der Designer Jacek Pawlowski ausgestaltete und ein Team um Landart-Künstler Frank Nordiek letztlich umsetzte.

Bis dahin dauerte es; nachdem die Sinnhaftigkeit schon außer Frage stand, mangelte es am Geld. Die Politikerinnen Ute Lamla und Heidi Sommer riefen nach längerer Pause einmal mehr zu Spenden auf; schließlich schloss die Altrewa-Stiftung die nach wie vor große Lücke in der Finanzierung.

Bedingung der Stiftung war, das Mahnmal sollte statt am Erichsberg besser am Platz Zwischen den Brücken stehen. Dorthin, wo damals noch Leinewiesen waren, hatten die Randalierer in der Pogromnacht den Leichenwagen der jüdischen Gemeinde gebracht, beladen mit Inventargegenständen und Thora-Rollen aus der Synagoge. In der folgenden Nacht zündeten sie all das an. Die Synagoge brannte nicht, um die Nachbarhäuser nicht zu gefährden. Dafür wurde ihr Dach abgedeckt, damit der Regen sie zerstören sollte. Im Landratsamt im nahen Schloss Landestrost wurden wenig später die Namen von Juden und Freimaurern in einer eigenen Kartei gesammelt, eine Vorbereitung auf die systematische Vernichtung.

Er habe sich schon lange gefragt, wie all das habe passieren können, sagte Regionspräsident Hauke Jagau in seiner Ansprache. Doch in den jüngsten Jahren werde wieder klar, wie schnell Hass und Ausgrenzung aufwallen können. „Ich habe die Bemühungen um das Mahnmal in den letzten zehn Jahren verfolgt“, sagte Ursula Steinberg am Rande der Feier, „ich bin glücklich, dass es doch noch zustande kam.“ Und Marc Rosenbaum, der aus den USA stammt und jetzt in Frankfurt wohnt, fügt hinzu: „Es ist eine wichtige Zeit jetzt.“

Plakate nach Schülerentwürfen werben jetzt im Kirchenkreis um Toleranz Quelle: privat

Ökumenische Andacht am Jahrestag

Zum 80. Mal jährt sich die Reichspogromnacht am Freitag, 9. November. Zum „Erinnern an diese Nacht vor 80 Jahren“ laden evangelisch-lutherische und katholische Kirche in Neustadt gemeinsam ab 18 Uhr in die Liebfrauenkirche ein. Jugendliche werden die Namen der Opfer des Pogroms verlesen. Im Anschluss an den Gottesdienst sollen die angezündeten Kerzen zum neuen Denkmal am Platz „Zwischen den Brücken“ getragen und dort abgestellt werden.

Zusätzlich zur Rückschau auf die Gräuel der Pogrome will der Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf auch ein Zeichen für die Zukunft setzen: Kinder und Jugendliche haben für das Projekt „Farbe bekennen – gegen Ausgrenzung und Diskriminierung“ Plakate gemalt. Die besten dieser Kunstwerke sind jetzt auf 17 Plakatwänden in Neustadt und Wunstorf zu sehen; drei von ihnen werden im Gottesdienst betrachtet. Musik macht die Kirchenband Cusic der katholischen Pfarrei St. Peter und Paul.

Von Kathrin Götze

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