Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Pattensen Stadt erinnert mit Wanderausstellung an Judenverfolgung
Aus der Region Region Hannover Pattensen Stadt erinnert mit Wanderausstellung an Judenverfolgung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 06.11.2018
Die Wanderausstellung "Deportationsort Ahlem" ist seit Freitag im Pattenser Rathaus zu sehen. Sie dokumentiert, wie 2173 jüdische Männern, Frauen und Kindern aus den damaligen Regierungsbezirken Hannover und Hildesheim deportiert und größtenteils getötet wurden. Quelle: Daniel Junker
Pattensen-Mitte

Mit der Eröffnung der Wanderausstellung „Deportationsort Ahlem – die ,Judentransporte’ ab Hannover 1941 bis 1944“ im Rathaus erinnert die Stadt Pattensen an die an Verbrechen, die in der Zeit des Nationalsozialismus an der jüdischen Bevölkerung begangenen worden sind – auch in der eigenen Stadt. Die Ausstellung dokumentiert mit Schautafeln, wie 2173 Juden aus den damaligen Regierungsbezirke Hannover und Hildesheim systematisch verfolgt und über die zur zentralen Sammelstelle umfunktionierte Israelitische Gartenbauschule Ahlem in die Ghettos von Riga, Warschau, Theresienstadt und das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert wurden. Von diesen 2173 Menschen erlebten nur 144 die Befreiung.

Bei der Vernissage am Freitag mit geladenen Gästen hielt Bürgermeisterin Ramona Schumann den Besucher vor Augen, dass auch Pattensen ein Ort jüdischen Lebens war und zum Schauplatz von Verbrechen wurde: „Es geschah auch hier, mitten in der Stadt.“ Und es traf ganz normale Bürger. Juden seien erniedrigt, enteignet, verschleppt und getötet worden. Allein mit seinem Schreiben vom 23. März 1942 an den Pattenser Bürgermeister verfügte der damalige Landrat des Landkreises Springe die Deportation von sieben jüdischen Bürgern.

Die Ausstellung zeigt auch, wie sich die Nationalsozialisten und das Deutsche Reich an der Deportation der Juden bereicherten, indem beispielsweise Vermögen eingezogen und das Hab und Gut versteigert wurde. Fünf mit Texten versehene Stelen tragen die Überschriften „Befehle“, „Transporte“, „Verwertung“, Profiteure“ und „nach dem Krieg“.

Schumann rief die Stadt und ihre Bürger zur Verantwortung auf: „Diese Fehler dürfen sich nicht wiederholen – nicht im Amt und nicht in der Gesellschaft.“ Die 2016 erstmals gezeigte Ausstellung und weitere für die nächsten Wochen geplanten Veranstaltungen sollten einen Raum für Gedanken und Gefühlen geben. „Das Erleben vor Ort schafft andere Bezugsmöglichkeiten, um die Frage ‚Wie konnte das passieren?’ nachvollziehbar zu beantworten“, so die Bürgermeisterin.

Schumann dankte am Freitag den Bürgern, die sich um die Aufarbeitung des dunklen Kapitels der deutschen Geschichte bemühen und sich „gegen das Vergessen“ wenden. „Sie haben mit den Stolpersteinen bereits ein sichtbares Symbol geschaffen. Dafür haben sie nicht immer nur Wertschätzung erfahren.“ In Pattensen erinnern 13 Stolpersteine an die Verfolgung, Deportation und Ermordung von Juden.

„Immer weniger Menschen beteiligen sich am Gedenken“

Die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte sei sehr wichtig, betonte die Bürgermeisterin: „Ich nehme wahr, dass sich immer weniger Menschen am Gedenken beteiligen.“ Auch aus diesem Grund habe die Stadt die Ausstellung ins Rathaus geholt. Sie ist dort bis zum 30. November zu den regulären Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen: wochentags von 8 bis 12 Uhr sowie zusätzlich montags von 14 bis 16 Uhr und donnerstags von 15 bis 18 Uhr. An mehreren Nachmittagen sollen auch Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Bei der Finissage am Freitag, 30. November, wird ab 19 Uhr noch einmal der von der Schulelternratsvorsitzenden der KGS Pattensen, Susanne Farkhar, initiierte Film „Pattensen gegen das Vergessen“ gezeigt, der schon am Freitag zu sehen war. Farkhar begleitet darin fünf Jugendliche, die der Judenverfolgung in der Stadt nachgehen.

Weitere Gedenkveranstaltungen im November

Zusätzlich zu der Wanderausstellung „Deportationsort Ahlem“ im Rathaus hat die Stadt Pattensen für die nächsten Wochen noch ein Programm mit weiteren Veranstaltungen zum Gedenken an die Judenverfolgung organisiert.

Am Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938 – am Freitag, 9. November, – beginnt um 18.30 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in der Kirche St. Maria mit anschließender Kranzniederlegung an der ehemaligen Pattenser Synagoge, die in jener Nacht vor 80 Jahren und am Folgetag zerstört wurde. Ein Konzert des „Stellena Duo“ ist am Sonnabend, 10. November, im Gemeindesaal von St. Lucas zu hören.

Am Montag, 12. November, beginnt um 15.30 Uhr eine Lesung mit dem Titel „Der Junge im gestreiften Pyjama“ inmitten der Ausstellung im Mehrzweckraum des Rathauses. Für den Volkstrauertag am Sonntag, 18. November, sind Gedenkveranstaltungen in den Ortsteilen geplant.

Die Bücherei organisiert zudem für Mittwoch, 21. November, ab 19.30 Uhr unter den Titel „Die Frau des Zoodirektors“ eine Lesung mit Film im Mehrzweckraum des Rathauses.

 

Von Daniel Junker

Der Berufsfindungsmarkt an der Ernst-Reuter-Schule (ERS) ist in dieser Woche in seine zweite Runde gegangen. Rund 130 Schüler der neunten Gymnasialklassen sowie der zehnten Haupt- und Realschulklassen hatten den Markt vorbereitet.

02.11.2018

Auch die CDU-Ratsfraktion sieht die Notwendigkeit einer weiteren Kita in Pattensen-Mitte. Sie mahnt aber zur Sorgfalt bei der Wahl des Standorts.

02.11.2018

Die KGS und die Calenberger Schule in Pattensen bekommen einen Schulwald. Die Schulen, die Stadt und die Stiftung Zukunft Wald haben den Vertrag unterzeichnet.

04.11.2018