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Springe Hospizverein feiert sein 20-jähriges Bestehen
Aus der Region Region Hannover Springe Hospizverein feiert sein 20-jähriges Bestehen
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00:19 31.10.2018
Hospizvereinschef Jens Laugesen stellt in seiner Rede die große Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit der Mitglieder heraus. Quelle: Horst Voigtmann
Springe

Kein Arzt und keine Pflegekraft habe die Möglichkeit, einen sterbenden Menschen mit einem so hohen Zeiteinsatz zu begleiten wie die Hospizmitarbeiter: Diesen zentralen Satz sagte Jens Laugesen, Vorsitzender der Hospizarbeit Springe, in seiner Rede zum 20. Jahrestag des Vereins. Die ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder habe eine enorme Bedeutung.

Der Verein, dessen Mitarbeiter Menschen am Ende des Lebens begleiten, feierte seinen Jahrestag am Wochenende in der Aula der Grundschule Hinter der Burg. Am Eingang wurden die Gäste von den beiden hauptamtlichen Koordinatorinnen, Susanne Rokahr und Katrin Moormeister, begrüßt. Dazu erklang Gitarrenmusik: Bernward Jaime Rudolph aus Wennigsen spielte spanische Klänge.

In seiner Eröffnungsrede machte Laugesen deutlich, dass er „nur die Vorband“ sei. Die Hauptrednerin, Annelie Keil, werde den Saal rocken, kündigte er an – und er sollte recht behalten. Die emeritierte Professorin aus Bremen schaffte es, das Publikum mit ihrem anschaulichen Vortrag zu fesseln. Die Gesundheitswissenschaftlerin trat für eine Kultur der Menschlichkeit, des Mitgefühls und der Solidarität am Lebensende ein. Und das tat sie teilweise in deftiger Sprache.

„Am Anfang des Lebens werden wir in ein ungewisses Schicksal entlassen. Das Leben bekommen wir als eine Möglichkeit, aber leben müssen wir selbst“, sagte sie. Und da liege der Hase im Pfeffer. „Die Hirnforscher haben es uns klargemacht, wir bekommen ein Gehirn zum Denken. Aber ob wir denken, ist eine zweite Frage. Manche sitzen auf dem Gehirn, die bekommen zwar Hämorrhoiden, aber neue Gedanken wachsen ihnen nicht.“

Das Leben sei auf „wir“ gepolt. Neun Monate bedingungsloses Asyl habe jeder hinter sich, bevor er dann eine fristlose Kündigung bekomme und sich aufmache in ein unbekanntes Leben. „Ob sich die Eltern freuen, dass Sie gekommen sind, oder ob Sie schon als kleines Kind in Kriege hineingeboren werden oder jetzt auf irgendeinem Boot im Mittelmeer versuchen, mit Ihren Eltern oder wem auch immer ein Land zu erreichen, wo man auch leben darf.“ Solche Fragen seien anrührend, denn niemand sei gefeit vor solch einem Schicksal, sagte Keil, die nach der Flucht mit ihrer Mutter in Friedland aufgenommen worden war.

Unsere Gesellschaft, so kritisierte die 79-Jährige, leide unter einem Gesundheitswahn. Warum eigentlich? „Ich möchte nicht gesundheitsgefördert werden, um dann am Ende mit einer Rolle vorwärts in den Sarg zu springen. Ich möchte, wie das in meinem Dorf üblich war, von vier netten Männern getragen werden.“ Trocken stellte sie fest: „Bei zwei gescheiterten Ehen müsste das doch möglich sein.“ Wobei: „Die Leute haben es dann ja alle im Rücken …“

In der Geburtsanzeige stehe, wie lang man ist und wie viel man auf die Waage bringt. Glücklicherweise sei das in Todesanzeigen nicht üblich. Am Ende gab Keil ihren Zuhörern eine Lebensweisheit mit auf den Weg: „Wenn jemand Ihr Bestes will, ergreifen Sie die Flucht.“

Fazit: Selbst einige professionelle Kabarettisten bringen ihr Publikum nicht so zum Lachen, wie es diese Festrednerin geschafft hat. Schön, wenn eine Jubiläumsfeier so vergnüglich ist –  und das noch mehr, wenn es dabei doch um ein eigentlich ernstes Thema geht.

Von Horst Voigtmann