Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Springe Integrationsprozess bei Flüchtlingen geht erst richtig los
Aus der Region Region Hannover Springe Integrationsprozess bei Flüchtlingen geht erst richtig los
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:48 13.07.2018
Der Nachbarschaftsladen Doppelpunkt spielt eine große Rolle in der Flüchtlingsarbeit. Die Angebote sollen weiter bestehen bleiben. Quelle: FOTO
Springe

Auch wenn der Zuzug der Flüchtlinge deutlich abgenommen hat – der Integrationsprozess geht jetzt erst los, sagt Flüchtlingskoordinatorin Friederike Hoffmann. „Bis man wirklich ankommt und mittendrin ist, kann der Prozess mehrere Jahre dauern.“

2017 hat die Stadt 81 Flüchtlinge aufgenommen, in diesem Jahr waren es bisher 46. 217 Personen hätte die Stadt eigentlich aufnehmen müssen, um die Quote zu erfüllen. Heißt unter dem Strich: 90 Flüchtlinge müssten noch kommen. „Es sind viele Familien und Ehepaare nach Springe gekommen und so wurden schon viele Kinder geboren, die ebenfalls auf die Quote angerechnet werden“, sagt Herbert Mensing vom städtischen Fachdienst Soziales.

Seit 2012 hat Springe etwa 800 Flüchtlinge aufgenommen. Ob die allerdings noch im Stadtgebiet leben oder schon wieder weggezogen sind, ist der Verwaltung nicht bekannt. In beiden Unterkünften in der Hindenburgstraße und der Friedrich-Bähre-Straße gibt es derzeit noch freie Plätze, sagt Mensing. Knapp 40 Wohnungen hat die Stadt zudem noch angemietet.

Seit 2016 sind 39 Flüchtlinge freiwillig wieder ausgereist, sieben weitere mit zwei Familien wurden abgeschoben. Dass der Zuzug abgenommen habe, bedeute auch bei der Verwaltung nicht, dass die Arbeit weniger geworden ist. „Jetzt ist es allerdings nicht mehr unmöglich, die Arbeit zu schaffen.“

Ähnlich sieht das die Flüchtlingskoordinatorin vom Nachbarschaftsladen Doppelpunkt. Das Angebot der Fahrradwerkstatt etwa werde sehr gut angenommen, berichtet Hoffmann. Mehr als 300 Räder konnten schon ausgegeben werden. „Jetzt machen wir die Erfahrung, dass viele Flüchtlinge lernen wollen, wie man die Räder selbst repariert.“ Sowohl die Handarbeits-Werkstatt als auch die Workshops und das internationale Frauenfrühstück seien nach wie vor gut besucht. Neu ist ein Gesprächskreis unter der Leitung von Isolde Callies – während des Treffens sollen die Flüchtlinge die Möglichkeit bekommen, nach ihrem Sprachkurs deutsch zu sprechen. „Das hat gerade erst angefangen und dauert ein paar Wochen, bis das angenommen wird.“

Ihr Eindruck: Die Zugezogenen seien sehr motiviert zu arbeiten und ihren Abschluss zu machen, stünden aber vor teils großen bürokratischen Hürden. Die Anträge für das Jobcenter auszufüllen, sei schon eine Herausforderung für Deutsche, sagt Hoffmann. Die Unterstützungsangebote wolle das Team nicht herunterfahren: „Gerade jetzt müssen wir weitermachen und nicht nachlassen. Dieser Fehler wurde schon früher gemacht, sodass man immer wieder von vorne anfangen musste.“

Von Saskia Helmbrecht