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Wedemark Niederländer sind sauer wegen Nutria
Aus der Region Region Hannover Wedemark Niederländer sind sauer wegen Nutria
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00:26 28.04.2018
Von Ursula Kallenbach
Zur Anschauung zeigt Folke Hein die eingewanderten Pelztiere an der Wietze als Tierpräparate - unten von links Marderhund und Nutria, oben der Waschbär. Quelle: Kallenbach
Wedemark

Der Waschbär filetiert gern auch mal des Nachts die eingesammelten Kröten an Schutzzäunen und ist spezialisiert auf Gelbbauchunken. In der Wedemark können Waschbär, Nutria und Marderhund vor allem Anwohnern an der Wietze zu Augen kommen und – den Jägern. Die tierischen Einwanderer breiten sich rasant aus und richten immensen Schaden in der Natur an.

Sie gehören zu den Neozoen, die in der Natur die heimischen Tierarten mehr und mehr verdrängen. Immer abends hat Folke Hein die Nutria mit ihrem seidigen Fell an seinem Grundstück an der Wietze schon gesehen, ebenso in der Hengstbeeke nach Burgwedel hin und im Mühlengraben in Gailhof. Hein ist Naturschutzobmann im Hegering Wedemark und also Jäger.

„Der Waschbär lebt an unseren Bachläufen und kommt überall zurecht. Er geht als Allesfresser von der Bachsohle bis oben in die Höhlen der Baumbrüter“, beschreibt Hein. Der Waschbär ist gar nicht heimlich am Werk, nur ganz langsam. „Der könnte auf einem Friedhof arbeiten und würde keine Beerdigung stören“, scherzt der Fachmann. Den Marderhund indes können Spaziergänger und Grundbesitzer mal eher sehen – „der kommt auch heran.“ Der Nutria dagegen taucht bei Störung gleich ab im Wasser und kann da fünf Minuten ohne Luftholen bleiben. Allen drei Tierarten ist gemein, dass sie gravierenden Schaden in der heimischen Natur anrichten und bejagt werden dürfen, aber durchaus possierlich aussehen.

„Wir jagen der Entwicklung hinterher“, sagt Hein. Nicht ansatzweise könne die Vermehrung der Tiere mit der Waffe eingeholt werden, nur großflächig mit Fallen. Gar kritisch wertet er das Verhalten einiger Menschen, die etwa Nutria mit der Hand füttern, wie es auch mit Wildschweinen in Berlin geschieht. Zu sehen etwa in Youtube-Videos im Internet.

In Bachläufen und Flüssen in der Umgebung und ganz Niedersachsen wühlen Nutria an den Uferbereichen. „Landwirtschaftliche Schlepper brechen an diesen Stellen weg“, verdeutlicht Hein. Viel schlimmer noch, wenn sie zu den 650 Kilometer langen Sturmflutdeichen in Niedersachsen vorrücken und an weiteren 1000 Kilometer Deichen im Hinterland wühlen. „Diese Deiche sichern mehr als 1,5 Millionen Menschen und viele, viele Milliarden Euro Einheitswert an Haus und Grund“, führt Hein an. Nutria – die ersten Tiere seien schon auf den ostfriesischen Inseln gesichtet, weiß er.

Die Nutria sind Pflanzenfresser und das Fleisch durchaus schmackhaft, wie der Jäger zu berichten weiß. „Es gibt nicht nur Wildschweinwürste, auch Nutriawurst.“ Eine Trichinenuntersuchung geht zwingend voraus. Die Wurst allein kann die Jäger in den Wedemärker Revieren nicht zu der eigentlich notwendigen Jagdstrecke antreiben, denn es müsste großflächig mit Fallen gearbeitet werden. Das Land unterstützt diese Jagd finanziell, aber zahlreiche Hürden stehen auf der Seite der Jäger davor. „Das dürfen nur die machen, die einen Fanglehrgang von 16 Stunden absolviert haben“, erklärt Hein. In der Praxis bedeute diese Jagd aber, dass die Fallen im jeweiligen Revier zwei Mal täglich kontrolliert werden müssen. „Das können nur die zusichern, die im Revier wohnen“, beschreibt Hein realistisch.

Über den nationalen Tellerrand geschaut, müssen Jäger und Jagdfunktionäre im Lande einem Vergleich standhalten, der Fragen aufwirft. „Die Niederländer sind sauer auf die Deutschen wegen deren Umgang mit den  tierischen Einwanderern. Denn im Nachbarland werden jährlich 35 Millionen Euro für die Nutria- und Bisambekämpfung ausgegeben. Sie haben ein ausgebautes Abwehrsystem und bejagen vorwiegend mit Fallen“, erläutert Hein

Ungeliebte Neozoen: Waschbär und Nutria

Neozoen sind gebietsfremde Tierarten, die von Natur aus nicht in Deutschland vorkommen, sondern erst durch den Einfluss des Menschen beabsichtigt oder unbeabsichtigt ins Land gebracht wurden. Man fasst unter dem Begriff Neozoen alle Tierarten zusammen, die nach 1492 in für sie vorher nicht zugängliche Gebiete gelangt sind. 1492 ist kein Druckfehler: Man nimmt dieses Datum der Entdeckung Amerikas, weil seither Pflanzen und Tiere von Kontinent zu Kontinent eingeschleppt werden.

Eine EU-Verordnung regelt seit 2014 die Bekämpfung invasiver gebietsfremder Arten, um die Vielfalt (Biodiversität) in der heimischen Natur strategisch zu sichern. Waschbär und Nutria, die auch in der Region Hannover stark verbreitet sind, zählen darin zu diesen fremden Arten. Sie unterliegen seit 2001 dem Jagdrecht und werden bejagt.

Der Marderhund ist ursprünglich in Sibirien, China und Japan beheimatet. Als Pelzlieferanten wurden die Tiere im 19. Jahrhundert in Westrussland und der Ukraine angesiedelt; dort wurden zwischen 1930 und 1950 rund 10.000 Marderhunde ausgesetzt. Marderhunde werden noch heute in Osteuropa in Pelztierfarmen unter schlimmen Bedingungen gehalten. Der Waschbär gelangte ebenfalls um 1920 für die Pelztierzucht nach Deutschland. Er zählt zu den intelligentesten Säugetieren Europas. Die Nutria (oder Biberratte), ein Pflanzenfresser aus Südamerika, ist neben dem Waschbären ebenfalls als gebietsfremd invasiv gelistet. Sie vermehren sich über das ganze Jahr ab einem Alter von fünf Monaten. Die Nutria richtet größte Schäden an Ufern und Deichen an.

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