Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Wedemark Politiker nehmen Gemeinde in die Pflicht
Aus der Region Region Hannover Wedemark Politiker nehmen Gemeinde in die Pflicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:31 21.04.2018
Von Ursula Kallenbach
Im Schulzentrum lässt der Ausschuss lange auch die Eltern zu Wort kommen. Quelle: Kallenbach
Mellendorf

Einstimmig hat der Bildungsausschuss des Rates jetzt befürwortet, dass der Berthold-Otto-Schule (BOS), Förderschule Lernen in Mellendorf, der Fortbestand bis zum Jahr 2028 gesichert werden soll. Den Antrag dazu soll die Gemeinde Wedemark als Schulträger bei der Landesschulbehörde stellen.

Fristgerecht müsste dies möglichst bis 30. April auf den Weg gebracht werden, erläuterte der Fachbereichsleiter Schulen, Jörg Clausing, in der Sitzung am Dienstagabend. Die einhellige Empfehlung der Fraktionen fand freudige Resonanz in den mehr als voll besetzten Besucherreihen im Großgruppenraum des Schulzentrums Mellendorf. In großer Zahl waren Eltern und Lehrer anwesend - auch wegen des Themas Umbau Brelinger Grundschule. Sie argumentierten noch einmal engagiert für eine Fortführung der Förderschule, wie sie die Änderung des Landesschulgesetzes vom Februar neuerdings eröffnet. Letztmalig dürfte dann im Schuljahr 2022/2023 ein fünfter Jahrgang an der BOS eingeschult werden. Dies war seit 2013 ausgeschlossen, weil die Förderschule Lernen nach der vorherigen Gesetzgebung bis 2021 auslaufen soll.

Dass die inklusive Beschulung von Förderschülern Lernen in den allgemeinen Schulen, wie sie seither vom Gesetzgeber vorgesehen ist, durchaus nicht nur erfolgreich ist, schilderte die BOS-Elternsprecherin, Anja Nußbicker. Sie nannte die Erfahrungen der Eltern damit überwiegend negativ. „Unsere Kinder gehen dort unter. Es fehlen inklusive Förderlehrer, und die Klassen müssten kleiner werden.“ Mit einer zu frühen Schließung der Förderschule würden zudem diesen Schülern die Chancen zu einem Hauptschulabschluss und einer Berufsausbildung genommen. Sie würden voraussichtlich in Hartz IV übergehen statt in ihrer Wohnortgemeinde zu lernen und zu arbeiten, argumentierte die Elternsprecherin und appellierte an den Ausschuss. Tatsächlich haben im letzten Jahr sechs Schüler die BOS verlassen, fünf von ihnen mit Hauptschulabschluss. Die BOS habe einen ausgezeichneten Ruf auch über die Gemeindegrenzen hinweg.

„Ich bin total froh und überrascht über die große Unterstützung aus dem Ausschuss“, sagte der kommissarische Schulleiter Günter Brauer am Mittwoch auf Nachfrage dieser Zeitung. „Das zeigt auch, wie toll unsere Arbeit ist, und ich hoffe auf eine entsprechende Reaktion bei der Landesschulbehörde.“

Doch: Wird der Antrag von der Landesschulbehörde abgelehnt, wird die BOS bei auslaufenden Schülerzahlen spätestens 2021 nicht mehr existent sein. Dass es ohnehin nur um eine neuerliche temporäre Verlängerung gehen würde, bemühte sich Clausing, deutlich zu machen. Gegen die – verständlichen - Argumente hielt er als Verwaltung die Vorgaben, die das Land mache, und sah angesichts der Schülerzahlen und -prognose der Förderschüler Lernen nicht, dass der Antrag Erfolg haben könnte. So sollen je Jahrgang 13 Schüler vorhanden sein.

Dies sei jedoch nicht neu, sondern alt, merkte gestern auf Nachfrage der Schulleiter an. Tatsächlich sei diese Zahl 13 auch bisher in der BOS nie erreicht worden, sondern durch Doppelklassen und andere Gruppierungen ermöglicht worden. Es habe immer 60 bis 70 Schüler in neun Klassen gegeben. Die BOS hat jeweils aktuell die Zahlen erhoben aller Förderschüler Lernen an allen Schulen in der Wedemark, um den Bedarf an die Landesschulbehörde zu geben. Doch nicht diese Zahlen habe die Gemeinde abgefragt und in ihren Informationen an die Politik gegeben, sondern eigene Recherchen angestellt, hieß es ebenfalls gestern aus der Lehrerschaft mit Bedauern.

Die Ausschussvorsitzende, Daniela Mühleis, sah in den unterschiedlich angeführten Zahlen noch Klärungsbedarf. Auch das Argument der Elternsprecherin, dass die Schülerzahl bei Bekanntwerden der Verlängerung zunehmen könnte, fand Widerhall im Ausschuss. Für den Fall, dass der Antrag von der Landesbehörde letztlich doch abgelehnt würde, wollte Mühleis wie andere Ausschussmitglieder die Zeit von der Gemeindeverwaltung genutzt sehen bis 2021. „Dann müssen inzwischen die Bedingungen in den Schulen verbessert werden“, forderte sie. Die Gemeinde müsse ein Konzept erstellen zu den Förderbedingungen dort. Diese Aufgabe sieht die Kommune nicht für sich. Das Hauptproblem bleibe beim Land, das nicht genügend Förderlehrer aufbieten könne. „Die Gemeinde kann nur Sachmittel und Räume zur Verfügung stellen“, gab der Fachbereichsleiter zu bedenken.

Das Bürgermeisterfrühstück mit Verwaltung und allen Ortsbürgermeistern ist Tradition in der Wedemark, um den direkten Austausch über den Tellerrand zu fördern. Verkehr und Vandalismus fordern aktuell die Aufmerksamkeit.

Ursula Kallenbach 21.04.2018

Ein Känguru aus 400 Kilo Edelstahl geht auf Reisen. Zoos hatten an dem Kunstwerk von Fred Ahrens aus der Wedemark kein Interesse, aber ein Taxiunternehmen in Garbsen sichert sich das fünfeinhalb Meter lange Beuteltier als Riesenaushängeschild.

Ursula Kallenbach 21.04.2018

Fingerhüte, Knöpfe, Schrauben, Taschenuhren: Vor dem künstlerischen Gestaltungsdrang von Margit Tabel-Gerster ist nichts sicher. Schmuck-Objekte der Hamburgerin sind bis zum 30. September in Bissendorf im Richard-Brandt-Museum zu sehen. Zum Nachmachen leiten vier Workshops an.

Ursula Kallenbach 20.04.2018