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Wedemark Fischleim ist der Alleskönner am Holz
Aus der Region Region Hannover Wedemark Fischleim ist der Alleskönner am Holz
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00:27 25.04.2018
Von Ursula Kallenbach
Reinigen ist meist der erste Schritt, mit dem sich Renata Zasada einem Objekt zuwendet. Quelle: Kallenbach
Negenborn

Wichtig ist Renata Zasada beides in Folge: Wenn sie ein Objekt erst erhalten, konservieren kann, und dann noch in seinen Werten wiederherstellen, restaurieren darf zu einem - nicht unerheblichen - Preis. Was ihre Werkstatt verlässt, soll zugleich funktionsfähig sein mit gangbaren Schüben und ästhetisch aussehen mit einwandfrei aufgetragenem Schelllack der richtigen Einfärbung. „Es ist Privatkundschaft, kein Museum. Die Leute wollen ihre Objekte benutzen“, sagt die Restauratorin.

Mit zugesandten Fotos kann sie sich nicht zufrieden geben. „Ich muss die Sache vor Ort anschauen, ich taste mit den Händen, fotografiere Details, bespreche mich mit den Besitzern, was gemacht werden muss.“ Was die Fachfrau dann machen darf, hängt auch vom Geldeinsatz des Auftraggebers ab. Jedes Holzobjekt hat seine eigenen Probleme. Vor allem der große Zeitaufwand bestimmt, was die Restaurierung kostet.

Das Handwerkszeug der Restauratorin kommt mit Skalpell und Spritzen dem eines Chirurgen gleich. Historische Möbel und Gegenstände sind aus Weichholz gefertigt, auf die edle Furniere und Intarsien aufgetragen wurden. Furniere können fehlen, Bläschen werfen, manchmal ist auch Holz falsch eingesetzt worden bei einer Zwischenrestaurierung, insgesamt sind ältere Holzobjekte verschmutzt.

Es riecht nicht alles gut, wenn die Expertin die Deckel der Gläser in den Regalen aufdreht. Tierischer Hautleim aus Rinderhäuten oder Fischleim, über Jahrhunderte bewährte Naturprodukte, sind aber, erwärmt, die unentbehrlichen Alleskönner bei Holzschäden. Die Schildlausplättchen gleich daneben sind der Grundbestandteil für den Schelllack, der wiederum mal in Rubin, gebleicht, im Orangenton oder noch anders angemischt wird.

„Schelllackpolituren zu erlernen, braucht man mindestens zwei Jahre“, verdeutlicht Zasada. Noch schwieriger ist: Historische Lacke und Auftragstechniken folgen zwingend der Entstehungszeit des Holzgegenstandes, Barock anders als Biedermeier. Damit das wiederhergestellte gute Stück danach nicht direkt am Heizkörper aufgestellt wird und weiter leidet, berät die Restauratorin ihre Kunden auch zu den wünschenswerten Standorten unter klimatischen Aspekten. Das alte Karussellpferd, der vergoldete Bilderrahmen, die Schützenscheibe aus dem 19. Jahrhundert, die Schmuckschatulle mit der veredelten Lackoberfläche – sie alle kommen in die Werkstatt.

„80 Prozent sind ältere Kunden, die ihren überkommenen Schätzen für die Erben die ursprüngliche Anmutung wiedergeben wollen“, sagt Zasada. Dies trifft aber den Nerv auch der jüngeren Generation. „Jüngere interessieren sich mehr und mehr, originale Familienstücke zu haben und mit ihrem modernen Wohnstil zu kombinieren.“ So rät die Restauratorin manchmal den älteren Besitzern auch, solche Möbel auf den Dachboden zu stellen und keine Familienerbstücke zu verkaufen. „Vielleicht hat die Tochter nach zehn Jahren einen anderen Geschmack.“ Diese Stücke seien schon da und haben Geschichte. Dagegen ist der Restauratorin klar: „Viele neue Möbel haben keine Substanz“.

Sie arbeitet für die Kunden und einerseits in einem besonderen Vertrauensverhältnis, aber doch in persönlicher Verantwortung und weisungsunabhängig. „Ich arbeite in eigenem Ermessen und nur dem Erhalt des Kunstwerks verpflichtet“, sagt Zasada jedem, der sich darauf einlassen kann.

Aufträge erhält das Atelier vorwiegend von Privatkunden aus der Wedemark und der Region Hannover. Zu den öffentlichen Projekten, an denen die Restauratorin freiberuflich mitarbeitete, zählte die Konservierung und Restaurierung der Stuckdecken in der Villa Seligmann in Hannover.

Zeitdokumente erhalten nach strengen Normen

Das Restaurierungsatelier ist in Negenborn seit zehn Jahren ansässig, seinen ersten Standort hatte es in Esperke (Neustadt am Rübenberge). Renata Zasada arbeitet seit zwölf Jahren freiberuflich als Restauratorin für Kunst- und Kulturgut in Holz - eine Kleinfirma, zurzeit ohne Angestellte. Je nach Bedarf und Auftragslage zieht die Inhaberin freiberufliche Restauratoren anderer Fachrichtungen hinzu, etwa zur Gemälderestauration. Der Radius für Einzelaufträge reicht gegenwärtig bis Hamburg und Karlsruhe.

Auf den 100 Quadratmetern Betriebsfläche sind auch klimatisierte Räume erforderlich. Alle wesentlichen Arbeitsschritte werden in Handarbeit ausgeführt. Hilfsmittel sind Handwerkzeuge und kleine Handmaschinen. Möbel mit veredelter Holzoberfläche, Skulpturen, Gemälde, Bilderrahmen und Vergoldungen sind die Schwerpunkte der Atelierarbeit, dazu sind mikroskopische und UV-Licht-Untersuchungen erforderlich.

Ausgebildet wurde Renata Zasada in einem zweijährigen Restaurierungspraktikum und nachfolgend dreijähriger Arbeit als angestellte Restauratorin, bevor sie das eigene Restaurierungsatelier eröffnet hat. Voraussetzung für die Tätigkeit des Restaurators ist das Verständnis für Restaurierungsethik: vor allem erst konservieren, dann gegebenenfalls restaurieren. So wird die Originalsubstanz erhalten und konserviert. Künstlerisches Einfühlungsvermögen ist für den Beruf unabdingbar.

Restauratoren folgen strengen berufsethischen Normen (Ehrenkodex der Restauratoren/Charta von Venedig). Es geht um die Erhaltung eines überlieferten historischen Befundes im Sinne eines Zeitdokuments, unter Umständen von hohem kulturellen Wert. Die Aufgabe des Restaurators sind Pflege und Darstellung der noch vorhandenen historischen Substanz. 

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