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Stadt Hannover 75 Jahre Wilhelm-Busch-Museum
Aus der Region Stadt Hannover 75 Jahre Wilhelm-Busch-Museum
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07:54 20.08.2012
Von Simon Benne
Unter den Hakenkreuzfahnen: Das Wilhelm-Busch-Museum am Rustplatz (heute Georgsplatz) wurde am 13. Juni 1937 eröffnet. Spitzen der NSDAP nahmen an dem Spektakel teil. Bei einem Luftangriff wird das Gebäude später zerstört. Quelle: Wilhelm-Busch-Museum
Hannover

Die Eröffnung des Hauses muss ein großes Spektakel gewesen sein. Am 13. Juni 1937 nahm in Hannover eine Einrichtung den Betrieb auf, die noch heute zu den großen Kulturinstitutionen der Stadt zählt. Am Rustplatz, dem heutigen Georgsplatz, öffnete das Wilhelm-Busch-Museum seine Pforten - und zwar „im Schmuck leuchtender Hakenkreuzfahnen“ und im Beisein der „Spitzen der Partei“, wie das Mitteilungsblatt der Wilhelm-Busch-Gesellschaft (WBG) stolz vermeldete.

In diesem Sommer feiert das Museum sein 75-jähriges Bestehen. Wenn Max und Moritz heute zum Kanon der deutschen Literatur gehören wie Goethes Faust (und dazu noch gerne gelesen werden), ist das nicht zuletzt dem Museum und der Wilhelm-Busch-Gesellschaft zu verdanken. Diese hat seit einigen Jahren allerdings auch viel damit zu tun, die dunklen Seiten ihrer Geschichte aufzuarbeiten. Denn die Gründung des Museums stand 1937 ganz im Zeichen des NS-Geistes.

Dabei nahm die Museumsgeschichte ihren Anfang schon zur Zeit der Weimarer Republik. Im Jahr 1926 schlug der „Hannoversche Anzeiger“ Alarm. Die Zeitung, Vorläufer der HAZ, berichtete, dass dem baufälligen Geburtshaus des großen Wilhelm Busch in Wiedensahl (Landkreis Schaumburg) der Abbruch drohe. Bald unterzeichneten Schriftsteller wie Thomas Mann und Ricarda Huch einen Aufruf, der den Erhalt des Hauses zur „Ehrenpflicht des deutschen Volkes“ erklärte. Busch-Freunde, die bei der Renovierung zusammengefunden hatten, gründeten 1930 schließlich die Wilhelm-Busch-Gesellschaft. Und zwei Jahre darauf, zum 100. Geburtstag des Meisters, initiierten sie im heutigen Landesmuseum eine Busch-Ausstellung, die mit 25000 Besuchern zur populärsten Kunstschau in der Stadt seit Jahrzehnten wurde. „Das beflügelte Pläne zur Gründung eines eigenen Museums“, sagt Gisela Vetter-Liebenow, die heutige Direktorin des Museums, das heute „Wilhelm Busch - Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst“ heißt.

In den ersten Jahren tummelten sich in der Busch-Gesellschaft unkonventionelle Geister wie Otto Levin. Dem Satirefan schwebte schon damals vor, den Einfluss von Wilhelm Busch auf US-Comics wie Micky Maus oder Felix the Cat unter die Lupe zu nehmen. Doch daraus wurde nichts: Am 15. März 1933, wenige Wochen nach der Machtübernahme der Nazis, nahm er sich das Leben. Levin war Jude. Im Mitteilungsblatt der Busch-Gesellschaft fand sich bald eine Ergebenheitsadresse an den „Führer“. Wilhelm Buschs Beispiel zeige, dass wahres Künstlertum „nur aus der heimatlichen Scholle erwachse“, schrieb Walther Lampe vom Vorstand der Gesellschaft pathetisch.

Der Kreis um Lampe und den ersten Museumsdirektor Emil Conrad versuchte, örtliche Nazigrößen aus der Gesellschaft heraus zu halten: „Sie wollten sich von niemandem gerne dreinreden lassen“, sagt Vetter-Liebenow, „doch wie überall gab es eine freiwillige, schnelle Anpassung.“ Im Jahr 1938 gab sich die Gesellschaft eine neue Satzung: „Juden können nicht Mitglied der Gesellschaft sein“, hieß es darin lapidar. Wilhelm Busch erklärte man kurzerhand zum völkischen Dichter, dessen Werk und Person „vorausahnend in dem wurzeln, das in den Kräften des deutschen Nationalsozialismus seinen ureigenen Grund hat“, wie Lampe 1939 schwurbelte.

Busch wurde in der NS-Zeit als Botschafter des deutschen Humors instrumentalisiert“, sagt Vetter-Liebenow. Der Künstler war populär, galt als unpolitisch und heimatverbunden. Da war es ganz im Sinne der Machthaber, dass die Busch-Gesellschaft ihren Patron auf Reisen schickte: In Wien eröffnete Gauleiter Baldur von Schirach 1941 eine Busch-Ausstellung mit Exponaten aus Hannover. Es folgten Ausstellungen in Straßburg, Brünn, Zagreb, Reichenberg, Posen und Danzig - um „deutschen Volksgenossen, besonders denen, die zum Großdeutschen Reich zurückgekehrt sind, das Werk Meister Buschs näher zu bringen“. Im Krieg trugen Tausende Soldaten die Reclam-Feldpostausgabe mit Buschs Werken bei sich. Und als Abzeichen waren Max-und-Moritz-Figuren bei der Sammlung des Winterhilfswerks ein Renner; sie verkauften sich 35 Millionen Mal.

Die Mitgliederzahl der Busch-Gesellschaft wuchs auch im Krieg noch rasant - und nie wieder erwarb diese so viele Busch-Originale wie in der NS-Zeit. „Viele Sammler mussten damals ihre Schätze verkaufen, zahlreiche Werke kamen auf den Kunstmarkt“, sagt Vetter-Liebenow.

„Die gegenwärtige Zeit ist für Ankäufe außerordentlich günstig“, konstatierte Museumsdirektor Conrad 1935 in einem Brief. So erwarb er Gemälde und Zeichnungen aus der Sammlung des hannoverschen Bankiers Richard Dammann, der Jude war und sich zur Emigration gezwungen sah. Dazu zählten auch Kapitel aus Buschs letzter großer Bildergeschichte „Maler Klecksel“. Um 1939 kamen acht Ölbilder, welche die Gestapo beim jüdischen Sammler Rudolf Neugass beschlagnahmt hatte, in den Besitz des Museums. Neugass starb 1942 in Theresienstadt.

Lange beschäftigte sich die Busch-Gesellschaft nicht mit ihrer braunen Vergangenheit; ihre führenden Köpfe blieben nach 1945 noch lange in Amt und Würden. „Heute versuchen wir, Nachfahren früherer Besitzer zu finden, wenn wir einen Verdacht haben“, sagt Ruth Brunngraber-Malottke. Die stellvertretende Museumsdirektorin hat ein Jahr lang Provenienzforschung im eigenen Haus betrieben, sie hat Gemälderückseiten nach Namenszügen abgesucht und alte Akten durchforstet. Das Problem dabei: „Viele Werke wurden damals in großen Konvoluten angekauft und nur summarisch ins Inventarbuch eingetragen“, sagt Brunngraber-Malottke.

Immerhin: „Von rund 50 unserer Werke wissen wir, dass sie unter ungeklärten Umständen erworben wurden“, sagt Brunngraber-Malottke. Außerdem gelten neun Bilder aus dem Fundes des Hauses als „restitutionspflichtig“: Das Museum sucht online im „Lost-Art-Register“ nach den rechtmäßigen Eigentümern. Bislang hat sich noch niemand gemeldet.

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