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Wedemark Kriegstraumata wirken weiter
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10:42 31.08.2018
Nicht nur in Hannover - wie auf dem Bild aus dem Jahr 1943 hervorgeht - waren die Folgen des Zweiten Weltkrieges spür- und sichtbar. Quelle: Historisches Museum Hannover
Mellendorf

Die Mehrzahl der Menschen heute hat den Zweiten Weltkrieg und die Folgen in der Nachkriegszeit nicht selbst erlebt – und dennoch setzen sich die traumatischen Erfahrungen aus dieser Zeit durch Generationen fort. In einer öffentlichen Podiumsdiskussion über „Kriegsenkel – Trauma in zweiter Generation“ im Mehrgenerationenhaus Wedemark (MGH) in Mellendorf erörtern Experten und zugleich Betroffene am Donnerstag, 6. September, das sonst wenig bekannte Thema.

In therapeutischen Familienaufstellungen, hier symbolisch durch Puppen dargestellt, können Traumata oft gefunden und bearbeitet werden. Quelle: Kallenbach

Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr in den Räumen des MGH am Gilborn 6; der Veranstaltungsort ist barrierefrei erreichbar. Für alle, die diese Diskussion verfolgen möchten, aber nicht wissen, wie sie den Weg ins Mehrgenerationenhaus bewältigen können, steht an diesem Tag der MGH-Fahrdienst zur Verfügung.

„Wer genau ist ein Kriegsenkel? Was bedeutet das? Wie schafft man es, ein Gespräch mit den Eltern zu führen? Und was denken die Kriegskinder selber?“- mit diesen Fragen wird sich die Diskussionsrunde auseinandersetzen. Angesprochen sind Menschen, die mit kriegstraumatisierten Erwachsenen aufgewachsen sind – vielleicht mit Vätern, die Gewalt in der Familie zu Hause fortgesetzt haben, mit Müttern, die den Kindern keinen Schutz davor geben konnten, mit Erwachsenen, die sich verschlossen und schwiegen.

Drei Generationen diskutieren mit

Auf dem Podium äußern sich Experten aus drei Generationen, die sich mit dem Thema beschäftigt haben. Anette Winkelmüller ist 1937 geboren, ärztliche Psychotherapeutin und Autorin des Buches „Im Krieg war ich noch klein“. Auch dabei ist die Diplom-Sozialpädagogin Heike Pfingsten-Kleefeld, Autorin des Werkes „Kriegsenkelgefühle“ – sie ist Jahrgang 1961. Rolf Zick, Jahrgang 1921, schrieb als Journalist das Buch „Ich war dabei und habe überlebt“ und wird seine Sichtweise darlegen. Moderiert wird der Abend von dem Politologen Olaf Mußmann.

Initiiert und vorbereitet hat die Diskussionsveranstaltung Fredy Krause aus Wennebostel, der als Familienchronist auch zu seinen eigenen Wurzeln geforscht hat. Er sieht sich selbst, Jahrgang 1959, als Kriegsenkel und möchte das Thema einem größeren Kreis Interessierter zugänglich zu machen. Das MGH sei nur Ort der Veranstaltung, wie Wedemarks Gemeindesprecher Ewald Nagel jetzt in der zusätzlichen Einladung der Kommune betonte; bereits im Juni hatte Krause selbst auf die Veranstaltung hingewiesen. „Tatsächlicher Ideengeber, Initiator und Organisator und Einladender ist Fredy Krause aus Wennebostel. Er kann auf ein langjähriges sowie vielschichtiges ehrenamtliches und berufliches Engagement zurückblicken und nutzt die Kontakte nun, um sich für die Gesellschaft zu engagieren“, betonte Nagel. Auch die Diskutanten und den Moderator habe Krause für die Veranstaltung gewonnen. „Ich bin in Frieden und Freiheit geboren. Wir alle müssen wertschätzen, was wir haben, und dafür müssen wir aktiv eintreten“, gibt Fredy Krause den Besuchern der Veranstaltung auf den Weg. Er wird auf der Veranstaltung ein Grußwort sprechen, das Teil und Grundlage einer nächsten Veröffentlichung zum Thema sein wird.

Fredy Krause hat den Abend initiiert

„Der Krieg prägt ganz gewiss“, so zitiert die Ankündigung der Gemeinde den verstorbenen Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt aus einem Interview von 2008. Schmidt gab damals zu bedenken, dass der Zweite Weltkrieg unterbewusst immer noch in unseren Köpfen sei. Mit dieser Einschätzung war er nicht allein: In zahlreichen Städten in Deutschland finden sich seit Jahren „Kriegsenkel“ zusammen; Kinder von Menschen, die im Krieg selbst noch Kinder waren und durch die Schrecken der Kriegsentbehrungen und Verluste der Nachkriegszeit traumatisiert wurden. Unbewusst gaben sie ihre Traumata an ihre Kinder weiter, die so die Folgen eines Krieges spürten, den sie selbst nie erlebt haben - der aber in Wohn- und Schlafzimmern von Eltern und Kindern weiter das Leben prägte.

Um Anmeldung für den Fahrdienst zu der Veranstaltung im MGH wird bis zum 3. September unter Telefon (05130) 9743144 gebeten.

Von Ursula Kallenbach

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