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Springe Springer besiegte vor zehn Jahren die Leukämie – und organisiert nun Benefizturniere
Aus der Region Region Hannover Springe Springer besiegte vor zehn Jahren die Leukämie – und organisiert nun Benefizturniere
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18:42 13.07.2018
Hat nach seiner Genesung neue Kräfte geschöpft: Heinz Glauche spielt Tennis – hier bei der Springer Trophy 2018 (großes Foto). Quelle: Fotos
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Springe

Sein Kampf gegen die Leukämie endete für Heinz Glauche glücklich – damals, vor zehn Jahren, im Juli 2008. Zwölf Tage lang war das Immunsystem des Blutkrebspatienten heruntergefahren. Parallel hatte in London ein Mann Knochenmark gespendet, das mit dem Flugzeug und einer Polizeieskorte zu dem Blutkrebspatienten in die Medizinische Hochschule Hannover gelangte. Während der Transplantation schlief der Springer erschöpft ein. An seinen Traum erinnert er sich bis heute: In ihm tauchten ein großer, dicker, schwarzhaariger Mann und eine kleine dunkelhäutige Frau auf.

Nach einer kritischen Phase von sieben Tagen, in der offen war, ob sein Körper das fremde Blut annehmen würde, spürte Glauche schließlich Ruhe im Körper – schon, als er die Augen aufschlug: „Wie wenn jemand den Schalter umlegt“, beschreibt er. Drei Wochen nach der Transplantation konnte er aus dem Krankenhaus entlassen werden und auch seine Medikamentendosis von bis zu 40 Tabletten waren nach bereits 90 Tagen nicht mehr notwendig.

Und heute, eine Dekade später? „Ich tue genau das Gleiche, genieße aber mehr und nehme intensiver wahr. Ich bin dankbar, wenn die Natur atmet“, sagt er. Sein großer Garten, in dem er heute sitzt, ist ein starker Kontrast zum sterilen, hermetisch abgeriegelten Zimmer auf der Isolierstation von damals – dort, wo Pumpen Frischluft lieferten, keine Gerüche, nicht einmal eine Fliege zu ihm durchdringen konnte und Besucher eine Stunde aufwenden mussten, um mit einer sogenannten Vollschutzkleidung Zugang zu seinem Zimmer zu erhalten.

Dank der Stammzellen, die der Springer von Eamonn Whelan erhalten hatte, hat Glauche zu alter Stärke gefunden – und noch mehr: „Ich bin spürbar leistungsfähiger und reaktionsschneller geworden“, sagt er. Geändert hat sich dadurch auch seine Blutgruppe. Er hat nun A positiv, diese er von seinem Spender übernommen – einem „Bär von einem Mann“, wie Glauche sagt. Und auch seine Nationalität hat sich erweitert: „Jetzt bin ich halb Deutscher, Viertel Ire und Viertel Brite“, sagt er lachend. Denn sein genetischer Zwilling lebt im englischen Leicester und hat irische Wurzeln.

Whelan war der Mann gewesen, der Glauche während der Transplantation im Traum erschienen ist. Das erkannte der 71-Jährige gleich bei ihrem ersten Treffen. Doch wer war die Frau, die – anders als Whelans Ehefrau –, dunkelhäutig war? Whelan kannte die Antwort: Es sei die indische Krankenschwester gewesen, die ihm das Blut abgenommen hatte, so der Brite. Bei Glauches Besuch in Leicester im Jahr 2014 bescherte ihm Whelans Bruder eine besondere Freude, an die ihm ein Foto mit Jamie Vardy, dem „zweitbesten Stürmer Großbritanniens“, erinnert. Bei einem Fußballspiel wurde der Springer im Stadion durch den Spielertunnel an den Spielfeldrand geführt, wo sich 42 000 Augenpaare auf ihn richteten. Ein Moderator erzählte das Schicksal des ehemaligen Leukämie-Patienten und seine Genesung, woraufhin alle die Fußballhymne „You‘ll Never Walk Alone“ anstimmten. Dort heißt es mitunter: Mit Hoffnung in deinem Herzen wirst du niemals allein gehen.

Weil Glauche Hoffnung weitergeben will, veranstaltet der passionierte Tennisspieler jährlich ein Benefizturnier, um Geld für den Kampf gegen Blutkrebs zu sammeln. „Um sein Leben zu kämpfen lohnt sich!“, davon ist er überzeugt. Nach einer Leukämie-Diagnose solle man nicht den Kopf hängen lassen und sich nicht selbst aufgeben.

Glauches Ziel ist es, möglichst viel Zeit mit seiner Familie zu verbringen, auch seine 89-jährigen Eltern leben noch. Sein Enkel Timon, dessen Ultraschallbilder ihm in der schweren Zeit ein Lichtblick waren, feiert in wenigen Wochen seinen zehnten Geburtstag.

 

Am Sonnabend, 18. August, richtet der TV Springe in der Harmsmühlenstraße 32 ein Benefizturnier aus. Beim Tennisspiel spenden die Teilnehmer für jede verlorene Runde mindestens einen Euro. Bis zu 40 Personen können zeitgleich auf dem Gelände spielen. Die Einnahmen aus dem Turnier gehen an das norddeutsche Knochenmark- und Stammzellspender-Register (NKR). Mit dem Geld werden Typisierungen (je 60 Euro) finanziert.

Von Juliet Ackermann

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