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Springe Ärger über Aus für Notfallambulanz
Aus der Region Region Hannover Springe Ärger über Aus für Notfallambulanz
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00:19 29.06.2018
„Ärzte, die zum Teil nicht einmal Deutsch sprechen“: Die Notfallambulanz in Springe. Quelle: Foto
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Springe

Eine große Überraschung ist das Aus der Notfallambulanz für viele nicht – bei den Fraktionen im Rat der Stadt herrscht Ernüchterung. „Das ist ein übles Spiel von Region und Land“, sagt CDU-Chef Wilfred Nikolay.

Die Einrichtung wird zum Jahresende zugemacht, das Regionsklinikum hatte nach entsprechenden Signalen vom Land auf einen neuerlichen Antrag verzichtet. Eher zurückhaltend zeigt Nikolay sich bei den Überlegungen für ein Gesundheitshaus, die Bürgermeister Christian Springfeld verfolgt. Er gehe davon aus, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren eher nichts umgesetzt werden könne: Die Ärzte, die kurz vor der Rente stehen, würden jetzt kaum noch in eine neue Einrichtung ziehen.

Offen sei zudem die Frage nach der Zukunft des ehemaligen Krankenhausgebäudes. „Das reißt erst einmal ein Riesenloch, und das ist nicht in Ordnung." Aber: Der Handlungsspielraum auf kommunaler Ebene sei gering, sagt Nikolay.

Ähnlich sieht das SPD-Chef Bastian Reinhardt: Springe sei etwas machtlos. „Gefühlt verlagert die Region alles nach Hannover, gerade findet da eine Umverteilung statt; das ist traurig und nicht akzeptabel.“ Er erwarte von der Region, dass sie Springe personell und finanziell beim Aufbau eines Gesundheitshauses unter die Arme greift.

Gleichzeitig müsse man sich Gedanken über die Nachnutzung des Geländes machen. Möglicherweise könne es an einen Investor gehen, ein Teil der Flächen sei vielleicht für Octapharma oder den Blutspendedienst interessant. „Wir brauchen den Platz. Die Region kann uns das Gelände gern für einen Euro verkaufen und damit immerhin etwas Gutes tun – die Verwaltungskosten übernehmen wir gerne", so Reinhardt.

Eher machtlos sieht sich auch die Fraktionschefin der Grünen, Ursula Schulz-Debor, der Situation gegenüber. „Wir haben schon massiv gegen die Schließung des Krankenhauses protestiert, und das hat nichts genützt. Ich weiß nicht, welchen Hebel wir noch in Bewegung setzen können. Dass sich die Ambulanz nicht rechnet, ist mehr als logisch.“

Deutliche Worte findet Matthias Lenz (Gruppe FDP/FWS): „Eine Riesensauerei ist das, die Ambulanz war von vornherein zum Scheitern verurteilt.“ Hätten Region und Land wirklich die Einrichtung gewollt, hätten sie sie anders aufziehen müssen. „Da waren Ärzte, die zum Teil nicht einmal Deutsch sprechen.“

Springe dürfe jetzt aber nicht den Entscheidungen hinterherweinen, sagt Lenz. Es gelte, die Ärzte zu solidarisieren. Der Ratsherr unterstützt die Idee, ein Gesundheitshaus zu schaffen und im ehemaligen Krankenhaus ein Tagungshotel einzurichten, wie es Parteifreund und Bürgermeister Christian Springfeld vorgeschlagen hatte.

Von Saskia Helmbrecht

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