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Springe Nimmt Springe Abstand vom Göbel-Kult?
Aus der Region Region Hannover Springe Nimmt Springe Abstand vom Göbel-Kult?
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00:34 24.03.2018
Heinrich Göbel auf einer Aufnahme aus seiner Zeit in New York.  Quelle: Foto: Archiv
Springe

 Ist er nun ein Erfinder und ein Held? Ein Puzzleteil im großen Stromkrieg des 19. Jahrhunderts? Oder doch nur ein Hochstapler? Kurz vor seinem 200. Geburtstag ringt seine Heimatstadt Springe immer noch mit dem Erbe von Heinrich Göbel. Die Stadtverwaltung will nun den Spagat zwischen Gedenken und Einordnung stemmen: Einerseits mit einem Geburtstags-Festakt samt Vortrag von Hans-Christian Rohde, der 2006 mit seiner Doktorarbeit zur „Göbel-Legende“ die Debatte um Göbels Erfindung in Springe anstieß.

Dem Zweifel Raum geben

Und andererseits mit einem Schulprojekt am Otto-Hahn-Gymnasium, an dessen Ende Bürgermeister Christian Springfeld die historischen Göbel-Orte in Springe mit neuen Plaketten versehen möchte. Die Botschaft: „Wir wollen darauf hinweisen, dass bezweifelt werden darf, dass Göbel der Erfinder der Glühlampe ist“, sagt Springfeld.

Zunächst zum öffentlichen Festakt, für den Bürger sich ab Anfang April anmelden können: Der soll am Freitag, 20. April, genau am 200. Geburtstag Heinrich Göbels, im Museum auf dem Burghof stattfinden. Den Festvortrag hält – ausgerechnet, mag manch einer sagen, – Hans-Christian Rohde. Der Historiker und inzwischen pensionierte Lehrer hatte 2006 eine umfangreiche wie aufsehenerregende Doktorarbeit vorgelegt. Tenor: Dass Göbel die Glühlampe erfunden hat, sei eine Legende – entstanden aus einer Mischung aus Wirtschaftskrimi, Blenderei und Ideologie.

„Stolz auf ihn sein“

Springfeld versichert nun, Rohde wolle am 20. April ein durchaus vielfältiges Bild von Göbel zeichnen: „Es geht darum, warum wir stolz auf ihn sein können als Lokalheld. Aber eben auch darum, dass er nicht der Erfinder der Glühbirne sein kann.“ Denn diesen Umstand, das räumt Springfeld freimütig ein, hält er für wissenschaftlich nicht haltbar: „Das darf bezweifelt werden“.

Feiern will die Stadt ihren Sohn trotzdem am 20. April: Bei dem Festakt, der um 10 Uhr im Saal des Museums beginnt, soll neben Rohde auch Sänger Uwe Thiel – alias German Tyler – auftreten. Thiel hatte den Wettbewerb der Stadt für ein neues Springe-Lied gewonnen. Jenes Lied soll er nun im Museum erneut vortragen. Und: Laut Springfeld wird eine lokale Bäckerei extra für den Anlass ein Göbel-Gebäck produzieren. Mit einem ähnlichen Vorschlag war Rohde selbst vor einigen Jahren noch am Veto der Politik gescheitert.

Die Aufarbeitung geht weiter

Über den Göbel-Geburtstag hinaus will sich Springfeld dann an die andere Seite der Medaille machen: an die Aufarbeitung der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Und an den offiziellen Abschied von Springe als Geburtsort des Erfinders der Glühbirne, der an zahlreichen Stellen im Stadtgebiet noch beworben wird. „Wir möchten darauf hinweisen, dass es inzwischen neue Erkenntnisse gibt“, sagt der Bürgermeister. Ihn wurmt, dass Springe nach außen hin mitunter so wirke, als ignoriere man hier den Stand der Forschung. Beispiel: Im Reiseführer „111 Orte rund um Hannover, die man gesehen haben muss“, 2016 erschienen, ist das große Göbelbirnen-Denkmal Ort Nummer 81. Untertitel des Kapitels: „Neues aus Lügenlampenhausen“.

Neue Hinweistexte

An Orten wie eben jener Göbel-Birne, die bis zum 20. April restauriert werden soll oder an der Göbel-Büste am Amtsgericht sollen nach Springfelds Plan entsprechende neue Plaketten angebracht werden. Wie genau diese aussehen sollen, will Springfeld zusammen mit dem Otto-Hahn-Gymnasium erarbeiten: Die Schule habe sich dankenswerterweise zu einem gemeinsamen Projekt bereit erklärt: „Mit den Schülern wollen wir erarbeiten, welche Botschaften wir wie kundtun wollen“, sagt Springfeld.

Das sagen die Historiker

„Unbezweifelbar“ stehe fest, schreibt der Geschichtswissenschaftler Hans-Christian Rohde auch in seiner Göbel-Doktorarbeit, dass der Springer als Johann Heinrich Christoph Conrad Göbel geboren wurde – und zwar am 20. April 1818 „mittags um ein Uhr“. So habe das Kirchenbuch der St.-Andreas-Gemeinde vermerkt.

Am 13. November 1848 wanderte Göbel mit seiner Familie in die USA aus, wo er schließlich als „Henry Goebel“ die amerikanische Staatsbürgerschaft erlangte. Später wurde er dann bekannt, weil er behauptete, bereits in Springe die Glühlampe erfunden, aber kein Patent angemeldet zu haben.

Es kam zu Rechtsstreitigkeiten zwischen verschiedenen Glühlampenherstellern, in die Göbel mit seinen Aussagen verwickelt wurde. Letztlich ließen sich diese aber nicht belegen, betont Rohde.

Rohdes Arbeit ist 2007 im Völksener „Zu Klampen“-Verlag als Buch „Die Göbel-Legende“ erschienen und bis heute im Buchhandel für 29,80 Euro erhältlich.

Wer am Festakt am Freitag, 20. April, um 10 Uhr im Museum teilnehmen möchte, muss sich ab 3. April bei der Stadt anmelden: Per E-Mail an petra.hamann@springe.de oder unter an die Telefonnummer (0 50 41) 7 32 54.

Von Christian Zett