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Springe In der Notfallambulanz herrscht Abschiedsschmerz
Aus der Region Region Hannover Springe In der Notfallambulanz herrscht Abschiedsschmerz
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19:01 28.12.2018
Kümmern sich um eine der letzten Patientinnen in der Notfall-Ambulanz an der Eldagsener Straße: Schwester Christa (vorn) und Ärztin Sabrina Rogahn messen bei einer Springerin nach einem Kreislauf-Zusammenbruch den viel zu niedrigen Blutdruck (Bild o.). Die Absperrketten deuten bereits auf die Schließung des Parkplatzes hin (rechts). „Gehöre zum Inventar hier“: Hausmeister Jörg Frerichs. Quelle: Marita Scheffler
Springe

Jörg Frerichs hat sich schon um den Anfang vom Ende gekümmert. Einen Teil des großen Parkplatzes am ehemaligen Springer Krankenhaus hat er mit Sicherheitsketten abgesteckt. „Wir müssen den Pflegeaufwand reduzieren“, sagt der 59-Jährige, der sich 33 Jahre lang als Hausmeister um den Gebäudekomplex an der Eldagsener Straße gekümmert hat. Dass hier am Montagabend die Lichter ausgehen, mag er noch immer nicht ganz glauben: „Mein Herz hängt hier dran.“

Wer sich mit Frerichs unterhält, hört vom schleichenden Untergang des Springer Krankenhauses, das in den vergangenen drei Jahren nur noch als Notfallambulanz existierte. „Die besten Jahre hatten wir, als noch der Landkreis das Sagen hatte“, glaubt der Mann, der 1985 als gelernter Raumausstatter seinen Dienst in der Einrichtung begann und nun der letzte Festangestellte des Regionsklinikums in Springe ist.

Entscheider „haben Tafelsilber verkauft“

„Das Krankenhaus war damals im Prinzip selbstständig. Alle wichtigen Entscheider saßen vor Ort, die Wege waren kurz“, sagt Frerichs. 160 Betten hatte die Klinik damals. In den letzten Jahren waren es nur noch 100. Der 59-Jährige möchte nicht falsch verstanden werden: „Natürlich war auch unter dem Landkreis nicht immer alles gut. Aber es gab mehr gute Zeiten als schlechte …“ Irgendwann hätten die Entscheider begonnen, das Tafelsilber zu verkaufen.

Details möchte Frerichs mit Blick auf seine eigene Zukunft im Unternehmen nicht nennen. Ab Mitte kommender Woche wird er im großen Siloah-Klinikum in Hannover arbeiten. Er wohnt in der Landeshauptstadt, der Weg zur Arbeit wird also deutlich kürzer. Trotzdem wäre er lieber weiter zum Kleinen Deister gependelt. „Hier kenne ich jeden Stein, jede kleine Geschichte.“

Türen der Ambulanz schließen Silvester um 18 Uhr

Dem Klinikum Region Hannover (KRH) hat er angeboten, auch künftig einmal pro Woche nach Springe zu fahren und nach dem Rechten zu sehen. Eine Antwort hat er allerdings noch nicht erhalten.

Die Türen der Notfallambulanz – die offiziell Notfallaufnahme heißt – werden am Silvestertag um 18 Uhr endgültig geschlossen. Die Behandlungszeiten (zunächst rund um die Uhr) waren zuletzt schon eingeschränkt worden.

Nur wenige Besucher täglich nutzten die Notfallambulanz

Auf die Patientenzahlen habe das aber keine signifikanten Auswirkungen gehabt, bilanziert KRH-Sprecher Steffen Ellerhoff: „Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir die Öffnungszeiten an die Hauptnutzungszeiten der Besucher angepasst haben.“ Nachmittags, abends und an den Wochenenden kamen Hilfesuchende. Während der Vormittagsstunden und nachts dagegen passierte meist über Stunden nichts. Aus den Anfangsstatistiken geht hervor, dass durchschnittlich zehn bis zwölf Personen die Einrichtung nutzten – pro Tag. In anderen Notfallaufnahmen sitzen oft mehr Patienten zur gleichen Zeit im Wartebereich. Auch in Springe waren es 35 bis 40 Fälle pro Tag, als im Hintergrund noch das Krankenhaus existierte.

Was von der Ambulanz außer der Erkenntnis bleibt, dass sie zu wenig genutzt wurde: „In den Wochen nach der Schließung werden wir das Inventar, zu dem Behandlungsgeräte und Möbel gehören, prüfen, ob wir es an anderer Stelle weiternutzen können“, so Ellerhoff. „Unser Ziel ist es, die Immobilie dann so weit vorzubereiten, dass sie besenrein an einen anderen Nutzer übergeben werden kann.“ Spezielle Rückbaumaßnahmen seien nicht geplant.

Klinikum Hannover sucht nach einem Investor

Die KRH geht davon aus, den Komplex „im ersten Halbjahr 2019“ verkaufen zu können. Es werde ein Investorenauswahlverfahren angestrebt. Ellerhoff: „Sobald wir die vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen haben, werden wir die Unterlagen auf den entsprechenden Onlineplattformen veröffentlichen.“

Die Interessenten, die sich in den vergangenen Monaten beim KRH gemeldet haben, würden extra informiert werden. Zu dem Kreis gehören auch „Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft und aus dem Reha-Bereich“, sagt Ellerhoff. Für immer werden die Lichter im früheren Krankenhausgebäude also wohl nicht ausgehen. Unklar ist derzeit nur, wann, wie und mit wem es weitergeht.

Von Marita Scheffler