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Wedemark „Einzelkämpfer hätten es schwer“
Aus der Region Region Hannover Wedemark „Einzelkämpfer hätten es schwer“
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00:55 27.04.2018
Karsten Hölscher heißt der neue Vorsitzende der Interessengemeinschaft Bissendorfer Kaufleute. Quelle: Ursula Kallenbach
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Wedemark

Der Mediengestalter Karsten Hölscher (37) in Bissendorf ist seit einem Monat Vorsitzender der Interessengemeinschaft Bissendorfer Kaufleute (IBK). Mit dem Geschäftsführer einer Medienagentur stellt sich die IBK-Spitze anders auf und spricht von einer neuen Ära.  

Am 1. Juli, auf der Wirtschaftsmesse Wedemark, tritt die neue Wirtschaftsförderin der Gemeinde, Antonia Hingler, ihren Dienst an – nach langer Vakanz der Stelle seit August 2017. Was muss sich im Rathaus verbessern aus Ihrer Sicht, wie versteht sich die IBK selbst in diesem Prozess?

Die Gemeinde ist eine Institution, die in allen Bereichen der Wedemark agieren muss. In erster Linie wird es ihr darum gehen, den Standort Wedemark weiterhin attraktiv zu gestalten, für Unternehmen und für neue Anwohner. Die Vakanz der Stelle der Wirtschaftsförderung war sicherlich schwierig, aber nicht nur für die Betriebe vor Ort, auch für die Gemeinde, die den Wirtschaftsstandort weiterhin gestalten muss. Die IBK versteht sich als Bindeglied zwischen den Betrieben und der Gemeinde, explizit der Wirtschaftsförderung. Kommunikation kann auch hier nur das einzige Mittel sein, den gegenseitigen Bedarf zu klären und gemeinschaftlich zusammen zu arbeiten.

Was wollen Sie und der neue IBK-Vorstand erreichen für Bissendorf?

Unser Ziel ist es, das Miteinander innerhalb der IBK zu stärken und mit gemeinschaftlichen Aktionen das Einkaufen hier in Bissendorf wieder attraktiver machen. Das funktioniert allerdings nur, wenn wir auch als das funktionieren, was wir sind: eine Gemeinschaft.

Wie viele Mitgliedsbetriebe zählt die IBK?

Die Interessengemeinschaft Bissendorfer Kaufleute umfasst aktuell 99 Mitgliedsbetriebe. Damit ist – im Gegensatz zu dem stabilen Stand der letzten Jahre – ein minimaler Rückgang zu verzeichnen, der aber unter anderem auch dem Wegfall der Ladenzeile im Ortskern von Bissendorf geschuldet sein dürfte.

Wie sieht die Struktur aus?

Bei einer Aufteilung der IBK in Kategorien macht der Handel mit rund 34 Prozent den größten Teil der Mitgliedsbetriebe aus, gefolgt von den Dienstleistern, die etwa ein Viertel darstellen. Handwerker und Betriebe mit medizinischem Hintergrund teilen sich mit jeweils 13 Prozent den dritten Platz in der Rangfolge, die Gastronomie ist mit etwa 8 Prozent vertreten. Der Rest der Mitglieder besteht aus Ehren- und Fördermitgliedern.

Warum sind nur wenige Betriebe aus dem Bissendorfer Gewerbegebiet vertreten? Hätte die IBK gern Verstärkung aus diesem Bereich?

Tatsächlich befindet sich der überwiegende Teil der Betriebe unserer Mitglieder im Ortskern, sechs der Mitgliedsbetriebe haben ihren Firmensitz in den Gewerbegebieten am Rand von Bissendorf. Ein Zusammenschluss kann immer nur als Gemeinschaft funktionieren. Das Phänomen der „Einkaufsbummels“ im Ortskern ist in einem Gewerbegebiet mit zum Teil logistischen Unternehmen, die nicht auf Laufkundschaft ausgelegt sind, nicht realisierbar. Selbstverständlich wäre es ein positives Zeichen, wenn auch Großbetriebe, die sich den Wirtschaftsstandort Bissendorf ausgewählt haben, Mitglieder der IBK werden würden, aber unsere Wurzeln liegen mehr in der Vernetzung der Betriebe mit Ladengeschäften.

Sie nennen die IBK auch Kaufmannsvereinigung. Wann wurde die IBK gegründet und mit welchen Zielen? Ist die Satzung insoweit unverändert? 

Die Idee entstand im Rahmen der 700-Jahr-Feier Bissendorfs unter den „Krämern am Markt“, die dann am 20. Juni 1985 die Interessengemeinschaft Bissendorfer Kaufleute gründeten. In der ersten Satzung wurde die Pflege der Geselligkeit unter den Bissendorfer Kaufleuten verankert. Im Jahr 2007 wurde die Satzung aktualisiert und besteht so bis heute. Das neue Konzept, das jetzt mit unserem Vorstand Einzug erhalten soll, orientiert sich wieder verstärkt an den Grundpfeilern der Satzung: der Kommunikation und Vernetzung der Betriebe untereinander und dem Erhalt ihrer Wirtschaftskraft.

Warum muss überhaupt eine Interessenvertretung von Kaufleuten bestehen bleiben?

In einer ländlichen Struktur wie der Wedemark ist es immens wichtig, eine gewisse Wirtschaftskraft im Ort zu haben. Ein Einzelkämpfer hätte es schwer, denn die Verbraucher gehen in der heutigen Zeit nicht mehr für nur eine Ware einkaufen, sondern wollen den Einkauf sinnvoll verknüpfen. Nur diese Wechselwirkung der Betriebe untereinander ist es, die einen Ortskern beleben kann. Um ein Organ zu schaffen, das diese Interessen bündelt und fördert, sind Interessenvertretungen wie etwa die IBK unerlässlich.

Welche Interessen und Probleme haben speziell die Kaufleute, wenn der Ort sich verändert oder, bestenfalls, entwickelt?

Veränderungen im Dorf gehen in der Regel auch immer mit Veränderungen für die Betriebe vor Ort einher. Sei es eine Straßensperrung wie etwa bei der Fahrbahndecken-Erneuerung der Landstraße 383, in deren Verlauf der Ortskern sowie die Zufahrten nach Bissendorf gesperrt waren, oder auch der Abriss der Ladenzeile im oberen Ortskern. Wann immer Betriebe wegfallen, fallen auch Gründe für Ortsfremde weg, nach Bissendorf zum Einkaufen zu fahren. Da nützt auch die hervorragende Anbindung mit S-Bahn und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln nichts, die Bissendorf seit der Expo 2000 genießt. Letztlich wird aber eine entstandene Lücke innerhalb des Orts in der Regel rasch wieder durch etwas Neues gefüllt, und dabei kann es nur von Vorteil sein, wenn bestehende Strukturen erhalten bleiben und neue Reize sinnvoll in diese Strukturen eingefügt werden können. 

Gibt es zu den Themen eine Zusammenarbeit/Abstimmung mit dem Ortsrat? Wünschen Sie das – oder funktioniert es schon gut? 

Die IBK bemüht sich um die wirtschaftlichen Belange ihrer Mitglieder, eine allzu politische Einmischung ist nicht vorgesehen. Vor allem ist die IBK parteipolitisch absolut neutral. Sicherlich sprechen Mitglieder der IBK und des Ortsrates miteinander, was der dörflichen Gemeinschaft geschuldet ist. Ein Informationsaustausch der unterschiedlichen Instanzen ist jedoch nicht verkehrt und kann am Ende auch nur zweckdienlich sein. Kommunikation ist der Schlüssel für vieles.

Sind große Veranstaltungen wie der Bissendorfer Sonntag aus Ihrer Sicht noch zeitgemäß, was bedienen sie?

Veranstaltungen wie der Bissendorfer Sonntag haben Tradition und gehören für viele Menschen mittlerweile zum festen Bestandteil der kalendarischen Jahresplanung. Ein wirklich bedrohlicher Besucherrückgang dieser Veranstaltungen ist nicht zu erkennen, und solange der Nutzen-Faktor der Betriebe besteht, gibt es überhaupt keinen Grund, an diesen Veranstaltungen etwas zu verändern.

Wie würden Sie das Besondere des Ortes Bissendorf heute beschreiben, und wie wünschen Sie sich diese Atmosphäre für die Zukunft? 

Bissendorf hat noch heute einen sehr dörflichen Charme, ohne dabei allzu ländlich – also hinterwäldlerisch – zu sein. Durch seinen historischen Ortskern bietet es ein attraktives Ambiente, durch das man gerne schlendert. Darüber hinaus hat man hier im Grunde alles vor Ort, was man für den täglichen Bedarf braucht – und das betrifft nicht nur die vorhandenen Vollsortimenter und Discounter. Trotz der Moderne, die auch vor Bissendorf nicht Halt gemacht und den Ort zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort werden ließ, findet man hier nicht das Urbane, wie ich es in anderen Ortschaften in der Region Hannover beklagen würde. Bissendorf ist einfach liebenswert, und das wissen die Ortsansässigen und sonstigen Konsumenten auch zu schätzen.

Wie steht es um die bekannte althergebrachte Abgrenzung Bissendorfs gegenüber Mellendorf? Sehen Sie auch Themen, die die drei Wedemärker Gewerbevereine gemeinsam angehen müssten? Ich denke an Kaufkraftbindung in der Wedemark, Konkurrenz durch Internethandel, hohe Mietpreise, Attraktivität der Einkaufsstraßen und so fort.

Diese Themen betreffen jede Ortschaft, sei es Bissendorf oder Mellendorf, die Wedemark oder andere Bereiche der Region Hannover. Jeder Wirtschaftsstandort wie Bissendorf steht zwischen den Ebenen der Endverbraucher, die aus Zeit- und Kostengründen immer mehr auf den Internethandel zurückgreifen, sowie dem zeitlich nicht eingeschränkten Überangebot, das der Internethandel mit sich bringt. Es ist an uns Interessengemeinschaften, den Verbraucher darauf hinzuweisen, dass er seinen Bedarf auch direkt vor seiner Haustür befriedigen kann, ohne dass wir dazu den mahnenden Zeigefinger erheben. Nur mit diesem Verständnis können die mittelständischen Wirtschaftsstandorte langfristig überleben. Auch hier ist Kommunikation von absoluter Wichtigkeit.

Von Ursula Kallenbach

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