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Springe Nächste Runde im Streit um Otter-Biss im Wisentgehege
Aus der Region Region Hannover Springe Nächste Runde im Streit um Otter-Biss im Wisentgehege
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19:44 31.01.2019
Zugebissen: Ein Zwischenfall am Fischotterzaun im Wisentgehege beschäftigt weiter die Gerichte.     Quelle: foto: Thomas Hennig
Springe

Der kuriose Streit um einen Fischotter-Biss im Wisentgehege beschäftigt bald auch das Landgericht Hannover: Die Mutter des betroffenen Kindes ist gegen das Urteil des Amtsgerichts Springe in Berufung gegangen.

Dort war das Wisentgehege – beziehungsweise dessen Träger, die Niedersächsischen Landesforsten – Ende 2018 zu 500 Euro Schmerzensgeld verurteilt worden. Grund: Das Wisentgehege trage eine gewisse Mitverantwortung an dem Vorfall, der sich im Herbst 2017 ereignete.

Tierbiss zog lange Behandlung nach sich

Der damals sieben Jahre alte Junge hatte bei einem Besuch in dem Wildpark mit seiner Familie auch das Fischotter-Gehege besucht. Dort weisen Schilder auf die Gefährlichkeit des Raubtiers hin. Die Warnhinweise nahm auch der Junge wahr – und konnte trotzdem nicht widerstehen: Er berührte den Zaun. Und kassierte prompt einen Tierbiss in den Ringfinger. Es folgten eine langwierige ärztliche Behandlung, mehrere Impfungen – und die Entscheidung der Mutter, das Wisentgehege zur Verantwortung zu ziehen. 5000 Euro Schmerzensgeld wollte sie von den Niedersächsischen Landesforsten haben. In dieser Höhe sah das Amtsgericht jedoch ein Problem: Schließlich trage der Junge „ein erhebliches Eigenverschulden“ an dem Geschehen. Am Ende verdonnerte es das Wisentgehege trotzdem zu 500 Euro Schmerzensgeld. Denn der Halter eines Tieres hafte für Schäden, die dieses verursacht – ganz egal, wer Schuld hat.

Auf Gefährlichkeit des Fischotters hingewiesen

Dazu kommt aus Sicht der Justiz: Das Wisentgehege habe zwar auf die Gefährlichkeit des Fischotters hingewiesen. Aber: Es müsse eben auch „gegen Gefahrenquellen notwendige Vorkehrungen treffen“ – selbst wenn es sich um „nicht ganz aus der Welt liegende bestimmungswidrige Benutzungen“ handelt. In diesem Fall: um einen Jungen, dessen Neugier stärker ist als sein Wissen um ein Verbot. Einer, der eben nicht die ganze Zeit unmittelbar unter der Kontrolle der Eltern steht.

Warnhinweise werden nicht immer beachtetet

Kuriose Nebenbotschaft des Amtsgerichtsurteils: Es sei im Wisentgehege so toll, dass ein Siebenjähriger sich auch mal selbst vergessen kann: Wegen der unbestreitbaren Attraktionen des Tierparks sei auch damit zu rechnen, dass Kinder „vor lauter Begeisterung“ Ermahnungen der Eltern sowie Warnhinweise auf Schildern „wieder vergessen und nicht durchgängig beachten“, so das Gericht. Dazu kommt: Der Zaun des Otter-Geheges „biete „durch seine Höhe und seine Gitterstruktur die naheliegende Möglichkeit“ fürs Festhalten. Ob das Wisentgehege dort inzwischen nachgebessert hat, war bislang nicht in Erfahrung zu bringen.

Landesforsten können nicht gegen Urteil vorgehen

Die Landesforsten selbst konnten übrigens gegen das erste Urteil nicht vorgehen. Grund: Die Zivilprozessordnung sieht eine Berufung nur vor, wenn „die Partei durch das Urteil mit nicht mehr als 600 Euro beschwert ist“.

Auf gut Deutsch: Weil das Wisentgehege 500 Euro zahlen soll, ist diese Grenze nicht überschritten. Anders bei den Klägern: Sie wollten eigentlich 5000 Euro haben, bekamen aber nur 500 – sind rechtlich also mit 4500 Euro „beschwert“.

Von Christian Zett