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Wedemark Wald ist für Eisengewinnung verheizt worden
Aus der Region Region Hannover Wedemark Wald ist für Eisengewinnung verheizt worden
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00:24 04.06.2018
Von Ursula Kallenbach
Nach tagelanger Vorarbeit bereiten die Studenten den Anstich des Ofens vor. Quelle: Kallenbach
Resse

Die Revierförsterei Resse verwandelte sich in ein Versuchsgelände: Angehende Bauingenieure der Hochschule Hannover stellten mit einem sogenannten Rennofen die historische Eisengewinnung nach, wie sie Jahrhunderte lang rund um die hiesigen Ortschaften der Region typisch war.

Für die vier Maschinenbaustudenten im sechsten Semester war das Projekt Rennofen eine Studienarbeit mit noch dazu frischer Waldluft – für die Altvorderen war es harte Arbeit zur Eisengewinnung in dieser Gegend. Denn Eisenerz findet sich entlang von Gewässern, etwa an Wietze und Auter, auch im Wietzebruch. Dozent Wilfried Konrad Stiller besorgte das notwendige Raseneisenerz aus dem Wald und einer Baustelle in Niedernstöcken. „Dort ist die Kirche saniert worden. Ich habe mir sechs Maurerkübel von dem Abraum geholt.“

Studenten forschen am Rennofen

Die Studenten, die der Professor für Werkstoffkunde als Projektleiter gemeinsam mit Andreas Pfahl betreut, hatten den Ofen aus 700 Kilo Lehm über sechs Tage gebaut, bevor am letzten Tag schon morgens das spannende Schmelzverfahren eingeleitet wurde. Für die Studenten im Maschinenbau sei normalerweise Stahl das wichtigste Material, verdeutlichte der Diplom-Ingenieur. „In diesem Projekt lernen sie den Hochofenprozess – und wie der vor 500 Jahren noch gemacht wurde.“

Ein besonderes Interesse fand die Studiengruppe bei Revierförster Thomas Deppe, der den Platz nahe der Forststraße zur Verfügung stellte. Auf dem Gelände der Universität Hannover war für dieses Projekt keine Genehmigung möglich gewesen. Sumpferz werde das Eisen aus dem Boden auch genannt, berichtete Deppe bei der Aktion. Im Moor komme es jedoch nicht vor.

„Ich kenne aus diesem Bereich hier keine Aufzeichnungen darüber. Aber man findet viele große Schlackestellen – Tonnen, wenn man sie ausgraben würde“, berichtete Deppe. Dies gehe auf eine Zeit zurück, als es Resse noch nicht gab. „Für Archäologen ist das nicht interessant, aber ich stoße immer wieder darauf.“ Wahrscheinlich sei früher ein ganzes Heer von Arbeitern mit dieser Herstellung beschäftigt gewesen. „Ton gab es in dieser Gegend an vielen Stellen. Aber: Der Wald ist für die Eisenverhüttung verheizt worden.“

Lehmofen erreicht knapp 1200 Grad

Tatsächlich wurde schon der vergleichsweise kleine Studien-Rennofen mit 30 Kilo Holzkohle vorgeheizt. Fast 1200 Grad erreichte der Lehmofen im Laufe des Schmelzverfahrens. Der chemische Prozess: mit Kohlenstoff und Kohlenmonoxid wird dem Eisenoxid der Sauerstoff entzogen. Im Wechsel eine Schicht Raseneisenerz, eine Schicht Kohle – so brannte es im Ofen über Stunden, aus einem Gebläse angefacht. Immer wieder Temperaturen messen und Daten dokumentieren, auch das gehörte wesentlich zu den Aufgaben der angehenden Ingenieure vor Ort.

Am Ende wurde klar, wie der Ofen zu seinem Namen kam, denn die verflüssigte Schlacke läuft schließlich heraus in eine Grube für den Schlackenablass, die sogenannte Renngrube. Der hinterher zerschlagene Lehmofen gab auch in Resse dank ordentlicher Vorbereitung und Versuchspraxis den erhofften Block Eisen frei. Abkühlen musste nun nicht nur dieses Material, sondern auch die angestrengte wissenschaftliche Mannschaft. „Und die nächste Studentengruppe muss das Verfahren dann optimieren“, stellte der Professor in Aussicht. Der gewonnene Brocken Eisen wird demnächst in der Helstorfer Schmiede noch umgeschmiedet.

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