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Stadt Wunstorf Künstlerin schließt Interview-Phase ab
Aus der Region Region Hannover Stadt Wunstorf Künstlerin schließt Interview-Phase ab
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18:28 29.06.2018
Annette Wendt (sitzend, Mitte) hat auch im Flüchtlingswohnheim am Luther Weg viele Gespräche geführt. Quelle: Sven Sokoll
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Wunstorf

Voll mit neuen Eindrücken hat die Künstlerin Annette Wendt die erste Phase ihres Kunstprojekts „Ihre Stimme zählt“ in Wunstorf am Freitag abgeschlossen. Einen Monat lang hatte sie an wechselnden Orten die Wunstorfer, alteingesessene wie zugezogene, gebeten, ihre Lebensgeschichten und Zukunftsvorstellungen zu erzählen. „Ich bin etwas traurig, es war eine sehr intensive Erfahrung“, sagte sie über das Ende. Ihr rotes Zelt stand zum Abschluss eine Woche lang im Park des Flüchtlingswohnheims am Luther Weg.

„Wir sind glücklich, dass sie auf uns zugekommen ist. Solche offenen Gespräche ohne Einschränkungen oder Bedingungen waren für die Bewohner ein ganz anderer Zugang“, sagte die Heimleiterin Lena Finch. Eine Familie habe Wendt gleich am ersten Tag zu sich eingeladen. Immer wieder wurde nachgefragt, was es mit dem Zelt auf sich habe. „Ich habe hier vor allem mit Kindern Gespräche geführt“, berichtet die Künstlerin. Über gemeinsame Fotos kam sie auch mit Bewohnern in Kontakt.

Oft musste sie an den Stationen viel Geduld aufbringen, bis die Menschen ausreichend Vertrauen aufgebaut hatten und sich öffneten. Mit dem Material, das sie gesammelt ist, ist sie aber zufrieden: Wendt hat noch nicht genau nachgezählt, aber sie geht davon aus, dass sie insgesamt 60 bis 80 Interviews aufgezeichnet hat.

Diese waren in den vier Wochen teilweise auch schon aus Sesseln zu hören, die ebenso im der Kernstadt zum Zuhören einluden. Jetzt geht Annette Wendt aber auch daran, aus dem Material die Ausstellung auszuarbeiten, die sie im September gemeinsam mit dem Forum Stadtkirche zeigen will. Dort werden dann auch zwei der Sessel noch einmal zu sehen sein, die in der Paul-Moor-Schule entstanden waren.

Auf der Suche danach, was für die Menschen eigentlich Heimat ausmacht, hat sie bei den Gesprächen festgestellt, dass es sehr unterschiedliche Prägungen gibt. Für viele bleibt das ihr Leben lang der Geburtsort, für andere aber bezieht sich das eher auf die Familienstrukturen. Bei ihren Besuchen in Schulklassen war Wendt erstaunt darüber, wie wenige junge Leute einen Drang haben, die Stadt später zu verlassen. „Ich wollte mit 16 oder 17 auf jeden Fall weg“, berichtet die Künstlerin, die in Wunstorf aufgewachsen ist. Heute lebt sie vor allem in Frankreich, bezeichnet sich aber eigentlich als Nomadin: „Ich muss immer in Bewegung sein.“

So funktioniert auch Wendts Langzeit-Projekt ProjetMigrations, zu dem die Zeit in Wunstorf ein Baustein ist. Voraussichtlich im Dezember will sie in Richtung Libanon und Syrien aufbrechen, wo die Erzählungen von der Aue dann auch internationale Verbreitung finden.

Von Sven Sokoll

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