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Altkleidercontainer verschwinden spurlos

Lukratives Geschäft Altkleidercontainer verschwinden spurlos

Der Kampf um das Geschäft mit Alttextilien eskaliert: Dutzende der mannshohen Behälter sind im Stadtgebiet gestohlen worden. Der hannoversche Abfallbetrieb aha wundert sich.

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„Man braucht mindestens zwei Leute“: Container wie dieser verschwinden reihenweise.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Unbekannte haben in den vergangenen Wochen im Stadtgebiet zahllose Altkleidercontainer gestohlen. Allein in den östlichen Stadtteilen sind in der vergangenen Woche zwölf Behälter mit dem Signet des Abfallwirtschaftsbetriebs aha spurlos verschwunden. In der gesamten Landeshauptstadt sollen in jüngster Zeit Dutzende der unhandlichen, knapp mannshohen Container entwendet worden sein. Das mysteriöse Verschwinden der Sammelbehälter beschreibt allem Anschein nach ein neues Kapitel im Kampf um das lukrative Geschäft mit Altkleidern in Hannover.

Betroffen ist unter anderem die Unternehmerin Tanja Wolf. „Ich habe die Container schon extra alle gesichert“, berichtet die Chefin eines Recyclingbetriebes aus dem Landkreis Hildesheim. Wolf hat jeweils zwei der Metallboxen zusammengeschraubt - „dann sind sie nicht so leicht abzutransportieren“, sagt sie. Aber selbst die in einigen Containern eingebauten Alarmanlagen konnten einen Abtransport nicht verhindern. „Man braucht einen Lastwagen und mindestens zwei Leute zum Aufladen“, sagt Wolf. Den Wert der entwendeten Boxen schätzt sie auf 6000 Euro. Über die möglichen Täter will die Unternehmerin nicht spekulieren. Allerdings gilt es als wahrscheinlich, dass die Diebe Wolf und andere Containeraufsteller in der Landeshauptstadt zermürben und ihnen so das Geschäft vermiesen wollen.

Wolfs Firma ist eine von sechs, an die aha Lizenzen für das Aufstellen von Altkleidercontainern auf den sogenannten Wertstoffinseln in der Landeshauptstadt vergeben hat. In Hannover gibt es 268 dieser Wertstoffinseln, auf denen zum Beispiel auch Flaschencontainer stehen. Jede dieser Wertstoffinseln ist mit zwei Altkleidercontainern ausgestattet. Wie viel Geld aha von den sechs Firmen jährlich kassiert, will Unternehmenssprecher Stefan Schlutter nicht sagen.

Bei aha wundert man sich über die Containerdiebe. „Die Container aus Hannover kann man woanders gar nicht aufstellen, ohne dass sie auffallen“, sagt Schlutter. Denn die hannoverschen Container sind aus Gründen der Verkehrssicherheit mit einer Höhe von 1,72 Metern rund einen halben Meter niedriger als die Boxen im Rest der Republik.

Der Streit um das Geschäft mit Altkleidern schwelt in Hannover schon lange. Es geht um die Frage, wer die Container aufstellen und die wertvollen Altkleider einsammeln darf. In der Landeshauptstadt dürfen die Container nur auf den Wertstoffinseln sowie auf Privatgrundstücken stehen. Im Jahr 2010 klagte ein Unternehmer gegen die Stadt, weil er bei der Neuvergabe der Standorte nicht zum Zuge gekommen war. In der Folge kam es zu mehreren Gerichtsverfahren. Erst im Mai dieses Jahres hatte das Verwaltungsgericht Hannover die Klage eines Unternehmers zurückgewiesen, der Container aufstellen wollte. Nach Ratsbeschluss darf seit dem Sommer 2012 auf den öffentlichen Flächen nur der Abfallwirtschaftsbetrieb aha Altkleider sammeln.

Seit 2010 hat sich der Preis für Altkleider verdoppelt, pro Kilogramm erhalten Händler derzeit 50 Cent von den Verwertungsfirmen.

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