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Stadt Hannover Die grüne Revolution
Aus der Region Stadt Hannover Die grüne Revolution
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00:29 31.12.2014
Von Bernd Haase
Mit dem TW 6000 nahm Hannovers Stadtbahngeschichte ihren Anfang. Quelle: Archiv
Hannover

An einem 27. Dezember kann man sich Besseres vorstellen, als sich mittags gegen 12 Uhr bei unwirtlichem Wetter am Depot Bartweg der Lindener Hafenbahn einzufinden. Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder der Üstra taten jedoch am Tag nach dem Weihnachtsfest im Jahr 1974 genau dieses. Eingemummelt in Wintermäntel erlebten sie einen stadthistorischen Moment. Die erste Stadtbahn vom Typ Triebwagen (TW) 6000 war mit einem Spezialtransport in Linden angekommen und wurde dort auf Gleise gesetzt, die extra für diese eine Fahrt gelegt werden mussten. „Die Böllerschüsse vorzeitiger Silvesterkracher, die vom Davenstedter Terrassenhaus herüberklangen, standen zwar mit dem dort stattfindenden Ereignis in keinerlei Zusammenhang, passten aber dennoch dazu“, notierte HAZ-Redakteur Wolfgang Rogl damals.

Neue und modernere Bahnen hatte sich die Üstra auch schon zuvor regelmäßig zugelegt. Mit dem grünen (damals sagte man: lindgrünen) TW 6000 hatte es aber etwas Besonderes auf sich: Es ist das Fahrzeug, das ein neues Zeitalter im hannoverschen Nahverkehr einläutete. Es handelte sich nicht mehr um eine Straßen-, sondern um eine Stadtbahn. Hannover hatte seit Beginn der siebziger Jahre sein Stadtgebiet unterminiert und Tunnel für eine U-Bahn gebohrt. Da die aber in den Außenbezirken oberirdisch fährt, brauchte man eine Kombination - eben die Stadtbahn.

„Fühlbar verbesserter Fahrkomfort“

„Der Anblick des Fahrzeuges von innen und von außen lässt erkennen, dass Fachleute am Werk gewesen sind“, schrieb die HAZ nach Begutachtung der neuen Bahn. „Für die 1,3 Millionen Mark, die ein solcher Wagen kostet, werden den Fahrgästen weichere und bequemere Sitze, eine praktischere und bequemere Innenausstattung und ein fühlbar verbesserter Fahrkomfort geboten“, heißt es weiter. Zum Vergleich: Als im März dieses Jahres der Nach-Nachfolger des TW 6000, der TW 3000, der staunenden Öffentlichkeit präsentiert wurde, sagte der Üstra-Vorstandsvorsitzende André Neiß, der neue biete „mehr Licht, mehr Raum und mehr Komfort“. Sollte bei einem Stückpreis von 2,4 Millionen Euro auch so sein. Neiß sagte auch, dass der TW 3000 das Stadtbild entscheidend mitprägen werde. Dies hat der Grüne ganz unstreitbar getan - und ganz nebenbei ist seine Farbe auch seit seiner Einführung die des Unternehmens; man spricht vom Üstra-Grün.

Der TW 6000 bot noch mehr. Erstmals war an allen Türen Ein- und Ausstieg möglich, was, wie der Üstra-Technikchef Günter Nasemann ausführte, „den Fahrgastfluss im Wagen überflüssig macht“. Er hatte anders als seine Vorgänger Klapptrittstufen sowie eine elektronische Steuerung. Außerdem konnten die Fahrer außerhalb der Tunnelstrecken per Knopfdruck die Grünphasen von Verkehrsampeln um bis zu zehn Sekunden verlängern, wenn sie Verspätungen aufholen mussten. Im Prinzip gibt es das heute noch, es wird aber automatisch gesteuert. Diese sogenannte Vorrangschaltung für den Nahverkehr sorgt regelmäßig für Diskussionen, weil sich andere Verkehrsteilnehmer wie etwa Autofahrer benachteiligt fühlen.

„Noch prima in Schuss“

Die Üstra hatte auf einen Prototyp verzichtet, und es ging auch tatsächlich nichts schief. Im April 1975 konnte der Grüne wie vorgesehen in den oberirdischen Fahrbetrieb auf der damaligen Linie 1 zwischen Laatzen und Limmer einscheren. Mitte September des Jahres erschien dann ein jüngerer Herr namens Herbert Schmalstieg auf dem Betriebshof Glocksee und ließ sich eine kurze Ausbildung zum Stadtbahnfahrer verpassen. Am 26. des Monats wendete er das Erlernte praktisch an. Die Uhren der Tunnelstation Hauptbahnhof zeigten 12.48 Uhr, als der erste Zug der hannoverschen U-Bahn-Geschichte vor allen denkbaren Honoratioren aus Bund, Land und Stadt auf Gleis 3 einlief.

Dieser Wagen mit der Seriennummer TW 6001, dem bis 1993 259 weitere folgen sollten, befindet sich heute im Besitz des Fördervereins Straßenbahn Hannover. „Ich bin als Siebenjähriger zum ersten Mal damit gefahren, als ganz normaler Fahrgast. Seitdem gibt es bei mir eine Affinität zur Straßenbahn“, sagt der Vorsitzende Fritz Faupel. Der Verein hat den TW 6001 restaurieren lassen. „Er ist noch prima in Schuss. Wir können ihn für Museums- und für Fahrschulfahrten nutzen“, erklärt Faupel.

Wie robust das Gefährt ist, lässt sich auch daran erkennen, dass 75 Fahrzeuge aus der ersten hannoverschen Generation nach Budapest verkauft wurden und dort immer noch im Einsatz sind. In Hannover fahren 147 Grüne auf den Gleisen der Stadtbahn. Wie lange es bei dieser Zahl bleibt, hängt von der weiteren Entwicklung beim TW 3000 ab. Dessen Inbetriebnahme hat sich bekanntlich wegen Pfuschs bei den Schweißarbeiten um mehr als ein Jahr verzögert und ist jetzt für April 2015 vorgesehen. Weil die Fahrzeuge aber nur sukzessive zur Verfügung stehen werden, werden die Grünen noch ein paar Jährchen in Hannover unterwegs sein.

Geräuschvoller Abschied vom Einheitstarif

Das Jahr 1974 brachte für Hannover nicht nur eine neue Stadtbahn, sondern noch eine andere bedeutende Umwälzung im Nahverkehr. Darüber allerdings kam kaum Freude auf. Der Großraum Verkehr verabschiedete sich vom bis dato üblichen Einheitstarif und führte erstmals ein System ein, in dem die Preise sich nach durchfahrenen Zonen richteten.

Der Einheitstarif war für Fahrgäste eine tolle und für die Verkehrsunternehmen eine kostspielige Sache. Man durfte zu einem festen Preis von damals 75 Pfennigen im gesamten Tarifgebiet fahren und dabei beliebig oft umsteigen. Fahrten von mehr als 100 Kilometer Strecke waren umstandslos möglich, ohne dass die Fahrgäste draufzahlen mussten. Das Problem: Dieses Tarifsystem, das eigentlich keines war, kostete die Verkehrsunternehmen und damit die Steuerzahler Millionen und Abermillionen Mark.

Deshalb beschloss der damalige Kommunalverband Großraum Hannover am 11. Dezember 1974 eine Radikalreform. Das Gebiet der heutigen Region wurde in drei Zonen unterteilt, die Preise in zwei Stufen. Für Leute mit Hang zu wehmütiger Erinnerung: Ein Einzelfahrschein für Erwachsene kostete damals in der ersten Stufe 1,20 Mark, in der zweiten 2 Mark. Insgesamt existierten überhaupt nur 18 unterschiedliche Preisvarianten.

Das Tarifsystem ist in seinen Grundzügen noch heute üblich. Man kann allerdings durchaus sagen, dass es inzwischen Wucherungen hervorgebracht hat. Mittlerweile gibt es 75 verschiedene Preise – und ein Zonen- und Stufensystem, das vor allem für Auswärtige nicht auf Anhieb zu begreifen ist. Natürlich mussten die Fahrgäste mit dem neuen Tarifsystem mehr berappen als zuvor; das war ja schließlich der erklärte Sinn der Umstellung. Während die Fahrgäste heute die alljährlich fälligen Tarifsteigerungen mehr oder minder klaglos zur Kenntnis nehmen, liefen damals viele Sturm.

An regelmäßigen Demonstrationen und Straßenblockaden beteiligten sich bis zu 4000 Menschen, vorwiegend Kommunisten, Studenten und Schüler. Versuche der Organisatoren um den Kabarettisten Dietrich Kittner, die legendäre Rote-Punkt-Aktion aus dem Jahr 1969 wieder aufleben zu lassen, scheiterten jedoch. Am Ende zahlten die Hannoveraner von Juni 1975 an die höheren Fahrpreise und fuhren ansonsten einfach weiter.

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