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15-Jähriger bestreitet Steinwürfe auf Juden in Hannover

Teilgeständnis 15-Jähriger bestreitet Steinwürfe auf Juden in Hannover

Die Steinwürfe auf eine jüdische Tanzgruppe in Hannover hat ein 15-Jähriger, der sich seit Dienstag vor dem Amtsgericht wegen des antisemitischen Vorfalls verantworten muss, bestritten. Einen Teil der anderen Vorwürfe – Hehlerei, Diebstähle, räuberische Erpressung – räumte er allerdings ein.

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Der Prozess muss in der kommenden Woche fortgesetzt werden.

Quelle: dpa

Die juristische Aufarbeitung der Steinwürfe auf eine jüdische Tanzgruppe gestaltet sich offenbar schwierig: Ein 15-Jähriger, der sich seit Dienstag vor dem Amtsgericht wegen des antisemitischen Vorfalls verantworten muss, hat bestritten, an den Ausschreitungen im Juni beteiligt gewesen zu sein. Der Prozess muss deshalb in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Es solle ein weiterer Zeuge geladen werden, erklärte ein Sprecher des Gerichts.

Bei dem Übergriff, der im vergangenen Jahr auch international Besorgnis ausgelöst hatte, hatten nach Augenzeugenberichten mehr als ein Dutzend überwiegend arabischstämmige Kinder und Jugendliche bei einem multikulturellen Fest auf dem Sahlkampmarkt eine Tanzgruppe der Liberalen Jüdischen Gemeinde mit Kieselsteinen attackiert. Die Gruppe musste ihren Auftritt abbrechen, eine Tänzerin wurde am Bein verletzt. Die Polizei konnte allerdings nur fünf Beteiligte der Tat ermitteln, von denen nun der 15-Jährige als einziger vor Gericht steht. Drei der ermittelten Täter sind Kinder und somit nicht strafmündig, ein 19-Jähriger ist geistig behindert.

In dem Prozess gegen den 15-Jährigen bilden die Steinwürfe nur einen von insgesamt sechs Anklagepunkten: Einen Teil der anderen Vorwürfe – Hehlerei, Diebstähle, räuberische Erpressung – räumte er vor Gericht ein.

Für die Aufarbeitung der Vorgänge im Juni dürfte der Ausgang des Prozesses aber ohnehin nur von geringem Wert sein. Der Jugendliche, ein Deutscher, im Stadtteil als randalebereit bekannt, folgte laut Staatsanwaltschaft an jenem Tag vor allem seinen libanesisch- und irakischstämmigen Freunden. Antisemitismus war bei ihm als Motiv offenbar nicht ausschlaggebend.

Die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde vermisst nun ein rascheres und entschlosseneres Vorgehen der Stadt gegen die aus ihrer Sicht eigentliche Ursache, die gerade unter muslimischen Jugendlichen auch im Sahlkamp verbreitete Judenfeindlichkeit: „Ich frage mich, was seit dem vergangenen Sommer passiert ist.“ Eine Sprecherin der Stadt trat dem Eindruck der Tatenlosigkeit am Dienstag entgegen: „Es ist eine Menge in Bewegung.“ So habe der Stadtteiltreff im Dezember mit mehr als 60 Grundschülern ein Projekt zum Thema „Respekt“ organisiert. Derzeit arbeiteten mehrere Einrichtungen an einem Konzept, das im Frühjahr vorliegen soll. Der Integrationsbeirat Bothfeld-Vahrenheide plant nach Angaben seines Vorsitzenden Harry Grunenberg zwei Veranstaltungen zusammen mit der Palästinensischen und der Jüdischen Gemeinde: „Wir sind bemüht“, erklärte er.

Thorsten Fuchs

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