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Sehnde Keine Strafe trotz Körperverletzung
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00:18 28.10.2018
Ein Ochsenziemer ist eine 80 bis 100 Zentimeter lange Schlagwaffe, die aus einem gedörrten Ochsenpenis hergestellt wird. Früher hatten ihn oftmals Wirte hinter der Theke, um sich gegen rabiate Gäste wehren zu können. Quelle: Privat
Sehnde

Er hatte einen Unbekannten mit einem Ochsenziemer geschlagen und mit einem Taschenmesser verletzt sowie einem zu Hilfe eilenden Zeugen mit seiner ungewöhnlichen Schlagwaffe Platzwunden zugefügt – doch trotz des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung hat ein heute 53-jähriger Sehnder den Saal des Landgerichts Hildesheim mehr oder weniger als freier Mann verlassen. Auf freiem Fuß ist er schon seit einem halben Jahr. Denn der 53-Jährige leidet an einer Psychose und ist daher nicht schuldfähig. Die Strafkammer 1 unter dem Vorsitz von Peter Peschka hat zwar die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet, diese allerdings zur Bewährung ausgesetzt, weil der Sehnder inzwischen eine Therapie hinter sich hat, seine Medikamente laut Gericht regelmäßig nimmt und daher nicht mehr als gefährlich für die Allgemeinheit eingestuft wird.

Der 53-Jährige hatte nach Angaben des Landgerichts am 15. April vergangenen Jahren bei einem ihm unbekannten Mann in Sehnde geklingelt, ihn ins Haus gedrängt und mit einem Ochsenziemer geschlagen, einer 80 bis 100 Zentimeter langen Schlagwaffe, die aus einem gedörrten Ochsenpenis hergestellt wird. Früher hatten ihn oftmals Wirte hinter der Theke, um sich gegen rabiate Gäste wehren zu können. Zudem hat er den Hausherrn mit einem Taschenmesser am Arm verletzt, wenn auch ungezielt. Auch einem hinzugeeilten Zeugen hat er mit der Schlagwaffe Platzwunden zugefügt.

Der Prozess war auf Antrag der Staatsanwaltschaft in einem sogenannten Sicherungsverfahren verhandelt worden, weil diese schon im Vorfeld davon ausgegangen war, dass der Angeklagte bei der Tat schuldunfähig war und daher nicht bestraft werden könne. Bei solch einem Verfahren werden Maßregeln zur Besserung und Sicherung angeordnet und auf eine Anklageerhebung verzichtet. Dies hatte auch die Verteidigung beantragt.

Obwohl die Strafkammer laut Gerichtssprecher Philipp Suden festgestellt hat, dass „aufgrund seiner Erkrankung grundsätzlich von der Gefahr der Begehung weiterer Taten ausgegangen werden muss“, muss der Sehnder nicht in die geschlossene Psychiatrie. Der 53-Jährige habe sich nach seiner Verhaftung freiwillig in stationäre Behandlung begeben und sei daraus vor sechs Monaten entlassen worden. „Seitdem hat er die Medikamente zuverlässig und regelmäßig eingenommen“, sagt Suden. Wenn dies so bleibe, sei nicht damit zu rechnen, dass es erneut zu Vorfällen kommt. Dies habe der psychiatrische Sachverständige attestiert.

Seine Medikamente erhält der 53-Jährige in der Ambulanz des Klinikums Wahrendorff in Köthenwald. Dort wird nun im Rahmen der Bewährung regelmäßig kontrolliert, ob der Beschuldigte auch den Anweisungen der Ärzte entsprechend seine Medikamente einnimmt. Damit das Gericht die Behandlungsmaßnahmen auch überprüfen kann, hat der 53-Jährige die Ärzte von der Schweigepflicht entbunden. Daran muss er sich nun halten: Sollte er die Behandlung irgendwann abbrechen, muss er mit dem Widerruf der Aussetzung rechnen. „In diesem Fall würde er in einem psychiatrischen Krankenhaus geschlossen untergebracht“, resümiert Suden.

Von Oliver Kühn

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