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Sehnde Stadt will Bauherren auf die Finger schauen
Aus der Region Region Hannover Sehnde Stadt will Bauherren auf die Finger schauen
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18:21 24.10.2018
Die Vermarktung der Grundstücke im Neubaugebiet "Kleines Öhr" war extrem aufwendig und hat gut ein Jahr gedauert. Quelle: Oliver Kühn
Sehnde

Die Stadt will ihre Vergabekriterien für Baugrundstücke deutlich vereinfachen, um die Verwaltung zu entlasten und mehr Gerechtigkeit herzustellen. Grund dafür seien die teils negativen Erfahrungen mit dem Neubaugebiet „Kleines Öhr“ in Sehnde, aber auch bei der Erweiterung des Baugebietes „Bergfeld“ in Rethmar, erläuterte Daniela Rössing, Leiterin des städtischen Fachdienstes Gebäudewirtschaft, dem Stadtentwicklungsausschuss. Dabei hatten Bauwillige nicht nur bei den Angaben getrickst, die komplizierte Punktevergabe für die Auswahl war zudem sehr aufwendig und habe sich lange hingezogen: „Die Vergabe beim Kleinen Öhr hat ein Jahr gedauert.“

Einige Eigentümer seien in ihrer Bewerbung „nicht ehrlich“ gewesen, sagte Rössing, hätten bei der Anzahl der Kinder getrickst und Kinder von Familienangehörigen angegeben oder bereits bestehendes Eigentum nicht offengelegt. Um dies herauszufinden, müsse bei jedem einzelnen Amtsgericht nachgefragt werden. „Das ist sehr aufwendig“, resümiert Rössing. In Neubaugebieten sollen für Einfamilien- und Doppelhäuser deshalb künftig grundsätzlich folgende Quoten gelten: Jeweils ein Drittel der Grundstücke sollen an Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind, an Ortsansässige sowie an sonstige Bewerber vergeben werden. Für die 55 Grundstücke im „Kleinen Öhr“ gab es 223 Bewerber.

Zudem will die Stadt künftig nicht nur ein Rückkaufsrecht festschreiben, sondern auch Vertragsstrafen in Höhe von 30 Prozent des Grundstückspreises verhängen können, wenn der Bauherr falsche Angaben gemacht hat oder das erworbene Grundstück innerhalb von fünf Jahren wieder verkauft oder vermietet wird. Wegen der hohen Nachfrage soll damit verhindert werden, dass jemand zum Zuge komme, der schon Eigentum in Sehnde habe, sagte Nadine Jobst von der Gebäudewirtschaft.

Im Baugebiet "Bergfeld" in Rethmar hatte es Ärger um die Bauplatzvergabe gegeben. Quelle: Patricia Oswald-Kipper (Archiv)

Damit hat die Stadt auf die Erfahrung in Rethmar reagiert. Dort hatte es bei der Vergabe der sechs Bauplätze für die Erweiterung des Wohngebiets „Bergfeld“, für die es 60 Bewerber gab, erheblichen Ärger gegeben. Ein Sehnder, der bereits vor sieben Jahren im ersten Bauabschnitt zum Zuge gekommen war, hatte erneut ein Grundstück erhalten. Zudem muss innerhalb von zwei Jahren gebaut werden, um keine Brachen entstehen zu lassen.

Der Rat hatte die bisherigen Kriterien vor zwei Jahren beschlossen, jetzt hatte sie die Verwaltung auf ihre Wirksamkeit überprüft – und als zu aufwendig und langwierig befunden. So seien etwa Pluspunkte für Bewerber, die noch kein Wohneigentum haben, kritisch zu betrachten: Denn dabei seien Interessenten nicht zum Zuge gekommen, die einen Teil des Elternhauses geerbt haben oder eine Ferienimmobilie besitzen. In Zukunft müssen Familien zudem nachweisen, dass sie mit dem minderjährigen Kind im Haushalt in gerader Linie verwandt sind oder es adoptiert ist. Wer als Ortsansässiger gelten will, muss seit mindestens einem Jahr in Sehnde gemeldet sein. Dafür sei die Auskunft des Einwohnermeldeamts entscheidend. Beim „Kleinen Öhr“ hatten sich einige Interessenten einige Tage vor Abgabe ihrer Bewerbung schnell bei der Stadt angemeldet, um als Ortsansässige eingestuft zu werden. Alle anderen Bewerber kommen in den dritten Lostopf.

Auch wenn der Stadtentwicklungsausschuss die neuen Vergabekriterien letztlich einstimmig befürwortete, gab es auch kritische Stimmen. „Die sozialen Kriterien für die Familienstadt gehen dabei unter“, sagte Hartmut Völksen (CDU). Zudem soll die Stadt einen Finanzierungsnachweis der Bauherren verlangen, damit keine Rückabwicklungen nötig werden. Der Christdemokrat Andreas Heinen wünschte sich Sonderregelungen etwa für Ärzte, die in Sehnde bauen und eine Praxis eröffnen wollen. Aus Ilten sei ein Mediziner weggezogen, weil er keinen Zuschlag bekommen habe.

Von Oliver Kühn

Der Sehnder Rat hat rund 80.000 Euro für das Programm „You got 2 move“ zur Berufsorientierung an der KGS bewilligt. Das Geld ist auf drei Jahre angelegt und finanziert anteilig eine Pädagogenstelle.

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