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Springe Eigene Großeltern getötet: Verurteilter Enkel hofft auf Erbe der Opfer
Aus der Region Region Hannover Springe Eigene Großeltern getötet: Verurteilter Enkel hofft auf Erbe der Opfer
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18:56 08.02.2019
An wen geht das Erbe? Das Amtsgericht wartet noch auf Unterlagen des verurteilten Enkels Quelle: Archiv
Springe

 Anfang November 2016 tötete ein damals 25-Jähriger in einem Wohnhaus an der Magdeburger Straße seine Großeltern. Der Mann gilt nach einem Urteil des Landgerichts Hannover als schuldunfähig, sitzt in der Psychiatrie. Doch die Auswirkungen des Falls beschäftigen die Justiz bis heute. Denn der Täter wartet weiterhin darauf, von seinen Opfern erben zu können – dem Vernehmen nach geht es um rund 140 000 Euro.

Amtsgerichtssprecher Sascha Klein bestätigte dieser Zeitung auf Anfrage, dass ein entsprechendes Verfahren zur Erteilung eines Erbscheins läuft. Zum Abschluss fehlten aber noch Unterlagen, die der gesetzliche Betreuer des Mannes nachreichen müsse.

Wer schuldunfähig ist, ist nicht erbunwürdig

Dass der Täter das Geld grundsätzlich erben darf, kann man zumindest aus der aktuellen Rechtssprechung schließen. Das Gesetz schließt zwar aus, dass Täter von ihren getöteten Opfern erben – „Erbunwürdigkeit“ nennt sich das. Allerdings urteilte das Bundesverfassungsgericht erst 2015 sinngemäß, dass diese Regelung bei gerichtlich festgestellter Schuldunfähigkeit nicht greife.

Präsent war dieser Umstand offenbar auch beim Amtsgericht zunächst nicht: Denn dort kontaktierte man eines Tages die Neffen des Großvaters und wies sie an, einen Erbschein zu beantragen – um kurz darauf die Kehrtwende zu vollziehen und den Erbschein wieder einzuziehen, nachdem der gesetzliche Betreuer des Täters Widerspruch eingelegt hatte. Im Kampf um den verweigerten Erbschein zogen die Neffen vor Gericht – und unterlagen am Oberlandesgericht Celle. Bei dem Urteil ging es allerdings nur darum, ob das Amtsgericht Springe den Erbschein der Neffen wieder einziehen durfte – nicht, ob der Täter tatsächlich von den Großeltern erben darf. Ob der Verurteile Anspruch auf das Erbe der Getöteten hat, muss in einem eigenen Verfahren ausgefochten werden.

Staatsanwaltschaft will sich Prozesskosten zurückholen

Bei der Staatsanwaltschaft Hannover wartet man gespannt, ob das Amtsgericht dem Psychiatrie-Insassen einen Erbschein gewährt. Hintergrund ist, dass ein Verurteilter selten für die Kosten des Verfahrens oder aber für seine Unterbringung zur Kasse gebeten werden kann. Meistens bleiben die Kosten am Steuerzahler hängen. Sollte der Täter in diesem Fall Geld aus dem Erbe der Opfer erhalten, will die Staatsanwaltschaft reagieren: „Dann werden wir grundsätzlich prüfen, ob diese Summe mit den Kosten verrechnet werden kann“, sagte Sprecherin Kathrin Söfker.

Von Christian Zett