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Stadt Hannover Mittwoch fährt die letzte Bahn über den Ernst-August-Platz
Aus der Region Stadt Hannover Mittwoch fährt die letzte Bahn über den Ernst-August-Platz
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18:40 24.05.2017
Von Bernd Haase
Hannovers Kröpcke in den 50er Jahren von der Georgstraße aus. Rechts sieht man die Haltestelle der Straßenbahn vor dem Cafe Kröpcke. Quelle: Archiv
Hannover

Danach findet am Himmelfahrtstag noch die historische Fahrzeugparade statt, und dann ist nach 125 Jahren endgültig Schluss mit Straßenbahn-Verkehr vor dem Hauptbahnhof. Am Aegi waren es dann sogar 138 Jahre, in denen dort oberirdisch eine Haltestelle angesteuert wurde.

Der letzte fahrplangemäße Bahn wird eine grüne sein. Der Fahrer Stefan Müller steuert sie aus Fahrtrichtung Aegi als sogenannten Einläufer bis Glocksee. „Die Bahn fährt dort ins Depot“, sagt Iwannek. Fahrgäste können trotzdem zwischen Aegi und Glocksee mitfahren, müssen aber spätestens an der Haltestelle dort aussteigen.

Viel Rummel hat die Üstra nicht um den Termin gemacht. „In der Szene hat sich das ohnehin schon rumgesprochen“, sagt Iwannek. Straßenbahnfreunde, von denen es eine Menge gibt, werden vor Ort erwartet, um das persönliche Fotoarchiv mit einem Symbolbild zu bereichern. Ein offizieller Fest-, oder wenn man will, Trauerakt – ist für die Nacht nicht geplant. Bei der Üstra überlegt man noch, ob die Bahn überhaupt beispielsweise durch das Wort „Abschied“ oder „Schlussfahrt“ in der Fahrtzielanzeige kenntlich gemacht wird oder ob sich die Fans allein auf ihre Uhr verlassen müssen und darauf, dass der Fahrplan stimmt.

Stadtbahnen vor dem Hauptbahnhof sind nicht mehr gewünscht. Die politische Entscheidung, die oberirdische Strecke in Hannover statt wie jahrzehntelang zum Aegi nun zum Raschplatz zu führen, hat die Stilllegung des Streckenzweiges über Joachim- und Prinzenstraße zur Folge. „Es ist ein Abschied für immer“, sagt der Üstra-Chronist und Journalist Achim Uhlenhut, der sich in die Geschichte des Unternehmens eingefuchst hat wie kaum ein Zweiter.

Video: Eine Fahrt mit der Linie 10 im Zeitraffer

Stadtbild sollte nicht verschandelt werden

Seit 1879 fuhren Bahnen vom Aegi durch die Prinzenstraße Richtung Thielenplatz. „Damals war dies eine neue Linie der Pferdebahn, bei der die Wagen von Pferden gezogen wurden“, berichtet Uhlenhut. Mit 125 Jahren etwas jünger und exakt so alt wie die Üstra ist die Wegführung über einen Teil des Ernst-Augus-Platzes.

Einer der Schritte beim Rückbau der Strecke wird es sein, Oberleitungen zu entfernen. Just um die hatte es zu Beginn der Stadtbahngeschichte vor dem Hauptbahnhof Ärger gegeben. Der hannoversche Magistrat, also die damalige Stadtverwaltung, lehnte die Strippen seinerzeit für die gesamte Innenstadt vehement ab. Man wollte das Stadtbild nicht mit dem Anblick von Fahrdrähten beeinträchtigen.

Weil Oberleitungen in äußeren Bezirken wie zunächst in Herrenhausen aber sehr wohl installiert wurden, mussten Fahrgäste auf dem Weg zum Hauptbahnhof von der elektrischen auf die Pferdebahn umsteigen. Um diese Prozedur zu unterbinden, ließen die Techniker Akkumulatorenbatterien in die Wagen einbauen, die dort genutzt wurden, wo keine Oberleitungen erlaubt waren. „Berichte belegen, dass es häufig Ausfälle und ab und an Brände oder Explosionen gab“, erzählt Uhlenhut. Gelegentlich hätten die Fahrgäste aussteigen müssen, um einen havarierten Wagen zur nächsten möglichen Abschleppstelle zu schieben. Erst ab Herbst 1903 und mithin nach zehnjährigem Ringen ließ der Magistrat die Oberleitungen auch in der Innenstadt zu. Streit um technische Innovationen ist mitnichten eine Erscheinung der Neuzeit.

Von der vorletzten Jahrhundertwende an waren die Ansichten des hannoverschen Hauptbahnhofes immer von den Leitungen der Straßen- und später der Stadtbahn geprägt. Der Zeitpunkt, zu dem die Gleise entfernt werden, steht noch nicht fest. Bereits demontiert worden ist die Haltestelle auf der Seite der Ernst-August-Galerie.

Der bislang letzte Abschied von einer wichtigen innerstädtischen Bahnstrecke war 1979 am nahen Kröpcke begangen worden. Wegen des fortschreitenden Baus der Tunnelstrecken für die neue Stadtbahn war dort in der Nacht vom 28. auf den 29. September Schluss. „Zum Abschied wurde dort Sekt in die Schienen gegossen. Das war eigentlich eine Tradition zu Streckeneröffnungen“, berichtet Uhlenhut. Als Folge fuhren in den Jahren danach Bahnen von acht Linien auf dem Abschnitt zwischen Steintor und Aegi. Vor dem Hauptbahnhof lagen drei Gleise und drei Stationen, dazu kamen die Haltestellen für die Busse. Bis 1982 lief an dieser Stelle auch der komplette Verkehr zwischen City und Messe.

Mit dem Bau weiterer Tunnelstrecken wurden es dann immer weniger Züge. Zuletzt waren es noch die Linien 10 und 17, die sich ihren Weg durch die Fußgängerzone suchten. „Wenn am Himmelfahrtstag die Oldtimer-Parade vorbeigezogen ist, sind alle klassischen Straßenbahnstrecke in Hannovers City Geschichte“, sagt Uhlenhut.     

Die Üstra zeigt ihre Oldtimer

Mit der größten historischen Fahrzeugparade ihrer Geschichte gibt die Üstra am Himmelfahrtstag vor dem Hauptbahnhof den offiziellen Startschuss in ihr Jubiläumsjahr. Am 22. Juni wird das Verkehrsunternehmen 125 Jahre alt. Weil dann schon keine Bahnen mehr über den Ernst-August-Platz fahren können, bereichert die Parade nun zwischen 10 und 12 Uhr das Feiertagsangebot in der Stadt. Gezeigt wird die Entwicklung vom Pferde- bis zum Elektrobus und von der ersten elektrischen Bahn bis hin zum modernen TW 3000. Für die Zuschauer lässt die Üstra extra zwei Tribünen auf dem Platz aufbauen. Sie rechnet mit starkem Andrang. se

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