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Neustadt Smart Factory in der BBS Neustadt  soll Scheu vor Robotern nehmen
Aus der Region Region Hannover Neustadt Smart Factory in der BBS Neustadt  soll Scheu vor Robotern nehmen
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00:51 29.04.2018
Ein wenig scheu nähern sich die Schüler dem Roboter "Panda" (von links): Jeremy Zimmermann, Charlotte Liebe, Jan Künzel und Pia Börner. Quelle: Kathrin Götze
Neustadt

 Als Innovations- und Zukunftszentrum sind die Berufsbildenden Schulen Neustadt bekannt. Nun ist eine weitere Neuerung in Arbeit: Mit der Smart Factory verknüpft die Schule die Fachbereiche Wirtschaft, Metall und Elektrotechnik. Ziel ist auf lange Sicht auch die Auszubildenden der Bereiche Farbe und Altenpflege mit Robotern in Kontakt zu bringen.

„Industrie 4.0“ heißt der Trend, für den die Schule ihre Absolventen gewinnen will: „Zwar steckt die allseitige Vernetzung in vielen Betrieben noch in den Kinderschuhen, aber wir wollen unsere Schüler ja auf die Zukunft vorbereiten“, sagt Jan Künzel, Abteilungsleiter Metall. Gemeinsam mit seinen Kollegen Jennifer Meyer (Wirtschaft) und Florian Beier (Elektrotechnik) setzt er das Projekt in der Schule um, das der ehemalige Leiter Bernhard Marsch auf den Weg gebracht hat. 

Noch ist die „Schlaue Fabrik“ im Aufbau. Erstes Produkt ist eine schalterlose Taschenlampe, gedreht aus einem Stahl- oder Aluminiumstab. Ziel ist, dass die Schüler einen Warenzyklus von der Bestellung über die Fertigung der Gehäuseteile an der computergesteuerten CNC-Drehmaschine bis zur vollautomatischen Montage der Bauteile mitgestalten. Die einzelnen Komponenten stehen schon, nun sollen sie auch noch vernetzt werden. 

Jennifer Meyer, Abteilungsleiterin Wirtschaft, stellt Charlotte (von links), Pia und Nick den Schülerladen "Schreibbox" vor, in dem die Taschenlampen bestellt und verkauft werden sollen. Quelle: Kathrin Götze

„Wir wollen erreichen, dass der ganze Prozess automatisch abläuft“, sagt Wirtschaftsfachfrau Meyer. Das heißt, der Kunde bestellt im schuleigenen Schreibwarenladen „Schreibbox“ seine Taschenlampe, kann das Material wählen – Edelstahl oder Aluminium – kann noch bestimmen, ob eine Zierrille eingefräst wird, und auf Wunsch eine Gravur anbringen lassen. Die Bestellung wird in ein Kassensystem per Touchscreen eingegeben und direkt an die CNC-Drehmaschine in der Metallwerkstatt geschickt.

Martin Niemeyer (links) und Jan Künzel demonstrieren die CNC-Drehmaschine, die die Arbeitsanweisungen direkt aus dem Kassensystem bekommen kann. Quelle: Kathrin Götze

Die Fertigung mit Leuchmittel, Batterien und dem zugehörigen Befestigungsmaterial übernehmen dann die Roboter – vergleichsweise intelligente, sensible und bewegliche Geräte der neuesten Generation. Sie können auf verschiedene Bewegungsabläufe programmiert werden, dazu führt man sie einfach mit der Hand in eine bestimmte Position. Auch das gehört künftig zum Lehrplan. 

„Wir wollen diese Roboter möglichst von allen Schülern bedienen lassen – schon, damit sie die Berührungsängste vor den Robotern verlieren“, sagt die kommissarische Schulleiterin Marina Poppe. Auch in den Bereichen Altenpflege und Farbe sollen die schlauen Maschinen noch Anwendung finden. Das Kollegium arbeitet daran, das die entsprechenden Vorgaben für den Unterricht zu entwickeln, das so genannte Curriculum.

Charlotte Liebe testet die Bewegung des "Panda" mit gebotener Vorsicht. Quelle: Kathrin Götze

Möglich wurde das Projekt dank einer Ausschreibung des Wirtschaftsministeriums: Berufsschulen sollten sich mit der Digitalisierung in der Arbeitswelt beschäftigen. Mit ihrem integrierten Konzept wurde die BBS ausgewählt, bekam für die Umsetzung 250.000 Euro, als eine von vier Schulen in ganz Niedersachsen –auch Goslar, Osnabrück und Emden wurden bedacht. Bis Ende des Jahres muss die Umsetzung fertig sein.

Pia (von links), Charlotte, Jeremy und Nick arbeiten an einem Artikel. Quelle: Kathrin Götze

An Recherche und Umsetzung dieses Textes waren vier Schüler beteiligt, die ihren Zukunftstag am Donnerstag bei der HAZ Neustadt absolviert haben. Pia Börner, Nick Engelmann, Charlotte Liebe und Jeremy Zimmermann waren überrascht, wie gastfreundlich die BBS die Berichterstatter aufnimmt. Als sie die Roboter bei der Arbeit führen durften, greifen sie zuerst etwas zaghaft zu. „Ich fand es spannend, dass sich diese komplizierte Maschine so leicht bewegen lässt“, sagte Pia. „Ganz schön viele technische Informationen“, fand Charlotte zum Schluss. „Ich fand es interessant. Ich überlege, selbst Mechatroniker zu werden“, sagte Nick.

Als Innovationszentrum hat die BBS häufig Fachbesucher zu empfangen. Mit einer knapp 20-köpfigen Delegation kam kürzlich der Gouverneur von Illinois, Bruce Rauner, zu Besuch. Das duale Berufsbildungssytem, innovative Technologien und Industrie 4.0 im Berufsschulunterricht standen dabei im Fokus.

Der Gouverneur und seine Begleiter zeigten sich beeindruckt von der Smart Factory, die im Rahmen des Projekts „BBS fit für 4.0“ derzeit entwickelt und realisiert wird. Die Montage einer individualisierbaren LED-Taschenlampe mit kollaborierenden Robotern begeisterte die Besucher aus Chicago ebenso wie die von der Berufsfachschule Gastronomie zubereiteten und servierten Snacks, inklusive selbst hergestellter Eiscreme.

Dem Gouverneur wurde nach erfolgreicher Montage die Taschenlampe als Gastgeschenk von Jan Künzel (Abteilungsleiter Metalltechnik) überreicht. Nach achttägigem Aufenthalt in Deutschland, inklusive einem Besuch der Hannover-Messe, reist die Delegation zurück in die USA.

 

Von Kathrin Götze, Pia Börner, Nick Engelmann und Charlotte Liebe

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