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Stadt Hannover Zahnarzt verlangt 2885 Euro für 30 Minuten
Aus der Region Stadt Hannover Zahnarzt verlangt 2885 Euro für 30 Minuten
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00:19 05.12.2014
Von Michael Zgoll
Untersuchung beim Zahnarzt: Der Streit um eine Rechnung landete vor Gericht. Quelle: dpa
Hannover

Ein hannoverscher Zahnarzt, der schon etliche Patienten unglücklich gemacht hat und immer wieder Gerichtsverfahren heraufbeschwor, hat am Amtsgericht Hannover eine Niederlage kassiert. Der Mediziner hatte einer Patientin, die eigentlich nur eine zweite Zahnarztmeinung wegen einer losen Oberkieferprothese einholen wollte, eine 30-minütige Diagnose inklusive Behandlungsvorschlägen für Ober- und Unterkiefer angedeihen lassen und dafür eine Rechnung von 2885 Euro ausgestellt. Wie Amtsrichterin Catharina Schwind in einem Zivilprozess entschied, hat die vom Arzt beauftragte Verrechnungsstelle aber keinen Anspruch auf irgendwelche Zahlungen - nicht einen Cent.

Die 55-jährige Patientin aus der List war im Juni 2012 in der Praxis des Zahnarztes erschienen, wollte wissen, ob Implantate möglicherweise eine Alternative zu ihrer schlecht sitzenden Prothese seien. Die Sprechstundenhilfe erbat zunächst elf Unterschriften für „Formalitäten“ wie Beratungs- und Diagnostikvordruck. Kosten würden erst nach einer Behandlung entstehen und dann von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Die Patientin war misstrauisch, ließ sich dann aber vom Doktor persönlich zum Unterschreiben überreden. Die Untersuchung dauerte 30 Minuten, die bombige Rechnung folgte drei Wochen später; die angeblich erbrachten Leistungen waren mit Faktoren bis zu acht multipliziert worden. Die Frau weigerte sich zu zahlen, nahm sich einen Anwalt.

Arztrechnung war viel zu hoch

Wie ein vom Gericht bestellter Gutachter feststellte, wurden einige der vom Zahnarzt behaupteten Leistungen überhaupt nicht vorgenommen, etwa eine gesonderte Nasennebenhöhlen-Aufnahme oder ein Kieferabdruck. Andere Behandlungsschritte seien verfrüht oder nur teilweise medizinisch notwendig gewesen - etwa ein Keimtest oder eine virtuelle 3-D-Modellerstellung. Etliche Forderungen des Mediziners bezogen sich auf „Leistungen auf Verlangen“, die über das medizinisch notwendige Maß hinausgehen und schriftlich kenntlich werden müssen; eine solche Vereinbarung gab es laut Gutachten aber nicht.

Wie Richterin Schwind in ihrer Urteilsbegründung sagte, seien rein rechnerisch bestenfalls Leistungen über 1000 Euro nachvollziehbar. Doch habe der Dentist seine Beratung generell darauf ausrichten müssen, dass die Patientin nur eine zweite Zahnarztmeinung einholen wollte - und keinesfalls mit der erklärten Absicht in die Praxis gekommen sei, sich von diesem Mediziner Implantate einpflanzen zu lassen.

„Der Zahnarzt hat bereits einen Ruf als skrupelloser Abzocker, und die arglistige Täuschung meiner Mandantin hat diesen Ruf bestätigt“, sagt Michael Timpf, der Anwalt der 55-Jährigen. So sind bundesweit bereits viele Dutzende Verfahren wegen überhöhter Rechnungen und Abrechnungsbetrug gelaufen. Der Mediziner wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt, auch musste er Patienten mehrfach Schmerzensgeld zahlen - in einem Fall knapp 90 000 Euro. Das Amtsgericht verdonnerte ihn wegen des Führens eines falschen Doktortitels zu 50 000 Euro Geldstrafe; das Berufungsverfahren am Landgericht läuft immer noch. Ein Berufsverbot wurde wieder aufgehoben - nachdem der Arzt zugesichert hatte, bestimmte Behandlungsmethoden nicht mehr anzuwenden und abzurechnen. Derzeit prüft das Landgericht Hildesheim, ob ein Verfahren wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Betrugsversuchs in 60 Fällen eröffnet wird.

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