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Auf der Pirsch

Steinhude / Comedian Auf der Pirsch

Sie lachen schon, da ist vom Mann des Abends nur dessen Stimme zu hören. Comedian und Satiriker Dietmar Wischmeyer trat am Wochenende gleich zweimal in Steinhude auf und begeisterte mit seinen Sketchen insgesamt 800 Zuschauer.

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Diskussionen, Musik und Modenschau

Wie der Anruf bei einer Service-Hotline ins Absurde abdriftet: Dietmar Wischmeyer bei seinem Auftritt in Steinhude.

Quelle: Nicolaus

Steinhude (r). Das Bühnenbild im voll besetzten Zelt an den Strandterrassen erinnert an eine Late-Night-Show. Ein Monitor, ein Stehpult, ein Kühlbehälter mit Whiskyflaschen und ein Moderatorentisch mit grün beleuchteter Front. Dahinter nimmt Wischmeyer Platz.

Gut zwei Stunden erteilt er garstige Beziehungsratschläge für betagte Paare, die bei ihm „Altfleisch“ heißen. Er ergibt sich dem Irrsinn eines Telefonats mit einer Hotline.

Und er erinnert an gelbe Telefonzellen, deren Geruch von Drehtabak und menschlichen Hinterlassenschaften. „Jetzt schließen Sie mal die Augen und erinnern sich“, fordert er seine Zuhörer auf.

Anfangs ist Wischmeyers Humor trocken, seine Haltung ungerührt. Er liest oft vom Skript ab, kommt fast ein wenig eintönig und träge daher – alles Kalkül. Es dauert nicht lange, bis die von Verbalkapriolen und Ausflügen ins Fäkalvokabular geprägten Geschichten die Erwartungshaltung der Fans mit noch mehr Zunder befeuern.

Als Reminiszenz an die siebziger Jahre erinnert Wischmeyer an das „vorherrschende Kackbraun, meine Lieblingsfarbe“. Heute habe sich bei Autos die Farbe Silber zum „Kackbraun der Moderne“ hochstilisiert. Einmal mehr brüllt das Publikum vor Lachen.

Eine Fanfare ertönt, Wischmeyer setzt sich unter Beifall den Eierschalen- Helm auf und verfällt in lispelndes Genuschel: Zeit für den Kleinen Tierfreund. Und Günther, den Treckerfahrer, seine zweite Paraderolle. Und seine anderen von ihm zum Leben erweckten Alter Egos.

Mit zunehmendem Wechsel der Rollen wird spürbar: Hinter den Kaskaden nonkonformistischen sprachlichen Ausdrucks steckt ein Feingeist. Dietmar Wischmeyer ist studierter Philosoph. Unvergleichlich, wie geschickt er Alltagsbegriffe zu verbalen Dampframmen umgestaltet. Also doch nicht nur flüchtige derbe Unterhaltung? Wohl kaum. Durch seine sprachliche Aggressionsabfuhr und die neuen Wortschöpfungen eröffnen sich den Zuhörern vielleicht auch andere Perspektiven auf all die Bedeutsamkeiten, Härten und Entbehrlichkeiten des Lebens. Und diesen Effekt soll ihm erst mal einer nachmachen.

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