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Seelze Rathaus Letter: Der Abriss soll beginnen
Aus der Region Region Hannover Seelze Rathaus Letter: Der Abriss soll beginnen
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00:27 02.11.2018
Schon in den kommenden Wochen will die WGH das Alte Rathaus abreißen.. Quelle: Sandra Remmer
Letter

Etwa 20 Minuten hatte Bürgermeister Detlef Schallhorn am Montagabend eingeplant, um Besucher in der Seniorentagesstätte über die Pläne und das Vorgehen am Bürgermeister-Röber-Platz zu informieren, inklusive Rückblick auf die Vorgeschichte. Schallhorn wollte an diesem Abend Transparenz schaffen und Verständnis wecken. Doch dafür schien es in dieser Bürgerrunde zu spät. Rund 90 Minuten dauerte es am Ende, bis er die letzte Folie auflegen und Fragen beantworten konnte. Schon vorher unterbrachen Zuhörer die Ausführungen des Verwaltungschefs mit Fragen. Schnell wurde deutlich: Die anwesenden Letteraner fühlen sich übergangen und durch die gewählten politischen Vertreter in ihren Interessen schlecht vertreten.

„Das hat Hinterzimmercharakter“

„Das hat alles Hinterzimmercharakter. Die Bevölkerung hätte in das Verfahren mit einbezogen werden müssen und über die eingereichten Vorschläge abstimmen müssen“, sagte Claas Harmsen, ehemaliges Ortsratsmitglied in Letter. Informationsabende wie diesen hätte es im Vorfeld geben müssen, sagte Harmsen weiter und erntete dafür Applaus. Letteraner kreiden Schallhorn seit längerem an, dass Informationen nicht rechtzeitig öffentlich gemacht wurden und dass Bürgerstimmen nicht gehört worden sind.

„Einiges ist nicht gut gelaufen, das will ich gar nicht in Abrede stellen“, räumte Schallhorn ein. Gleichwohl nütze der Blick zurück nichts mehr. Er würde dagegen gerne erklären, was in Zukunft geplant ist.

In den kommenden Wochen will die WGH das Alte Rathaus abreißen. Quelle: Sandra Remmer

Nach der Entscheidung der Jury im Bieterverfahren ist die Wohnungsgenossenschaft Herrenhausen (WGH) seit Mitte März neue Eigentümerin des Grundstücks am Bürgermeister-Röber-Platz. Nach ihrem Zeitplan soll der Abriss in den kommenden Wochen beginnen. Eine besondere Genehmigung ist dafür nicht erforderlich. Danach soll alles ganz schnell gehen.

Bebauungplan schnell genehmigen

Der Entwurf des Bebauungsplanes ist fertig. Er soll in einem beschleunigten Verfahren verabschiedet werden. Beschleunigt bedeutet unter anderem, dass die Stadtverwaltung auf eine Umweltprüfung verzichtet . Wird der Bebauungsplan genehmigt, ist die WGH ihrem Wunsch, an dieser Stelle vier dreigeschossige Gebäude mit insgesamt 38 Wohnungen zu schaffen, ein großes Stück näher gerückt. Zum Komplex gehören 58 Parkplätze. 

Zweifel daran, dass der Bebauungsplan rechtlich anfechtbar wird, hat Schallhorn nicht. Im Februar hatte ein Rechtsanwalt aus der Nachbarschaft bereits Widerspruch angemeldet, weil die Häuser in der Umgebung maximal zweieinhalb Geschosse aufweisen. Am Montag kochte ein neuer Einwand hoch: Im Kaufvertrag sei schon eine dreigeschossige Bauweise zugesichert worden, ohne dass der Bebauungsplan verabschiedet sei, sagte ein Zuhörer. Für diese Zusicherung fehle jede rechtliche Grundlage. Schallhorn ließ den Einwand nicht gelten. „Ich bin zuversichtlich“, sagte er.

So sieht derzeit der Grundriss der vier WGH-Gebäude am Bürgermeister-Röber-Platz aus. Quelle: WGH

Die WGH hatte ursprünglich kompakter bauen wollen. Schallhorn hat das ohne Bebauungsplan nicht genehmigen dürfen, weil es sich nicht ins Umfeld einpasst. Die WGH hat nachgebessert und den Wohnkomplex etwas aufgelockert. Für eine Baugenehmigung reichte das aber nicht. Die Stadt muss das Vorhaben mit einem Bebauungsplan absichern.

Immer wieder unterbrechen Fragen beim Informationsabend den Vortrag des Bürgermeisters. Quelle: Sandra Remmer

Der Plan kann seit dem 18. Oktober bis Montag, 19. November, im Rathaus eingesehen werden. Außerdem ist er im Internet auf www.planverfahren-seelze.bauleitplaene.de/bp-54/a/ veröffentlicht. Während dieses Zeitraumes haben Bürger die Möglichkeit, schriftlich Einwände und Kritik zu äußern. Wenn der Rat dem Bebauungsplan grünes Licht gibt, kann die Stadtverwaltung die Baugenehmigung erteilen.

Städtebaulich nicht angemessen

Bürgermeister Detlef Schallhorn zwischen Baum und Borke. Der Baum: Er hat als chronisch klamme Stadt kein Geld zu verschenken. Das Vergolden des Areals kann er guten Gewissens rechtfertigen, wenn in Seelze Schulsanierungen oder der Neubau von Feuerwehr-Gerätehäusern gefordert werden. Letztlich muss er Geld einnehmen, um einen Kredit zu bekommen. Die Borke: Er weiß natürlich um die historische Bedeutung des alten Ensembles mit Rathaus und Kirchen. Sie ist von den Entscheidern in Rat und Verwaltung nur nie wirklich respektiert worden.

Die gallischen Letteraner wollen ja nicht aus lauter Heimatliebe an Altem festhalten. Es ist ihr alter Ortskern, ein Identifikationspunkt, den der Ortsteil Seelze so gar nicht hat. Und niemand reißt Letter einen solchen Ort aus der Seele, ohne Widerstand zu ernten. Die Kritik am Montagabend ist also nicht überraschend. Das hätte lange vor Beginn des Bieterverfahrens bewusst sein müssen. 1200 Unterschriften, die Gründung der Planungs-GbR, die Initiative von Architekten und Ärzten – alles untrügliche Zeichen für Bürgerwillen und reichlich guter Fantasie. Jetzt ist es für solchen Respekt zu spät.

Der Kardinalfehler in diesem Verfahren ist ein städtebaulicher: Das Alte Rathaus mit Vorplatz hat eine Kommunikationsfunktion. Es war Teil des öffentlichen Lebens. Das WGH-Projekt erfüllt dagegen nur die Funktion Wohnen, wie hundert andere Straßenzüge der Stadt. Der Treffpunkt wird privatisiert. Das ist zu wenig und Letter nicht angemessen. Ein Ärztehaus, kombiniert mit Sozial- und Pflegeangeboten, dazu ein paar barrierefreie Wohnungen hätten dem Stadtteil diese Funktion erhalten. Hat die Stadtverwaltung zusammen mit potenziellen Investoren je an einem solchen Plan gearbeitet? Sie hat Pläne kommen und gehen sehen, ja. Aber wenn man einem Stadtteil diese Funktion erhalten will, bringt man sich mit all seiner Fantasie und Kompetenz ein.

Die Forderung der Kritiker, das ganze Verfahren einem Bürgerwillen zu unterwerfen, geht allerdings auch fehl: Das geht mit Bürgerbefragung und Bürgerentscheid. Kommt das nicht zustande, bleibt der Verwaltung nur der Verwaltungsweg: Bauleitplanverfahren, öffentliche Auslegung, Abwägung der Kritik und Schluss.

Von Markus Holz

Von Sandra Remmer und Markus Holz

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