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Wennigsen Haus gleicht nach Brand einer Baustelle
Aus der Region Region Hannover Wennigsen Haus gleicht nach Brand einer Baustelle
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00:16 12.08.2017
Von Ingo Rodriguez
Die Bewohner aus dem Haus an der Gartenstraße klagen über die weiterhin unbeseitigten Folgen des Großbrands und ausstehende Instandsetzungen. Im oberen Treppenhaus (siehe Bildergalerie) funktionieren weder Licht noch Türklingeln. Stattdessen hängen ungeschützte Elektrokabel aus der Wand. Ein junger arabischer Bewohner aus der Wohnung im Dachgeschoss zeigt im angrenzenden Bereich einen verkohlten Fensterrrahmen. Das Dach ist notdürftig instand gesetzt, teilweise nur von innen mit Folie abgedeckt. Im Garten stapeln sich Müll und Brandschutt. Bei dem Brand waren im November trotz eines Großaufgebots von Einsatzkräften große Schäden entstanden. Quelle: Ingo Rodriguez
Wennigsen

Bewohner Mohamed El-Arid ist mit seiner Geduld am Ende. „Es wohnen Menschen in diesem Haus, keine Tiere. Die meisten bleiben nur, weil es in Wennigsen keine anderen geeigneten Wohnung gibt und die Kinder schon hier in der Grundschule sind“, sagt er.

Der 34-jährige Familienvater aus dem Libanon lebt schon seit 13 Jahren in Wennigsen. Und er weil er so gut Deutsch spricht, ist er für viele Mitbewohner im Haus das Sprachrohr. In dem Mehrfamilienhaus an der Gartenstraße leben außer El-Arid und seiner Familie auch noch eine deutsche Frau und drei geflüchtete arabische Familien.

Ihre Mieten werden zwar alle vom Jobcenter bezahlt. Trotzdem fühlen sich die Bewohner des Hauses im Stich gelassen. Mieterschutzbund, Rechtsanwalt, Nachbarschaftshilfe, kurzfristige Mietminderung: die Familien haben nach El-Arids Angaben schon viel ausprobiert. „Aber nichts hat geholfen“, sagt er verbittert. Auch schon vor dem Brand habe es Konflikte mit dem Vermieter gegeben, seit dem Großbrand im November sei es aber noch schlimmer geworden.

„Inzwischen klingeln alle Besucher nur noch bei uns im Erdgeschoss, weil bei den Wohnungen in den oberen Stockwerken die Klingeln noch nicht funktionieren - stattdessen hängen Stromkabel ungeschützt aus den Wänden“, sagt er. Und: „Als neulich ein Krankenwagen da war, mussten die Sanitäter mit ihren Handys leuchten, weil es kein Licht in den oberen Stockwerken des Treppenhauses gibt“, erzählt El-Arid.

Ein kurzer Rückblick: Im vergangenen November hatte ein technischer Defekt an einer Elektroleitung einen Großbrand in dem Mehrfamilienhaus an der Gartenstraße ausgelöst. Rund 150 Feuerwehrleute waren mehrere Stunden im Einsatz, um das Feuer zu löschen. Die Bewohner konnten sich zwar alle rechtzeitig unverletzt in Sicherheit bringen. Die Flammen hinterließen aber am Ober- und Dachgeschoss erhebliche Schäden. Die Polizei schätzte den Schaden auf rund 250 000 Euro. Bis auf Weiteres war das Mehrfamilienhaus nicht mehr bewohnbar. 19 Menschen wurden obdachlos, konnten aber vorübergehen bei Verwandten und in kommunalen Unterkünften sowie in einem Hotel in Holtensen unterkommen.

Im April und Mai sind die Bewohner jetzt nach Instandsetzungen und Sanierungsarbeiten wieder zurück in ihre Wohnungen gekommen. Nur eine Wohnung direkt unter dem Dach ist weiterhin noch nicht bewohnbar. Neben dem provisorisch mit einer Folie abgedeckten Dach erinnert dort auch noch ein verkohlter Dachfensterrahmen an das Feuer. Nur etwa fünf Meter weiter befindet sich die Eingangstür zu einer Wohnung, in der jetzt ein junger Mann wohnt. Er zeigt ein Handyvideo, auf dem zu sehen ist, wie bei einem Regenschauer Wasser in sein Wohnzimmer tropft. Er könne sich nicht vorstellen, unter welchen Umständen er dort wohnen soll, wenn es Winter werde, lässt er von El-Arid übersetzen.

Der Dolmetscher ist mit seiner Beschwerdeliste aber auch noch lange nicht fertig: „Ständig fliegen die Sicherungen raus. Neulich gab es für fünf Tage kein warmes Wasser, weil der Öltank leer war.“ Außerdem sei ihm der Vermieter noch Geld für Materialkosten schuldig, nachdem er einige Reparaturen in Eigenregie erledigt habe. Den Müll im Garten und die überwuchernden Bepflanzungen habe er mit anderen Mitbewohnern selbst beseitigt.

Die 29-jährige Julia Wohlann lebt schon seit fünf Jahren in dem Haus. Und sie bestätigt die Angaben El-Arids: „Das sind schlimme Zustände, aber der Mieterschutzbund hält eine Mietminderung erst für gerechtfertigt, wenn länger als fünf Tage das Warmwasser ausfällt“, sagt sie. Und auch sie hat fest gestellt. „Der Vermieter reagiert gar nicht mehr auf unsere Anrufe: der geht einfach nicht ans Telefon.“

Auf direkte Nachfrage räumt der Hausbesitzer und Vermieter Jan Thiem aus Gehrden auch unumwunden große Schwierigkeiten mit seinen Mietern ein. „Das ist meine schwierigste Immobilie. Ohne Dolmetscher geht gar nichts, da kommt es immer wieder zu Problemen“, sagt er. Nach dem Brand habe er zum Beispiel entrümpelt. „13 Container voll. Aber einige Mieter haben in die Container einfach unbemerkt ihre völlig unversehrten Möbel mit dazu gepackt“, sagt er. Einen weitere Mieter habe er nach dem Brand auf Wunsch - aber freiwillig - fristlos aus dem Mietvertrag gelassen. „Die Familie hat dann nur ein paar Klamotten in Tüten zusammen gepackt und einfach alle Möbel da gelassen“, sagt Thiem.

Dann nimmt er auf erneute Anfrage auch zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung. „Das Notdach ist dicht. Für das neue Dach gibt es schon einen Kostenvoranschlag, das dauert ja nur zwei bis drei Tage und wird bald gemacht. Zurzeit ist schlechtes Wetter für Dachdecker“, sagt der Vermieter. Er versichert: Der junge Mann aus der angrenzenden Wohnung im Dachgeschoss habe unbedingt dort einziehen und Missstände selbst beseitigen wollen. Und: Die Materialkosten für Reparaturen in Eigenregie schulde er dem Mieter El-Arid nur deshalb noch, weil diesbezüglich noch die Entscheidung in einem bislang schwebenden Verfahren ausstehe. Es gehe dabei noch um die strittige Ursache der behobenen Schäden.

Über den zweifellos schlechten Zustand und ausstehende Instandsetzungsarbeiten im Treppenhaus sagt Thiem: „Der Zustand ist Ansichtssache.“ Es dauere noch etwas, bis alles fertig sei. Und der leere Öltank? "Der war tatsächlich leer und die nächste Öllieferung kam erst nach dem darauf folgenden Wochenende an", räumt er diesen Vorwurf ein.

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