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Springe OHG-Schüler erfahren mehr über das Organspenden
Aus der Region Region Hannover Springe OHG-Schüler erfahren mehr über das Organspenden
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19:28 25.10.2018
Guido Hoffmann aus Bad Münder wurde eine Leber transplantiert. Jetzt will er für das Thema Organspende werben. Quelle: foto: Saskia Helmbrecht
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Ob das Kreuz am Ende bei Ja oder Nein gemacht wird, spiele erst einmal gar keine Rolle. Hauptsache, es wird überhaupt eine Entscheidung gefällt, ob die Organe gespendet werden sollen oder nicht, ist Guido Hoffmann aus Bad Münder überzeugt. Er selbst war auf eine Lebertransplantation angewiesen.

Nun hat er im Otto-Hahn-Gymnasium von seinen Erfahrungen berichtet. „Mein Ziel ist es aufzuklären, nicht zu missionieren, aber eine Diskussion zu provozieren.“

Das Otto-Hahn-Gymnasium hat sich auf die Fahnen geschrieben, seine Schüler in Sachen Organtransplantation aufzuklären und die Jugendlichen zum Nachdenken anzuregen. „Gesamtgesellschaftlich ist das Thema sehr wichtig und wird daher auch in Religion und im Werte-und-Normen-Unterricht behandelt“, sagt Lehrerin Nadine Rische.

Nur wenige haben bislang einen Organspendeausweis

Jetzt konnten die Schüler aber ihre Bücher zur Seite legen – und einem Transplantierten Fragen stellen. Aber erst einmal hatte Hoffmann einige Fragen an die Schüler vorbereitet: „Wer hat einen Ausweis von euch?“, fragte er in die Runde, und einige Hände gingen sofort nach oben. Noch mehr Hände wurden es aber bei der Frage, wer ein Organ annehmen würde, wenn er es benötige. Hoffmann appellierte an die Jugendlichen, die Entscheidung im Ernstfall nicht den Angehörigen zu überlassen.

Wenn es zu einem Todesfall kommt, sei die Familie ohnehin mit der Situation überfordert – umso schwerer falle also auch noch die Frage nach einer Organspende.

Welche Befürchtungen es gibt, will der Experte wissen

Welches aber sind die Bedenken und Ängste der Jugendlichen, sich gegen eine Transplantation zu entscheiden, fragte Hoffmann nach. Die Befürchtung etwa, dass die Ärzte nicht alles daran setzten, ihr Leben doch noch zu retten, sollte ein Spendeausweis vorliegen. Oder auch die Ungewissheit, ob man wirklich hirntot ist. „Wenn ihr euch da wiederfindet, dann kreuzt Nein an“, zeigte Hoffmann Verständnis, legte aber auch aktuelle Zahlen vor, wie viele Erkrankte derzeit auf ein Organ warten, aber keins bekommen. „Es sind 13 000 Menschen, jährlich werden nur 4700 Transplantationen durchgeführt.“ Und gleich drei Transplantationen hat Mathelehrer Henning Lüders bereits hinter sich. Denn was viele nicht wissen: Auch Gewebe, also etwa Augenhornhaut, kann nach dem Tod gespendet werden – und dank dieser Möglichkeit kann Lüders heute noch sehen, berichtete er seinen Schülern.

Mit drastischem Video provoziert Hoffmann die Schüler

Am Ende hat Hoffmann die Schüler aus der Reserve gelockt – und zwar mit einem sehr drastischen Video aus England. Kernpunkt: Wer keinen Ausweis hat, ist ein schlechter Mensch. „Stimmt das?“, hakte Hoffmann nach. „Nein, das ist jedem selbst überlassen“, meldete sich ein Schüler zu Wort. „Dann soll er aber auch kein Organ kriegen“, folgte die prompte Reaktion der Schüler.

Eng ist die Debatte derzeit mit der Politik verknüpft. Und genau dazu hatte das OHG Andreas Hammerschmidt eingeladen. Er ist Sprecher der Arbeitsgemeinschaft des SPD- Landesverbandes Niedersachsen im Gesundheitswesen. „Es geht darum, was die Politik tun kann, und da spielt natürlich die Widerspruchslösung eine große Rolle.“ Der Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wird von der SPD begrüßt. Demnach sei jeder Deutsche automatisch Organspender, solange er nicht widerspricht. In Deutschland gilt aktuell die Entscheidungslösung.

Von Saskia Helmbrecht