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Stadt Hannover 1106 angehende Polizisten legen Amtseid ab
Aus der Region Stadt Hannover 1106 angehende Polizisten legen Amtseid ab
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00:16 16.01.2017
Innenminister Boris Pistorius spricht bei der Vereidigung von 1106 Polizeikommissaranwärtern in der Swiss-Life Hall. Quelle: Villegas
Hannover

Innenminister Boris Pistorius macht den Polizeikommissaranwärtern nichts vor. Er spricht von Terroristen, die für eine krude Weltvorstellung töten, Rechtsradikalen, die Gesellschaften vergiften, und skrupellosen Kriminellen, die sogar Hackerangriffe auf Krankenhäuser starten, um Geld zu erpressen. Das sind einige der großen Gefahren, mit denen es die 1106 Studenten, die an diesem Tag in der Swiss-Life-Hall vor ihm sitzen, zu tun bekommen können. Doch auch auf Anfeindungen und Kritik sowie lange und anstrengende Arbeitstage müssen sich die Anwärter, die am Freitag ihren Eid auf die Verfassung ablegten, einstellen. Es sind schwierige Zeiten für Polizisten. Warum lassen sich dennoch mehr als 3000 junge Männer und Frauen derzeit an Niedersachsens Polizeiakademie für den Beruf ausbilden – so viele wie seit Jahrzehnten nicht mehr?

Mitten unter den jungen Männern und Frauen steht Bastian Kühn in seiner neuen, dunkelblauen Polizeiuniform und hebt die rechte Hand zum Eid. Er ist 24 Jahre alt und studiert seit dem vergangenen Jahr an der Polizeiakademie in Nienburg, ein paar Kilometer von zu Hause in Helstorf bei Neustadt entfernt. „Ich wollte schon immer zur Polizei“, sagt Kühn. Doch nach dem Abitur machte er erst eine Ausbildung und begann ein Architekturstudium. „Damals war ich noch nicht bereit. Ich wollte Erfahrungen sammeln und wissen, ob ich den Job als Polizist überhaupt packe.“

Als dann wieder Bewerber gesucht wurden, entschied er sich gegen den eingeschlagenen Weg und für den Traum. „Ich will etwas machen, worauf ich stolz sein kann“, sagt er. Er wisse, dass ein Polizist viel Verantwortung trage. „Aber bei den steigenden Anforderungen ist es umso wichtiger, die Werte zu schützen, die unsere Gesellschaft ausmachen.“ Angst vor konkreten Situationen habe er nicht. „Aber ich bin mir im Klaren darüber, dass man als Polizisten angegriffen, verletzt und auch getötet werden kann. Das Risiko bin ich bereit einzugehen.“

Auch Johannes Beck weiß, was auf ihn zukommt. Mit 19 Jahren gehört er zu den Jüngsten, die im vergangenen Jahr das Bachelorstudium zum Polizeikommissaranwärter begonnen haben. „Meine Mutter zu überzeugen, dass der Beruf das Richtige für mich ist, war am schwierigsten“, sagt er. Doch Vater und Großvater, beide als Bundeswehrsoldaten mit dem Risiko vertraut, unterstützen seinen Kindheitstraum. „Trotz aller Kritik ist Polizist ein spannender Beruf, der in der Gesellschaft immer noch ein hohes Ansehen genießt“, ist Beck überzeugt. Er freut sich besonders auf den Streifendienst, doch davor hat er auch am meisten Respekt: „Wenn jemand mit einer Waffe auf mich zukommt und klar zeigt, dass er mir etwas antun will, bei dem Gedanken habe ich ein mulmiges Gefühl.“

So wird man Polizist

Insgesamt 5187 junge Niedersachsen haben sich vergangenes Jahr auf einen Studienplatz an der Polizeiakademie beworben. 1106 wurden genommen, 457 Frauen und 649 Männer. Sie studieren an den drei Standorten der Akademie in Nienburg, Oldenburg und Hannoversch Münden. Das dreijährige Studium mit Bachelorabschluss und eine anschließende Zeit in der Bereitschaftspolizei sind die Voraussetzungen, um bei der Polizei eingestellt zu werden.

Wer sich für einen Studienplatz bewerben möchte, muss eine Hochschulzugangsberechtigung haben, etwa durch ein Abitur, eine qualifizierende Berufsausbildung oder mit Realschulabschluss durch den Besuch einer Fachoberschule. Zudem darf der Interessent am ersten Studientag nicht älter als 31 Jahre alt sein. Bewerberinnen müssen mindestens 1,63 Meter und Bewerber mindestens 1,68 Meter groß sein. Sie müssen den Pkw-Führerschein haben und mindestens das Jugendschwimmabzeichen in Bronze.

Am 1. April 2018 beginnt der nächste Jahrgang sein Studium. Wer sich bewerben möchte, findet die Unterlagen im Internet unter www.polizei-studium.de. Anschließend gibt es mehrere Vorprüfungen, einen Eignungstest sowie einen Sporttest.

Von Isabel Christian

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