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Ronnenberg Seegrasweg: „Es ist eher ein infrastrukturelles Problem“
Aus der Region Region Hannover Ronnenberg Seegrasweg: „Es ist eher ein infrastrukturelles Problem“
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00:25 23.04.2018
Das Müllproblem am Seegrasweg soll bald behoben sein. Quelle: Marcel Sacha
Empelde

 „Der Müll ist ja immer noch da“, beklagt ein Anwohner der Nenndorfer Straße, während er am Seegrasweg vorbeigeht. Es ist ein Thema, das die Empelder seit mehreren Wochen beschäftigt. Die Müllcontainer in dem Quartier sind regelmäßig überfüllt, teilweise liegen die Säcke bereits daneben – ebenso wie Holzlatten und weiterer Sperrmüll. „Die können das einfach nicht“, sagt der Passant. Mit „die“ meint er die Bewohner des Seegrasweges. Insgesamt 256 Personen wohnen in dem Neubaugebiet, die meisten davon sind Flüchtlinge und Asylbewerber.

Für Holger Weiß vom Team Soziales der Stadt Ronnenberg ist dies eine unzutreffende Pauschalisierung. Seit Ende Februar sitzt er gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Grüneberg in einem extra eingerichteten Büro im Seegrasweg und kennt die Situation vor Ort genau. Die Müllentsorgung stelle in der Tat ein Problem dar, sagt Weiß. „Es handelt sich dabei aber eher um ein infrastrukturelles Problem, statt um ein kulturelles“, ergänzt er. 

Vielfältige Ursachen

Einerseits gebe es schlichtweg zu wenige Container für die Anzahl der Bewohner. Für ein voll belegtes Haus mit insgesamt 14 Parteien stehe lediglich ein Container für Restmüll bereit. „Das reicht einfach nicht aus“, sagt Weiß. Bei den Containern, die an der Nenndorfer Straße stehen, kommen dem städtischen Mitarbeiter noch weitere Umstände hinzu: Immer wieder hätten in der Vergangenheit Autofahrer am Seegrasweg angehalten, ihren im Kofferraum gelagerten Abfall entsorgt und sind weitergefahren. Dies habe auch den Anwohnern im wahrsten Sinne des Wortes gestunken, sagt Weiß. Daher hätten sie das Problem selbst in die Hand genommen und den eingezäunten Bereich der Müllcontainer abgeschlossen – mit der Folge, dass auch die Mitarbeiter von Aha keine Chance hatten, die Abfälle mitzunehmen.

Mehr als 250 Personen wohnen in dem Neubaugebiet. Quelle: Marcel Sacha

Eine Lösung des Problems erwartet Weiß in den kommenden zwei bis drei Wochen. Die Siedlungsgesellschaft KSG Hannover, der das entsprechende Gebäude gehört, hat seinen Aussagen zufolge zugesagt, ein zusätzliches Schloss anzubringen, das auch den Aha-Mitarbeitern den Zutritt ermöglicht. Zudem soll der Bereich überdacht werden, sodass zukünftig auch Ortsfremde ihren Müll nicht mehr am Seegrasweg entsorgen können. Darüber hinaus seien bereits größere Container bestellt. Insgesamt seien die Einflussmöglichkeiten der Stadt bei baulichen Veränderungen jedoch begrenzt. „Wir sind hier nur Mieter“, erklärt Weiß. Die letztendliche Entscheidung liege stets bei den Eigentümern.

Ganz von Verantwortung freisprechen will der Mitarbeiter der Stadt die Bewohner dennoch nicht. Eine derart akribische Mülltrennung, wie sie in Deutschland praktiziert werde, sei den Syrern, Afghanen und Irakern aus ihrer Heimat nun einmal nicht bekannt, sagt Weiß. Daher soll es im Laufe des Sommers auch eine entsprechende Schulung für die Bewohner geben. Dem Vorwurf, dass ihnen entsprechende Hinweise und Regeln des Zusammenlebens seitens der Stadt nicht nähergebracht würden, widerspricht Weiß jedoch deutlich. Entsprechende Vorwürfe hatte eine ehrenamtliche Flüchtlingshelferin während der Empelder Bürgerversammlung im März vorgebracht. „Jeder Bewohner erhält von uns bei seinem Einzug eine umfassende Einweisung über seine Aufgaben, Pflichten und allgemeine Verhaltensregeln“, sagt er. Auch in den Hausfluren hingen diese in verschiedenen Sprachen aus – inklusive Putzplan.

Das Müllproblem am Seegrasweg soll bald behoben sein. Quelle: Marcel Sacha

Kein Unterschied zu Studenten-WGs

Dass dieser nicht immer eingehalten werde, wie ebenfalls auf der Bürgerversammlung kritisiert wurde, sei teilweise zutreffend, gibt Weiß zu. Einen Unterschied zu anderen Mehrfamilienhäusern will er jedoch nicht erkennen. Insgesamt sei es am Seegrasweg „nicht dreckiger als beispielsweise in Studenten-WGs“, sagt er – was allerdings nicht bedeute, dass die Stadt nicht an einer Verbesserung der Situation interessiert sei. Sobald die Mitarbeiter vor Ort von Missständen erfahren, würden sie sich laut Weiß diesen auch annehmen. „Wir suchen immer umgehend das Gespräch“, sagt er. Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich um nicht befolgte Putzpläne oder zwischenmenschliche Probleme handele. Wichtig sei den Stadtmitarbeitern dabei stets, alle Sichtweisen einzuholen, um gemeinsam nach einem Kompromiss zu suchen. Häufig führe diese Herangehensweise auch zum Erfolg, sagt Weiß. Mittlerweile hätten die Bewohner ein ausgeprägtes Vertrauensverhältnis zu den städtischen Mitarbeitern aufgebaut. 

Immer ein offenes Ohr

Dies mache sich auch in der kontinuierlich steigenden Frequentierung der offenen Sprechzeiten bemerkbar, sagt er. Für insgesamt acht Stunden pro Woche lassen Weiß und Grüneberg, die derzeit von einer Auszubildenden unterstützt werden, ihre anderweitigen Aufgaben ruhen, um sich explizit den Fragen, Wünschen und Anregungen der Bewohner zu widmen. „Auch darüber hinaus sind wir selbstverständlich für sie da“, betont Weiß. Dieses Angebot gelte jedoch auch für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer sowie alle Bürgerinnen. „Eigentlich ist immer jemand von uns vor Ort.“

Holger Weiß vom städtischen Team für Soziales zeigt die in den Häusern ausgehängten Hausregeln. Quelle: Marcel Sacha

Von Marcel Sacha

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