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Wennigsen Ureinwohner berichten Schülern vom „Fukushima Brasiliens“ 
Aus der Region Region Hannover Wennigsen Ureinwohner berichten Schülern vom „Fukushima Brasiliens“ 
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00:18 29.03.2018
Diogo Juruna vom Stamm der Xavante hat für die Schüler einen geflechteten Korb als Geschenk mitgebracht. Quelle: Marcel Sacha
Sorsum

 Es war eine Umweltkatastrophe gigantischen Ausmaßes. Bei der „Tragödie von Mariana“ kam es im November 2015 in einem Eisenerzbergwerk in Brasilien zu einem Dammbruch in einem Rückhaltebecken. Eine riesige Schlammwelle überzog infolgedessen die Landschaft rund um das Dorf Bento Rodrigues und kontaminierte auf einer Länge von 650 Kilometern den Fluss Rio Doce. 19 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, tausende verloren ihre Heimat. Bis heute ist Bento Rodrigues unbewohnbar. Einige bezeichnen den Vorfall bereits als Brasiliens Fukushima.

Schüler legen Fokus auf Umweltschutz

Die Zukunft Brasiliens und seiner Einwohner ist seit langer Zeit auch ein Thema an der Freien Waldorfschule Sorsum (FWS). Im Jahr 2007 hatten Schüler der 10. Klasse sich dazu entschlossen, an der Entwicklung des südamerikanischen Landes mitzuwirken – und zwar vor Ort. Nach zweijähriger Planung und einer letzten Endes erfolgreichen Suche nach Geldgebern ging es für die Schüler tatsächlich über den Atlantik. In der Stadt Porte halfen sie dabei, ein Jugendhaus zu aufzubauen und organisierten Ausbildungskurse für die brasilianischen Jugendlichen. Dies war der Beginn des Schülerprojektes Brasil09. Seitdem reisen regelmäßig Schüler-Delegationen nach Südamerika, um sich vor Ort zu engagieren. Zudem konnten sie bereits durch eigenes Geld rund 500 Hektar Regenwald in Brasilien vor der Rodung bewahren.

Viele Dörfer entlang des Flusses Rio Doce sind bis heute unbewohnbar. Quelle: dpa

Die Umweltkatastrophe 2015 ging folglich nicht spurlos an den FWS-Schülern vorbei. Die jüngere Generation von Brasil09 hat den Dammbruch zum Anlass genommen, ein neues Projekt zu starten. Unter dem Namen Tucano hat sich eine Untergruppierung gebildet, die sich statt der Bildung dem Umwelt- und Klimaschutz verschrieben hat.

Kein Vertrauen in Justiz

Zu denjenigen, die aus der Region flüchten mussten, gehört Shirley Djukurnão. Sie gehört dem Stamm der Krenak an – einem kleinen, aber stolzen Teil der indigenen Bevölkerung Brasiliens. Gemeinsam mit Diogo Juruna vom Xavante-Stamm hat sie die FWS besucht, um den Schülern von der derzeitigen Situation der brasilianischen Indigenen zu berichten. Leider hatten die beiden Ureinwohner keine guten Nachrichten für die Schüler dabei – im Gegenteil.

Nach wie vor verweigere das Unternehmen Samarco, das das Bergwerk betrieben hatte, vielen Betroffenen eine Entschädigungszahlung, berichtet Djukurnão. Bis heute versuchten etliche Opfer der Katastrophe über den Rechtsweg, eine finanzielle Wiedergutmachung zu erhalten. Viel Hoffnung haben sie laut Djukurnão aber nicht mehr. Zu sehr wurde ihr Vertrauen in die brasilianische Justiz in der Vergangenheit beschädigt – zuletzt durch eine Entscheidung, den Strafprozess gegen 22 Mitarbeiter der Firma aufgrund von Verfahrensfehlern einzustellen. „Unser politisches System ist korrupt“, sagt Djukurnão. Mächtige Interessengruppen, wie zum Beispiel Konzerne, könnten durch ihre gesellschaftliche Position und ihr Kapital Entscheidungen zu ihren Gunsten beeinflussen, kritisiert sie.

Gleichheit nur auf dem Papier

Eine politische Lobby haben die indigenen Völker nicht. Diese besitze nur „der weiße Mann“, sagt Diogo Juruna. Dies sei bereits daran zu erkennen, dass die Stämme kein verbrieftes Eigentum besäßen, erklärt er. Darin sieht Juruna auch die Hauptursache für die verwehrten Entschädigungszahlungen. „Wie sollen wir Geld für unser Land erhalten, wenn nirgendwo festgehalten ist, dass wir es jemals besessen haben?“ Beide Ureinwohner sind sich einig: Die Gleichheit aller Brasilianer vor dem Gesetz bestehe nur auf dem Papier. Die Realität sehe allerdings anders aus, sagt Juruna.

Diogo Juruna und Shirley Djukurnão berichten über die Umweltverschmutzung in ihrer Heimat. Quelle: Marcel Sacha

Die Katastrophe von Bento Rodrigues sei in Sachen Umweltzerstörung jedoch nur die Spitze des Eisbergs, betonen die Ureinwohner. Überall im Land würden weiße Unternehmer die Natur für ihre Profitsteigerung zerstören. Darunter falle auch die Abholzung des Regenwalds, die vielerorts die Heimat der Indigenen darstellt.

Kommt das Geld auch wirklich an?

An dieser Stelle kommen die Sorsumer Schüler ins Spiel. Die Berichte von Shirley Djukurnão und Diogo Juruna wollen sie als Grundlage für ihre weiteren Pläne nutzen. „Wir haben bereits einige Ideen“, sagt der Zehntklässler Cornelius, der sich in der neuen Gruppe Tucano engagiert. So hätten sie beispielsweise überlegt, weitere Regenwaldflächen durch Zahlungen an Umweltorganisationen zu retten. Allerdings machen sich unter den Schülern zunehmend Zweifel breit, ob das Geld überhaupt in ihrem Sinne verwendet wird. „Häufig können wir gar nicht kontrollieren, ob der Regenwald tatsächlich geschützt wurde“, sagt Cornelius.

Umso wichtiger sei für sie der persönliche Kontakt mit den Vertretern der indigenen Bevölkerung. „So können uns die Betroffenen vor Ort genau sagen, ob bestimmte Maßnahmen ihr Leben wirklich verbessern, oder nicht“, sagt Mauro, ebenfalls aus dem 10. Jahrgang.

In den kommenden Wochen und Monaten wollen die Schüler der FWS die neu gewonnen Eindrücke und Schilderungen der südamerikanischen Gäste in ihre Planungen einfließen lassen. Denn am wichtigsten ist ihnen bei ihrem Engagement vor allem eines: Dass es effizient ist.

Von Marcel Sacha

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