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Springe Der Uhu kehrt zurück
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20:02 05.02.2019
Experte Michael Borgolte hat einen Uhu in einem Springer Steinbruch fotografiert. Quelle: Fotos
Springe/Alvesrode

Seine Faszination für diesen Vogel begann damit, dass ein Exemplar vor Jahren ganz dicht über seinen Kopf flog: völlig lautlos, majestätisch und erhaben. „Ich habe wirklich nichts gehört – auf einmal war er ganz nah über mir und ich habe mich sehr erschrocken“, sagt Michael Borgolte vom Nabu Springe. Seit diesem Tag ist der Springer vom Uhu-Virus infiziert. Und überwacht den Bestand der größten Eulenart der Erde hier im Deister. Der hat sich in den letzten Jahrzehnten positiv entwickelt – aber die intensive Landwirtschaft und die starke Waldnutzung durch Outdoor-Enthusiasten bereiten den Naturschützern Sorgen.

Lebensraum in Springe zurückerobert

Der Uhu galt fast als ausgestorben. Mittlerweile hat er sich den Lebensraum in Springe zurückerobert. Aber bis dahin war es ein langer Weg: Bis ins 20. Jahrhundert hinein galt der Uhu als Jagdschädling, der zu bekämpfen sei. Und er wurde bekämpft. „Erst in den 1930er-Jahren wurde der Uhu unter Schutz gestellt“, weiß Borgolte, die Jagd auf ihn ist bis heute verboten.

Bis er allerdings auch wieder am Deister heimisch wurde, dauerte es dann doch eine Weile. Die erste Uhu-Sichtung im Deister bei Springe wurde dem Nabu 1980 gemeldet. Daraufhin folgte eine weitere Sichtung im Jahr 1985 beim Saupark. Eine erneute Meldung folgte 1991, dann 1995. „Ab 2001 gab es dann regelmäßige Meldungen darüber, dass Uhus gesichtet worden sind“, weiß Borgolte. Mittlerweile sind zwei Brutpaare nachgewiesen, die regelmäßig bei Springe ihre Jungen großziehen.

Bis zu 2000 Brutpaare in Deutschland

Bis zu 1,68 Meter misst die Flügelspannweite der Uhus, bei den lautlosen Riesen werden die Weibchen größer als die Männchen. In Deutschland wird die Zahl der Brutpaare auf bis zu 2000 geschätzt, mindestens zwei davon leben in Springe – Anfang Februar beginnen die Tiere mit ihren Brutvorbereitungen und sind jetzt besonders gut mit ihren Rufen zu hören. „Er ruft ja relativ laut, man kann ihn in kalten und klaren Nächten weit hören“, sagt Borgolte. Er macht sich in diesen Tagen deshalb häufig auf den Weg Richtung Wald, besonders in der Dämmerung lässt sich das typische „Huhuhu“ rund um den Deister hören. Der Experte kann aus den Ruflauten eine Menge Rückschlüsse ziehen: Etwa, ob es sich um ein männliches oder ein weibliches Tier handelt.

Nest in Nordspringe zerstört

Durch diese Erfassung stellen die Naturschützer auch fest, ob ein Paar brütet und welchen Erfolg die Tiere damit haben – und was einen möglichen Bruterfolg verhindert. In letzter Zeit musste Borgolte immer wieder in seine Listen schreiben, dass der Mensch den Bruterfolg der Tiere zunichtemacht. 2017 etwa wurde ein Nest in Nordspringe zerstört, die Eulen konnten keinen Nachwuchs großziehen. Im selben Jahr wurden in einem Steinbruch bei Springe – um die Tiere zu schützen, sagt er nicht, um welchen es sich handelt – Jungtiere gefunden, die außerhalb des Nests verhungert waren. Borgolte: „Ich nehme an, dass sie von Menschen gestört und erschreckt wurden und anschließend vor Angst aus dem Nest gesprungen sind.“ Die Eltern haben sich anschließend nicht mehr um die Tiere am Boden gekümmert. Vermutlich sind sie verhungert. Was hat die Jungen aufgeschreckt?

Nächtliche Störungen

Borgolte vermutet, dass es Waldtouristen waren, die, wie er beobachtet, immer häufiger auch nachts in dem Steinbruch unterwegs sind, dort Feuer machen und Zelte aufbauen. „Das stört den Uhu ganz schön“, weiß der Naturschützer – und appelliert an Waldbesucher, bei ihrer Freizeitgestaltung mehr Rücksicht zu nehmen. 2018 hat der Nabu-Mann keine Brutprobleme ausgemacht. Und hofft nun darauf, dass den Uhus am Deister der Bruterfolg auch in diesem Jahr gelingt.

Sorgen bereitet Borgolte aber auch die sich verändernde Kulturlandschaft: Es gibt immer weniger Wiesen und immer mehr Äcker, was den Lebensraum für Mäuse einschränkt. Die wiederum werden vom Uhu gejagt und stellen in manchen Jahren seine Hauptnahrungsquelle dar. Und: Auf Maisäckern kann der Uhu seine Beute nur schlecht ausmachen, der Jagderfolg wird also eingeschränkt. Deshalb wünscht sich Borgolte, dass Landwirte Wiesen und Weiden wieder mehr Platz einräumen.

Wildvögel per Spektiv beobachtet

Gut 50 Nächte schlägt sich Borgolte jedes Jahr um die Ohren, um den Bestand der Wildvögel zu überwachen: Er lauscht ihnen, beobachtet sie mit einem Spektiv, schreibt seine Erkenntnisse in Listen auf und gibt sie an den Landesverband des Nabu weiter. Anhand derer lässt sich dann erkennen, dass die Zahl der Brutpaare kontinuierlich ansteigt: 2013 gab es im Kulturraum Weserbergland, in dem auch Springe erfasst wird, 71 Brutpaare, 2005 lag sie noch bei unter 40 Paaren.

Besonders attraktiv sind für die Eulenvögel stillgelegte und aktive Steinbrüche. Weil es davon in Springe eine ganze Menge gibt, ist der Standort für die Uhu-Population auch recht bedeutend.

Von Ralf T. Mischer