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Vom Charme des Vergänglichen

Neustadt Vom Charme des Vergänglichen

Motive mit morbidem Charme: Zwei Dutzend Fotografen sind am Freitag auf dem früheren Rigips- und Dyckerhoff-Gelände in Poggenhagen auf Fototour gegangen. 

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Vertriebsmitarbeiter Kevin Trautmann und Dorfwerkstatt-Chef Hans-Jürgen Hayek führen die Fotografen über das weitläufige Gelände

Quelle: Kathrin Götze

Poggenhagen.  Es ist ein Ort mit Geschichte: auf einer Fototour der Dorfwerkstatt Bordenau haben am Freitagnachmittag gut zwei Dutzend Fotografen das Gelände des ehemaligen Rigips-Werks Neustadt erkundet. Besser bekannt ist das Werk noch unter dem Vorgänger-Namen Dyckerhoff, unter dem dort seit 1912 Torf aus dem nahen Moor verarbeitet wurde. Später wurden dort Dämmstoffe hergestellt, erst auf Torfbasis, dann aus Kunststoffen und Gips. 

Voll und ganz verlassen ist der Betrieb auch heute noch nicht: Ein knappes Dutzend Mitarbeiter wickelt von der Eigentümervilla vor dem Werkstor aus noch Vertriebsgeschäfte des deutschlandweit tätigen Betriebs ab. Mitarbeiter Kevin Trautmann lotst die Fotografen über das Werksgelände, warnt vor Gebäuden, die nicht betreten werden dürfen. Mehr als 20 Männer und Frauen folgen ihm, lassen schon auf dem ersten Weg die Blicke schweifen und die Auslöser klicken. Zahlreiche Hallen, Häuschen und Verbindungsgänge gruppieren sich auf der weitläufigen Fläche an der Bahnlinie. Fast zwei Jahre nach Aufgabe des Betriebs ist fast alles leer geräumt. Durch Ritzen in Beton und Mauerwerk wachsen Kräuter und kleine Bäumchen, einige der Milchglasscheiben sind gesprungen.

In einer Produktionshalle stehen noch ein paar alte Maschinen, die Neonlampen riechen nach verbranntem Staub. Während die Fotografen auf dem Gelände ausschwärmen, erzählt Hans-Jürgen Hayek, wie er vor Jahrzehnten im Werk gearbeitet hat: „Ich habe nach der Bundeswehr als Arbeiter hier in der Halle angefangen, mich dann zum Schichtführer und Werksmeister hochgearbeitet, später habe ich auch Arbeitsvorbereitung gemacht.“, sagt Hayek, der im späteren Berufsleben Lehrer und Mitglied der KGS-Schulleitung wurde. Er schildert, wie damals die Styroporkügelchen aus einem Trichter in große Formen gefüllt und dann mit heißem Dampf und Druck zu Dämmplatten verarbeitet wurden. „Innen eine Schicht Torf, außen zwei dünnere Lagen Styropor, so wurde das damals gemacht“, sagt Hayek. Er hat auch die Firma kontaktiert, um den Besuch möglich zu machen.

Auch andere kramen in Erinnerungen: „Mein Vater, Walter Zech, war lange Zeit Moormeister bei Dyckerhoff, er betreute die Torfstiche“, sagt Veronika Giesecke, die mit ihrem Mann Wilhelm vor allem das historische Ambiente genießen will. Uwe Scholz aus Bordenau erinnert sich noch, wie er als junger Mann bei den Nachbarn Altpapier eingesammelt hat, um sich damit bei Dyckerhoff ein paar Mark zu verdienen: „So war das früher mit dem Recycling“, sagt er lächelnd, und fügt hinzu: „Wenn man mit dem Rad auf dem Weg nach Neustadt vorbeifuhr, hat man immer diesen charakteristischen Geruch in der Nase gehabt, einen Hauch Kunststoff war das wohl.“

 Auf Motivsuche für historische Dokumentationen ist Tim Rademacher, der ein modernes Smartphone auf einem Stativ rotieren lässt, um eine 360-Grad-Aufnahme anzufertigen. Eher klassische Bildmotive findet Clemens Greiner von der Fotogruppe der Dorfwerkstatt Bordenau. Unter einem Sicherungskasten mit gelb-schwarzem Warnrahmen sind zahlreiche Keramik-Sicherungen aufgereiht, davor steht ein knallroter Feuerlöscher. „Proportion und Perspektive, Linien, Formen und Kontraste sind es, die mich interessieren“, murmelt Greiner, während er seine Kamera auf dem Stativ ausrichtet und den auslöser drückt – und schon ist das erste Bild im Kasten. 

Von Kathrin Götze

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