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Wennigsen Integrationslotsen vermissen konkretere Hilfe
Aus der Region Region Hannover Wennigsen Integrationslotsen vermissen konkretere Hilfe
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00:31 29.04.2018
Die Ausschussmitglieder fachsimpeln beim Besuch der Männerkochgruppe mit den Einwanderern und Sozialarbeitern über Rezepte. Quelle: Ingo Rodriguez
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Wennigsen

 Es ist ein gut durchdachtes Programm, auf Grundlage einer mühevoll erhobenen Bestands- und Bedarfsanalyse, mit acht Handlungsfeldern, strategischen Zielen, Begriffserklärungen, Aufgabensträngen und unzähligen geplanten Maßnahme: Das Integrationskonzept der Region Hannover liefert Beratungsvorschläge, fordert Vernetzung ein, verspricht Unterstützung und Kooperation aller beteiligten Akteure in den unterschiedlichsten Lebensbereichen. Im kommunalen Sozialausschuss hat Resa Deilami, Leiter der Koordinierungsstelle Integration der Region Hannover, das im September 2016 politisch verabschiedete Programm ausführlich vorgestellt. Zweifelsohne: ein beeindruckender Vortrag eines studierten Psychologen und gebürtigen Iraners, der 1994 selbst als Geflüchteter nach Deutschland gekommen ist. Die Ausschussmitglieder und vor allem ehrenamtliche Integrationshelfer und -lotsen aus Wennigsen hielten sich aber trotzdem nicht mit Kritik zurück: Die Handlungsstränge, Themenfelder und Arbeitsaufträge seien viel zu schwammig, theoretisch, realitätsfern und nicht alltagstauglich - so die mehrheitliche Meinung in einer sehr konstruktiv geführten Diskussion. 

„Im aktuellen Tagesgeschäft kommt von den unendlichen Themen wenig an für das, was in der Praxis benötigt wird“, sagte etwa das beratende Ausschussmitglied Jürgen Welk, der sich ehrenamtlich als Integrationshelfer engagiert. Das Tagesgeschäft werde von den Bereichen Schule, Ärzte und Behörden beherrscht. „Wir brauchen viel mehr Dolmetscher, um auch neue ehrenamtliche Kräfte zu gewinnen“, forderte Welk. Bei vielen Ehrenamtlichen werde Erschöpfung und Frust deutlich. Die Zahl der Sozialarbeiter sei knapp. Das Niveau von Integrationskursen und Einbürgerungstests viel zu hoch, die Durchfallquote liege bei mehr als 60 Prozent, beschrieb Welk die Lage vor Ort.

Für Welk sind es „einfache pragmatische Lösungen“, die im theoretischen Integrationskonzept der Region fehlen. „Einfach mal beim Dolmetscherpool anrufen und für zwei Tage später einen Übersetzer bestellen, der kurdisch spricht und gerne auch beim Arztgespräch telefonisch dazu geschaltet werden kann“, nannte Welk ein Beispiel für eine kaum lösbare Aufgabe im Alltagsgeschäft. Ratsfrau Christina Müller-Matysiak, ebenfalls engagierte Integrationslotsin, kritisierte die viel zu hohen Sprachbarrieren mit unnötigen Fachbegriffen im verwaltungsbehördlichen Dschungel . „Da gibt es viel unnötige Hürden für die Flüchtlinge und auch für ihre einheimischen ehrenamtlichen Betreuer.“

Resa Deilami, Leiter der Koordinierungsstelle Integration der Region Hannover Quelle: Privat

Die Diskussion mit dem Teamleiter der Region Hannover, der ebenfalls ehrenamtlich Integrationsarbeit leistet, blieb trotz teilweise deutlicher Kritik konstruktiv. Deilami räumte auch viele Missstände und Umsetzungsschwierigkeiten ein. Er forderte aber auch etwas mehr Gelassenheit und Zeit: „Ich nehme ihre Anregungen mit. Aber vergessen Sie nicht: Es ist ein Prozess, der nur Schritt für Schritt umgesetzt werden kann“, sagte Deilami – und versprach für die Zukunft ständiger Ansprechpartner zu bleiben.

Internationale Männerrunde gestattet Blick in Kochtöpfe

Es ist ein kommunales Integrationsprojekt mit Vorbildfunktion: Seit gut eineinhalb Jahren treffen sich sich an jedem ersten Mittwoch des Monats männliche Flüchtlinge unterschiedlicher Herkunft von 16 bis 20 Uhr im Jugendtreff an der Argestorfer Straße, um miteinander zu kochen – gemeinsames Einkaufen, Essen und Abwaschen inbegriffen. Die alleinstehenden Männer der internationalen Kochgruppe sollen mit Unterstützung von Sozialarbeitern neue Kontakte knüpfen und geschlechtsspezifische Rollenbilder ablegen – möglichst auf Deutsch. Dass dies ein beliebtes Angebot geworden ist, davon haben sich jetzt die Mitglieder des Sozialausschusses bei einem Besuch überzeugt.

„Es gibt afrikanischen Eintopf mit Putenfleisch“, berichtete Sozialarbeiter Mark Mischke bei der Ankunft der Besuchergruppe. Im Jugendtreff herrschte reger Betrieb entlang der Küchenzeile. Die schüchterne Zurückhaltung der weiblichen Ausschussmitglieder war berechtigt. „Es ist normalerweise eine reine Männerveranstaltung“, sagte Fachbereichsleiterin Barbara Zunker – und freute sich, dass die Gruppe eine Ausnahme machte. Der Besuch sollte auch publikumswirksam sein. Denn: Die Gemeinde wünscht sich künftig eine höhere Beteiligung deutscher Männer. Integration könne nur gelingen, wenn ein regelmäßiger Austausch zwischen Migranten und Einheimischen bestehe. Dann warf sie mit Sozialarbeiter Mohamed Samir einen Blick in einen großen Kochtopf.

Die Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragte Hacer Kirli verwies auf die regionsweite Anerkennung des Projekts. Für dieses Jahr war von der Region Hannover eine finanzielle Förderung von 2240 Euro aus dem Topf des Integrationsfonds beschlossen worden. Mit gutem Grund: Weiterer Hintergrund der Aktion ist es, alleinstehende männliche Flüchtlinge vor Isolation und Anfälligkeit zur Radikalisierung zu bewahren.

Von Ingo Rodriguez

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