Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Wennigsen Familie findet seit Monaten keine Wohnung
Aus der Region Region Hannover Wennigsen Familie findet seit Monaten keine Wohnung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 29.10.2018
Starker Familienzusammenhalt: Weil Mohamed El-Arid (links) nach dem Brand bislang immer noch keine Wohnung gefunden hat, lebt er derzeit mit in der Wohnung seines Bruders Rabin. In den Abendstunden verbringt er wegen seiner bislang erfolglosen Wohnungssuche auch oft Zeit in der Pizzeria seines Cousins an der Degerser Straße. Quelle: Ingo Rodriguez
Wennigsen

Seit vier Monaten ist ihre Wohnung wegen eines Brandes unbewohnbar, seither suchen Amal El-Saadi, ihr Ehemann Mohamad El-Arid und ihre drei Kinder eine Wohnung in Wennigsen – vergeblich. Die junge Familie ist verzweifelt, lebt seither getrennt. Bezahlbaren Wohnraum für eine fünfköpfige Familie zu finden, sei schwierig – vor allem, da sie finanziell vom Amt unterstützt werden und daher gewisse Vorgaben beachten müssen.

Zuvor lebte die fünfköpfige Familie in einem Mehrfamilienhaus an der Gartenstraße, doch das ist seit einem Brand im Juli 2018 unbewohnbar. „Der Brand ist damals im Dachgeschoss ausgebrochen und hat sich bis in unsere Wohnung ausgebreitet“, sagt El-Saadi. Insgesamt 19 Menschen – darunter auch Kinder – haben in dem Mehrfamilienhaus gewohnt, viele von ihnen waren Flüchtlinge. Rund anderthalb Jahre vor dem Feuer hatte es in dem Haus bereits einmal gebrannt. Damals kritisierten zahlreiche Bewohner den Zustand der Wohnungen und den Vermieter, der laut ihnen gemeldete Schäden nicht beheben würde.

Familie kommt bei Verwandten unter

Seit dem zweiten Brand haben El-Saadi und ihre Familie keine feste Bleibe, „Ich konnte mit den Kindern bei meiner Schwester unterkommen, aber das ist keine dauerhafte Lösung“, sagt sie. Die Wohnung ihrer Schwester, die selber Kinder hat, ist nicht für vier weitere Personen ausgelegt, erläutert die Frau mit libanesischen Wurzeln, die in Deutschland geboren wurde. „Die schulischen Leistungen der Kinder leiden langsam auch unter der Situation, sie haben keinen Rückzugsort, um in Ruhe zu lernen oder Hausaufgaben zu machen.“ Ihr Mann schläft bei seinem Bruder. Die Situation ist alles andere als ideal, ein geregeltes Familienleben – mit allen Familienmitgliedern unter einem Dach – ist derzeit nicht möglich. „Unsere Kleidung, Spielsachen, Schulbücher – alles muss immer hin und her transportiert werden.“

Große, günstige Wohnungen sind selten

Ein akuter Wohnraummangel besteht laut Bürgermeister Christoph Meineke in der Gemeinde Wennigsen derzeit nicht. Natürlich sei der Markt in der Gemeinde von einer Nachfragesituation geprägt. Allerdings zeigen die statistischen Daten, dass der verfügbare Wohnraum im Gemeindegebiet deutlich stärker als die Bevölkerung wächst.

 Im Vergleich der zurückliegenden zehn Jahre hat sich die Zahl der Wohnungen und Häuser um rund sieben Prozent auf 6910 im Gemeindegebiet gesteigert. Die Bevölkerung ist im selben Zeitraum nur um rund ein Prozent angewachsen. Dennoch sei die Nachfrage nach Baugrundstücken nach wie vor hoch, vor allem in den Bereichen wo klassische Einfamilienhäuser gebaut werden sollen. Gleichzeitig würden aber auch immer mehr kleine, seniorengerechte Wohnungen benötigt. „Diese werden nun unter anderem im Bredenbecker Neubaugebiet Im Bergfelde geschaffen“, sagt Meineke.

Der Bürgermeister bestätigt allerdings, dass größere Wohnungen im unteren Preissegment in Wennigsen selten sind. Genau diese werden aber von Familien mit mehreren Kindern oder aber von Flüchtlingen mit größeren Familienverbänden benötigt.

„Ich gehe davon aus, dass der Markt sich durch weitere Bautätigkeit entspannen wird, da beispielsweise durch den Klostergrund insbesondere im Segment des Geschosswohnungsbaus in Wennigsen in kurzer Zeit rund 50 Wohneinheiten hinzukommen“, sagt der Bürgermeister. Diese liegen zwar nicht im Bereich des sozialen Wohnungsbaus aber es zeige sich, dass es dadurch immer wieder zu Umschichtungen kommt und andere Objekte frei werden. „Es kann allerdings aufgrund der Nachfragesituation derzeit zu längeren Suchzeiten kommen - und eben auch zu frustrierenden und bedauerlichen Einzelfällen“, sagt der Bürgermeister.  

El-Arid, gebürtiger Libanese, lebt seit 18 Jahren in Deutschland und arbeitet derzeit in Teilzeit auf dem Oelkershof in Degersen. „Ich habe einen Job, das Amt unterstützt uns zusätzlich und dennoch finden wir in der Gemeinde keine Wohnung“, sagt er. Zwar hätte die Familie kurzzeitig in einer Obdachlosenunterkunft unterkommen können, „aber das war für uns keine Option“, sagt El-Saadi.

Familie sucht 4-Zimmer-Wohnung

„Wir suchen eine bezahlbare 4-Zimmer-Wohnung im Gemeindegebiet, die zwischen 700 und 900 Euro kostet“, sagt El-Arid. Denn die beiden Söhne, 13 und neun Jahre alt, gehen in Wennigsen zur Schule, die vierjährige Tochter besucht dort den Kindergarten. „Unsere Kinder leben ihr ganzes Leben schon in Wennigsen, wir wollen sie nicht hier rausreißen“, sagt die Mutter. Sie ärgert auch, dass viele Vermieter sie ablehnen, da sie die Personenzahl zu hoch finden. „Wir müssen uns ja auch an die Vorgaben vom Amt halten, immerhin erhalten wir finanzielle Unterstützung.“

Diese Schwierigkeit kennt auch Carsten Herpel vom Verein Miteinander, der sich mit Integrationsfragen befasst. „Ein Problem ist in jedem Fall, dass viele Vermieter überrascht sind, wie viele Personen zum Teil in eine Wohnung einziehen wollen“, sagt Herpel. Sie seien häufig nicht darüber informiert, dass eine von staatlicher Unterstützung abhängige Familie bei den aktuell geforderten Mieten keine angemessen große Wohnung anmieten kann. „Weder die Vermieter noch die Wohnungssuchenden werden glücklich darüber sein, wenn eine 4-Zimmer-Wohnung für eine siebenköpfige Familie ausreichen soll, beziehungsweise muss“, sagt Herpel und fügt hinzu: „Das Angebot an größeren Wohnungen ist leider sehr spärlich. Leider können bezahlbare Wohnungen nicht mal eben hervorgezaubert werden. Da ist für eine Verbesserung der Situation nach wie vor die Politik gefragt.“

Auch Flüchtlinge finden kaum geeignete Wohnungen

Bezahlbaren Wohnraum im Gemeindegebiet für große Familien finden ist nicht so einfach, bestätigt auch der Verein Mitteinander Wennigsen, der sich zur Aufgabe Deutsche und Geflüchtete zusammen zu bringen und füreinander Verständnis zu wecken. Der Verein hilft unter anderem auch Flüchtlingen, neuen Wohnraum zu finden. „Das ist unserer Erfahrung nach sehr schwierig“, sagt Carsten Herpel von Miteinander. 

„Am ehesten kann man noch Glück mit Wohnungen haben, die die meisten Menschen ablehnen würden, die eine Wahl haben“, sagt er. Dazu gehörten zum Beispiel Wohnungen mit schlechter Lage oder solche, in denen der Allgemeinzustand schlecht ist – etwa wegen Schimmel, wenig Licht, schlechter Dämmung oder ähnlicher Probleme. Dazu zählt Herpel auch Wohnungen, bei denen bekannt ist, dass ein Auskommen mit dem Vermieter schwierig sei. „Einige dieser Attribute treffen leider auch auf das Haus in der Gartenstraße zu“, sagt er. Dort hatten sich die Mieter vermehrt über ihren Vermieter beschwert, der das Haus laut ihnen immer weiter habe verkommen lassen.

Für eine erfolgreiche Anmietung einer Wohnung ist die persönliche Ebene natürlich mindestens genauso wichtig: „Es gibt sicherlich Herausforderungen für potentielle Vermieter und Nachbarn, die schwierige Verständigung, Kinderlärm, Küchengerüche, ganz allgemein kulturelle Differenzen befürchten“, sagt Herpel. Diese Befürchtungen würden auch gelegentlich offen genannt und können Gründe für die Ablehnung Geflüchteter bei der Wohnungssuche sein.  

„Dem steht jedoch unserer Meinung gegenüber die Möglichkeit der Begegnung mit Menschen, die in der Mehrzahl sehr hilfsbereit und gastfreundlich sind“, sagt Herpel. Bei beiderseitiger Offenheit lassen sich seiner Meinung nach viele der genannten (befürchteten) Herausforderungen sicherlich für beide Seiten zufriedenstellend lösen.  Ein gemeinsames Wohnen habe auch seine Vorteile, betont er: Gerade die erwähnte große Hilfsbereitschaft könnte doch auch dazu führen, dass jüngere Mieter potentiell älteren Vermietern in Haus und Hof zur Hand gehen – im Tausch gegen ein wenig Deutsch-Nachhilfe, die Erklärung von Behördenschreiben oder anderen Eigenheiten des Lebens in Deutschland. „Eine echte win-win Situation.“   

Von Lisa Malecha

Zum sechsten Mal hat die Gemeinde Wennigsen Eltern mit ihren Neugeborenen und Geschwistern zu einem Willkommensfrühstück in das Familienzentrum Wennigsen eingeladen. Das Angebot kommt gut an.

26.10.2018

Ist die Verlegung der Bushaltestelle von der Feuerwehr an die Linderter Straße unzumutbar? Mit dieser Frage hat sich der Ortsrat Holtensen beschäftigt.

28.10.2018

Die Jugendpflege zieht eine positive Bilanz: Insgesamt konnten mit den Angeboten des Ferienprogramm mehr als 27 Prozent der Wennigser Kinder erreicht werden.

25.10.2018